Sieben Fälle von Betrug und Fälschungen

Urteil: Zweieinhalb Jahre Knast

  • vonWalter Scheele
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Überraschend schnell ging gestern der Prozess gegen eine 25-jährige Hartz-IV-Empfängerin aus Langen zu Ende. Die inzwischen in Groß-Gerau lebende Frau muss für zweieinhalb Jahre hinter Gitter.

Selbst bei der Urteilsverkündigung blieb die 25-jährige Hartz-IV-Empfängerin und BMW-Fahrerin uneinsichtig. Schweigend hörte sie die Urteilsbegründung. Die Frau muss für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis. Bewährung gibt es bei der Strafhöhe nicht.

Das Schöffengericht Darmstadt verurteilte die Uneinsichtige wegen sieben Fällen von Betrug, zwei Urkundenfälschungen und zweimaliger falscher Abgabe der Eidesstattlichen Versicherung, umgangssprachlich Offenbarungseid. Mit betrügerischen Verkäufen von kranken Gäulen als teure Reitpferde hat die 25-Jährige, so das Gericht, ihren aufwendigen Lebenswandel bestritten. Auf rund 130 000 Euro Gewinn, welche die Blondine so gemacht hat, kam das Gericht in seiner Urteilsbegründung.

Nur die Eisbergspitze

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft sind die jetzt abgeurteilten Fälle nur die Spitze eines Eisbergs. Denn die erste Verurteilung wegen Urkundenfälschung handelte sich die Frau bereits als 15-Jährige ein. Nach Informationen von Zeugen dieses Verfahrens soll die 25-Jährige insgesamt 15 Geschäfte mit Pferden abgewickelt haben. „Alle nicht ganz sauber“, war sich eine Zeugin sicher.

Für diese Annahme spricht auch eine Verurteilung wegen falscher Verdächtigung, die sich die Blondine am 11. März 2014 vor dem Amtsgericht in Hamburg St. Georg eingehandelt hat. Damals bezichtigte sie zwei Zeugen, nach einem Pferdeverkauf falsch gegen sie ausgesagt zu haben. Diese Anzeige brachte der jetzt verurteilten Hartz-IV-Empfängerin eine Geldstrafe von 600 Euro ein.

Eine Herausforderung

Richter Peter Liesenfeld stellte nach der Verkündigung des Strafmaßes an die Angeklagte fest: „Sie sind eine Herausforderung für jedes Gericht. Bei Ihnen hat weder ein Umdenken stattgefunden, noch haben Sie Reue gezeigt. Sie blocken einfach alles ab oder werden frech.“ Der Richter zog ihren schicken BMW und die in einem Regal gefundenen 12 500 Euro Bargeld ein. Das Geld soll, laut Gericht, die Opfer der Straftaten wenigstens zu Teilen entschädigen.

Zum Abschluss sagte Liesenfeld der Anwärterin auf einen Haftplatz in Frankfurt Preungesheim, sie habe ihr Leben in einer Weise geführt und finanziert, die für die Gesellschaft nicht akzeptabel sei. Weil sie aus einer einheitlichen Grundhaltung, nämlich trotz Hartz IV und ohne Arbeit ein komfortables Leben führen zu wollen, gehandelt habe, seien ihre Betrügereien als gewerbsmäßig zu verurteilen.

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