Noch mehr als noch vor der Corona-Krise greifen Kunden auf Sonderangebote zurück. Foto: dpa
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Noch mehr als noch vor der Corona-Krise greifen Kunden auf Sonderangebote zurück.

Wirtschaft

Sonderangebote sind besonders gefragt

  • vonWalter Scheele
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Die Ausgaben für den Lebensunterhalt der Menschen im Kreis Groß-Gerau sind in der Corona-Krise gesunken

An den Kassen der Supermärkte wird es bereits deutlich: Die rund 90 000 Familien im Kreis Groß-Gerau müssen den Gürtel enger schnallen. Frauen wie Männer greifen beim Einkauf mehr als vor Corona zu Sonderangeboten. Markenware wird zum "Ladenhüter", wenn billigere No-Name-Angebote zu finden sind. Konkret sind die Ausgaben der Haushalte für den Lebensunterhalt um rund fünf Prozent zurückgegangen.

Dies war der stärkste Rückgang seit 1970. Diese Entwicklung unterscheidet sich von der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009, als der private Konsum weniger beeinträchtigt war und dadurch eine stabilisierende Wirkung auf die deutsche Volkswirtschaft hatte. Zu diesem Ergebnis kommt die Erhebung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zur volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr.

Weniger Absatz von Schweinefleisch

"Wir merken diese Entwicklung ganz massiv an der Kasse", sagte der Leiter (36) einer großen Supermarktkette dieser Zeitung. Er wies besonders auch auf einen anderen Trend hin: "Es wird immer weniger Schweinefleisch gegessen. Obwohl die Preise zum Teil um bis zu 36 Prozent unter denen des vergangenen Jahres liegen."

Der Einbruch auf diesem Sektor liegt seiner Erfahrung nach an zwei Entwicklungen: "Die Leute greifen nicht nur auf billige Produkte zurück, sondern auch auf vegane Speisen. Dazu kommt, dass wir einen ,Schweinestau' haben."

Diese Aussage bestätigen die Statistiker von Destatis. Ihren Erhebungen nach sind die fallenden Preise hauptsächlich in fehlenden Absatzmöglichkeiten begründet. Schließung der Gastronomie und fehlende Großereignisse wie zum Beispiel Messen und Volksfeste seien dafür der Anlass. Zudem konnte das erhöhte Angebot an "schlachtreifen" Schweinen aus reduzierten Schlachtaktivitäten aufgrund bestehender Corona-Hygieneauflagen vor allem in Süddeutschland noch nicht abgebaut werden. Schließlich stockt aufgrund der Afrikanischen Schweinepest weiterhin der deutsche Export in Staaten außerhalb der Europäischen Union (Drittstaaten).

Kartoffeln sind günstiger geworden

Ganz anders sieht der Trend hingegen bei den sogenannten pflanzlichen Lebensmitteln aus. Beim Gemüse betrug die Preissteigerung im Februar 2021 gegenüber Februar des Vorjahres 12,9 Prozent. Ausschlaggebend hierfür waren vor allem die Preissteigerungen beim Salat mit einem Plus von 29,8 Prozent aufgrund des witterungsbedingt verknappten Angebots.

Auch beim Obst kam es zu Preissteigerungen. Im Februar 2021 mussten die Kunden 30,6 Prozent mehr als noch vor einem Jahr dafür an der Ladenkasse berappen. Erwähnenswert sind hierbei die gestiegenen Erzeugerpreise für Tafeläpfel (plus 15,2 Prozent). Die Preissteigerung ist hauptsächlich Folge der frostbedingten Ernteausfälle im Frühjahr 2020 in einigen der großen Anbauregionen.

Ein erfreulicher Aspekt macht sich bei Kartoffeln bemerkbar. Mangels Nachfrage bei Großabnehmern muss der private Kunde für sie an der Ladenkasse weniger als die Hälfte hinlegen.

Walter Scheele

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