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„Volk im Schloss“ in überarbeitetem Design

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Neue Farben, gleiche Qualität: „Volk im Schloss“ tritt im neuen Gewand auf und hat auch in diesem Jahr ein Programmpaket geschnürt, das einer Wundertüte gleicht.

Schon auf dem Weg nach Groß-Gerau ist es kaum zu übersehen: Ein großes, weißes Banner mit ungewöhnlicher Schrift ist am Bauzaun befestigt. „Huch, noch nie gesehen – etwa ein neues Festival?“, denkt man, schaut genauer hin und erkennt: Das ist ja „Volk im Schloss“.

So gehe es vermutlich vielen, mutmaßt Jochen Melchior. Als der Verantwortliche für das Festival im Groß-Gerauer Schloss Dornberg die Zügel für einen Tapetenwechsel ein paar Mainzer Studenten in die Hand gibt, weiß er gar nicht genau, was auf ihn zukommt. Klar ist nur: Das alte Design ist nicht mehr zeitgemäß. „Macht mal“, sagt Melchior zu den Kreativen.

Weiße Grunge-Schrift auf rotem Grund weicht dezent geschwungenen Buchstaben und einer Dreifarbigkeit. Türkis, dunkelblau und gelb purzeln Zierelemente über den weißen Hintergrund. „Ich bin ja eigentlich ein kreativer Mensch, aber die Studis haben da angefangen zu denken, wo ich aufgehört habe“, erzählt Melchior. Ein bisschen ungewohnt sei das neue Design schon erst einmal gewesen, die Rückmeldungen bisher seien aber durchweg positiv.

Dass die Studenten nicht nur den Charakter des Festivals eingefangen haben, sondern auch gleich einen Lokalbezug hergestellt haben, gefällt dem Team um Jochen Melchior besonders gut. Die ungewöhnliche, extra fürs Festival entwickelte Schriftart ist eine Hommage an die Muster Groß-Gerauer Fachwerkhäuser, der achteckige Stern ebenfalls ein häufig dort zu entdeckendes Motiv.

Das Gewand ist also neu, aber das Grundkonzept des vom Kreis und der Stadt Groß-Gerau veranstalteten Fests ist das alte: Eine Mischung aus Theater, Musik, Kabarett und Kinderprogramm steht am letzten August-Wochenende allen Interessierten offen – kostenlos. „Es ist ein Festival für alle. Eintritt zu nehmen, ergibt gar keinen Sinn. Wir wollen niemanden ausschließen“, erklärt Melchior. Dass alles mit der Finanzierung klappt, sei vor allem den Sponsoren und Unterstützern zu verdanken. „Wir haben uns echt die Hacken wundgelaufen und Klinken geputzt und dafür auch tolle Betriebe gewonnen“, so der Fachdienstleiter für Kultur, Sport und Ehrenamt.

Der regionale Fokus, den das Festival schon immer hatte, sei noch verstärkt worden. „Wir achten auf unsere Öko-Bilanz, wollen zum Beispiel auch wissen, wo die Produkte unserer Caterer herkommen“, sagt Melchior.

Auch der bei anderen Festivals oft übliche Müll, zum Beispiel durch Plastikgeschirr, soll komplett vermieden werden. Und auch die Besucher können etwas tun: „Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder gleich mit dem Rad anreisen“, sagt Melchior augenzwinkernd.

Das Programm wartet wie gewohnt mit einer Mischung aus bekannten und noch jungen Künstlern auf. Besonders spannend findet Melchior in diesem Jahr

„Siegfried & Joy“

, zwei Jungs, die Zauber-Comedy machen. „Das ist wirklich für jeden was. Normalerweise spielen die vor mehreren Tausend Menschen – das ist echt mein Highlight“, schwärmt er. Besonders außergewöhnlich ist in seinen Augen die „Kabarett-Konferenz“, in der Größen wie Nessi Tausendschön, Thomas Freitag und „die feisten“ zusammenkommen und völlig frei einen Comedy-Abend mit Slam-Charakter gestalten. Ebenfalls ungewöhnlich wird die Adaption der Nibelungen-Saga der Büchner-Bühne mit Elementen aus Fantasy und Metal-Musik sein. Auch auf die Inklusions-Band „Wir sind wer“ freut er sich. „Da spielen beeinträchtigte und nicht beeinträchtige Menschen richtig gute Musik.“

Für die kleinen Gäste gibt es in diesem Jahr Kinderprogramm und -betreuung im Zauberwald. „Wir dekorieren dort dann entsprechend und im Märchenzelt wird vorgelesen“, sagt Melchior. Bereits im achten Jahr stellen er und sein Team – im engeren Kreis sind das Christian Suhr von der Büchner-Bühne sowie Timo Jelling und Elke Landau – das Festival auf die Beine. Insgesamt sind an den drei Festivaltagen rund 250 Menschen involviert und jedes Jahr ist Melchior erneut dankbar. „Der Bauhof unterstützt uns beim Aufbau, die DLRG hält Nachtwache – das verdient einfach höchsten Respekt“, sagt er stolz.

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