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Hebamme Christina Cala ertrinkt förmlich in einer Flut aus Danksagungen.

Begleiterin bei Geburten

Hebamme Christina Cala erhält für ihre Arbeit rührende Dankesbriefe

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Lampenfieber war der ständige Begleiter bei Geburten: Hebamme Christina Cala hat unzähligen Mädchen und Jungen geholfen, als sie das Licht der Welt erblickten.

Mörfelden-Walldorf - Tausend Karten mit Danksagungen reichen nicht, die sie auf dem braunen Holzboden um sich schart. Inmitten all dieser Post nimmt die Hebamme Christina Cala Platz und erinnert sich an allerlei Begebenheiten, seit sie vor 30 Jahren ihre freiberufliche Tätigkeit in der Doppelstadt aufgenommen hat. Seither hat sie mehr als 1500 Babys im gesamten Rhein-Main-Gebiet auf die Welt geholfen.

Wie kam die 52-jährige zweifache Mutter und Oma zurzeit von noch einem Enkel (der zweite wird im Mai erwartet) zu diesem Beruf, der ständige Rufbereitschaft erfordert? Sie verfolgte die Schwangerschaften ihrer beiden älteren Schwestern. „Das war die Initialzündung, Hebamme zu werden“, lacht Cala. Ihr Traumberuf als Kind war jedoch ein Job in einem Reisebüro und viel durch die Welt zu touren.

Einen kleinen Teil davon gönnte sie sich zwischen 2014 und 2017, als sie mit ihrem Mann drei Jahre in Asien lebte und dort schwangere Frauen in Brunei betreute. Vor ihrem Auslandsaufenthalt hatte Cala ihre eigene Praxis im Ärztezentrum Mörfelden geschlossen. Davor hatte sie bei sich zu Hause und später in angemieteten Räumen Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse angeboten.

Nach ihrer Rückkehr aus Asien war Cala in einer Hebammenpraxis in Rüsselsheim und in zwei Räumen bei sich zu Hause tätig. Seit dem 1. März dieses Jahres gibt sie außerdem Kurse im Familienzentrum in Mörfelden.

Vor etwa zehn Jahren hörte Cala ganz mit Entbindungen von Babys auf. Der Grund war, dass sie sich nach 20 Jahren Praxis planbarer Arbeit zuwenden wollte – aber auch, dass der jährliche Haftpflichtversicherungsbeitrag für Hebammen mit Geburtshilfe von einst 400 Euro auf 9000 Euro jährlich angestiegen war. „Die Geburtshilfe fehlt mir ein wenig.“ Aber zwei Dekaden ständig unregelmäßige Tag- und Nacharbeit seien genug.

Instruktionen am Telefon

Schon in ihrer Ausbildung half sie unter Aufsicht 30 Kindern auf die Welt. Ihre erste eigenständige Geburt absolvierte Cala nach ihrer Ausbildung zwischen 1985 bis 1988 in einem Geburtshaus in Friedberg – ganz alleine, ohne Arzt. „Mir klopfte das Herz, mein Adrenalinspiegel und Blutdruck stiegen an. Aber ich habe mir nichts anmerken lassen.“ Schließlich ging alles gut. Auch bei allen anderen späteren Geburten hat Cala das Lampenfieber nie verlassen.

Inmitten ihrer vielen Danksagungen, teilweise mit Fotos und selbst gemalten Bildern, schmunzelt die Hebamme. Einmal stand eine Sturzgeburt an. Sie befand sich bereits auf dem Weg zu der werdenden Mutter. Am Telefon instruierte sie den werdenden Vater über alles, was er tun musste. Es ging alles gut. „Das Kind war schon fünf Minuten alt, als ich ankam.“ Ein weiterer kurioser Fall ereignete sich bei einer ihrer Wöchnerinnen. Sie erwartete Zwillinge. Der erste kam im Taxi auf dem Weg ins Krankenhaus bei Weiterstadt zur Welt, der zweite in der Klinik in Darmstadt. „Zwillinge mit zwei Geburtsorten, das gibt es nicht oft.“

Calas Tochter, Laura Grebe, trat 2010 in die beruflichen Fußstapfen ihrer Mutter. Grebe hat bereits einen Sohn, ist zurzeit selbst schwanger und erwartet ihren zweiten Sohn im Mai.

Herzgeräusche abhören

Keine Frage, dass Cala bei ihrer Tochter regelmäßig nach dem Rechten schaut – und unter anderem mit einem altertümlichen Hörrohr die Herzgeräusche des Ungeborenen abhört. Die Anzahl der Hausgeburten in Mörfelden und Walldorf sei stark zurückgegangen, so Cala. „Wenn es fünf in einem Jahr sind, dann ist das viel.“ Cala fungiert als Ratgeberin und Kummerkasten in allen Situationen. Wo sie jedoch einst mit telefonischen Fragen förmlich bombardiert wurde, „das lassen sich werdende Mütter und Eltern heute von Doktor Google beantworten“. Trotzdem wird Cala immer wieder angerufen, weil Dr. Google zu unterschiedliche Antworten auf Fragen liefert, was Angst und Unsicherheit verursacht.

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