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Auf Haft folgt die Abschiebung

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Von: Walter Scheele

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Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Foto: David-Wolfgang Ebener/Archiv
Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Foto: David-Wolfgang Ebener/Archiv © dpa

Ein 22-jähriger Mann muss für zwei Jahre und neun Monate in Haft, dann wird er in sein Heimatland abgeschoben. Dieses Urteil fiel nun vor der Ersten Großen Strafkammer am Landgericht Darmstadt.

Am Landgericht Darmstadt wurde ein 22-jähriger Asylbewerber der gefährlichen Körperverletzung, des Einbruchs und des tätlichen Angriffs auf zwei Polizeibeamte im Frankfurter Hauptbahnhof für schuldig gesprochen.

Erst in letzter Minute hatte sich der Mann, der unter mindestens drei falschen Namen in Deutschland Unterschlupf gefunden hatte, zu einem halbherzigen Geständnis bequemt. Zuvor hatte er ebenso wortreich wie unwahr behauptet, alle Beschuldigungen gegen ihn seien falsch. Dem mochten weder Anklage noch Gericht folgen.

Die Zeugen zeichneten ebenfalls ein anderes Bild von den Verhältnissen in der Flüchtlingsunterkunft in Trebur-Astheim. Dort soll ein gespanntes Verhältnis unter den Asylbewerbern und zwischen ihnen und den Betreuern herrschen.

Fäuste sprechen lassen

Offen mochte sich, auch vor Gericht, niemand zu den dort herrschenden Zuständen äußern. Unter der Hand berichteten Zeugen jedoch gegenüber dieser Zeitung: „Bei uns in der Straße herrscht Gewalt. Recht hat, wer am lautesten schreit und am schnellsten die Fäuste sprechen lässt. Die Betreuer sehen weg.“ Von offizieller Seite war hierzu bisher keine Stellungnahme zu erhalten. Beim Kreis hieß es auf Anfrage, die zuständigen Sachbearbeiter seien derzeit nicht verfügbar. Wenn es etwas zu sagen gebe, müsse man die Anschuldigungen erst einmal prüfen.

Fest stand nach den zwei Verhandlungstagen vor der Ersten Großen Strafkammer, dass der angeblich 22-Jährige über die zentrale Flüchtlingsaufnahme in Gießen nach Trebur-Astheim gekommen ist. Angeblich unbegleitet aus den Niederlanden nach Deutschland eingereist, wollte er eigenen Angaben nach hier Arbeit finden und ein Leben in Frieden führen.

Dem Gericht fiel es schwer, dies zu glauben. Denn im Laufe der Verhandlung tauchten immer mehr Ungereimtheiten im Lebenslauf des Angeklagten auf. So will er in seiner Heimat die Schule besucht und gearbeitet haben. Schließlich räumte er aber ein, als Zwölfjähriger am Lernen und an den Vorstellungen seines Vaters keinen Gefallen mehr gefunden zu haben. Mit Freunden lebte er auf der Straße, beschaffte sich Geld für Drogen und Essen durch Überfälle und Diebereien.

Herrliches Leben

Schließlich, berichtete er, habe er von Kumpels gehört, wie wunderbar das Leben als Flüchtling in der Bundesrepublik sei. Am besten reise man in das Land über die Niederlanden ein – man müsse sich nur einen neuen Namen geben. Das Gerücht: In Deutschland bekomme jeder Flüchtling ohne viel Überprüfung eine Wohnung, Essen und Trinken, ja sogar noch Bares auf die Hand. Damit könne man herrlich leben. Aber das alles reichte dem 22-Jährigen nicht. Er drangsalierte in Astheim seine Mitbewohner, schlug und trat sie. Er drang in deren Zimmer ein und holte sich, was ihm gefiel. Meist brauchte er Geld, um seinen Alkoholkonsum zu finanzieren.

Ziemlich betrunken geriet er am Frankfurter Hauptbahnhof schließlich mit zwei Polizeibeamten in eine Auseinandersetzung. Eigentlich wollten diese den Randalierer zur Ruhe ermahnen. Doch der schlug und trat um sich, brachte sogar einen Beamten mit Gewalt zu Boden. Die Quittung gab es am Dienstag für den jungen Mann. Er muss zwei Jahre und neun Monate in Haft. Anschließend wird er in sein Heimatland abgeschoben, so das Urteil von Richterin Ingrid Schroff.

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