Bildung

Grundschule platzt aus allen Nähten

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Die Räume der Grundschule Königstädten sind zu klein und kaum für Behinderte geeignet. Seit das Nachmittagsangebot erweitert wurde, sind die Platz-Probleme noch größer geworden.

Vom Boden hebt sie kaum ab. Doch als sie ihn nach ihrem Sprung wieder berührt, ist die Vibration trotzdem deutlich zu spüren. Der sogenannte Pavillon, in dessen Eingangsbereich Kristin Becker steht, wirkt nicht sonderlich stabil. Nichtsdestotrotz werden in dem weißen Klotz beinahe täglich Kinder unterrichtet.

Bei dem Klotz handelt es sich um ein in den 1970er Jahren errichtetes Nebengebäude der Grundschule Königstädten. Gedacht war das Gebäude damals eigentlich nur als Provisorium. Doch auch fast ein halbes Jahrhundert später steht es noch, wird regelmäßig für den Unterricht genutzt, obwohl es einen maroden Eindruck macht. Da ist man froh, wenn einem der Putz nicht von der Decke aufs Haupt fällt, wenn die Rektorin zu Demonstrationszwecken in die Luft springt.

Dass die Grundschule Königstädten ein Platz-Problem hat, ist nicht neu. Doch seit die Schule nach den Sommerferien dem Landesprogramm „Pakt für den Nachmittag“ beigetreten ist, hat sich die Situation noch einmal verschärft. Deutlich wird das beispielsweise an der Zahl der AGs, die die Schule nun anbietet. Statt einer Handvoll sind es nun um die 30. Die Sporthalle ist nun auch nachmittags ständig belegt. Dass auch sie schon einige Jahrzehnte alt ist, zeigt sich auch daran, dass ihre beiden Felder für heutige Maßstäbe äußerst knapp bemessen sind. Dazu kommt, dass es zu wenige Umkleide-Kabinen gibt.

Probleme hat es auch bei den Umkleiden für das Personal der Mensa gegeben. Um für diese Platz zu schaffen, mussten einige Lehrbücher in den Keller wandern. In der Schülerbibliothek stapeln sich die Bücher auf den Tischen. Das Mobiliar in den Klassenzimmern ist teilweise veraltet, Stühle und Tische etwa sind nicht höhenverstellbar und somit nur für bestimmte Altersgruppen zu gebrauchen.

In der Mensa warm zu Mittag essen können lediglich 90 der 450 Grundschüler. Alte Unterrichtsräume müssen als Speisesäle herhalten. Das Problem: Sie befinden sich im Keller der Schule. Mangels Barrierefreiheit ist ein Kind mit Behinderung vom Essen und den anderen dortigen Ganztagsangeboten ausgeschlossen. Was die Sicherheit angeht, sind die Keller-Räume auch für Menschen ohne körperliche Einschränkungen nicht ohne. Bei manchem Notausgang handelt es sich um eine Leiter, die über ein Fenster ins Freie führt. Klettern sollten Kinder wie Lehrer also können.

Angesichts dessen ist man sich im Rathaus durchaus darüber im Klaren, dass sich an der Grundschule etwas tun muss. Überlegungen, die Schule zu einem Bildungszentrum auszubauen, fanden nicht die Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung. Im März entschieden die Parlamentarier vielmehr im Zuge der Haushaltsberatungen, dass der Standort zwar weiter entwickelt werden soll, jedoch ohne Jugendräume und ohne die Stadtteilbücherei, die beide im Ortskern angesiedelt sind.

In einer Machbarkeitsstudie wurden zudem bauliche Veränderungen geprüft. Ein Knackpunkt ist dabei das rote Hauptgebäude der Grundschule, das aus dem Jahr 1948 stammt. Soll es abgerissen oder erhalten werden? Bürgermeister Dennis Grieser (Grüne) tendiert zum Erhalt des Gebäudes. Bei einem Abriss erwartet er Proteste der Eltern. Kristin Becker hingegen ist für einen Neubau, in dem jedes Klassenzimmer so ausgestattet ist, dass die Schüler dort alles haben, was sie den ganzen Tag über brauchen. Beispielsweise auch eigene Sanitäranlagen. „Jedes Klassenzimmer sollte eine eigene Insel sein“, fordert Becker.

Um eine Einigung zu erzielen, wird jetzt eine interfraktionelle Arbeitsgruppe eingerichtet, in der neben den bau- und bildungspolitischen Sprechern der in der Stadtverordnetenversammlung vertretenen Fraktionen auch Rektorin Becker und die Elternvertretung der Grundschule sowie der Königstädter Ortsvorsteher einbezogen sein sollen. Die Treffen sind zunächst nicht öffentlich. Ende September will die Arbeitsgruppe ihre Arbeit aufnehmen. Die Ergebnisse sollen in einer Beschlussvorlage für die Stadtverordneten münden.

Bis die Ergebnisse vorliegen und sich etwas verändert, kann es noch lange dauern. Für Kinder und Lehrer heißt es solange: zusammenrücken und keine zu großen Sprünge wagen.

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