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Viele Feuerwehren in Hessen - hier ein Einsatz der Feuerwehr Dietzenbach - haben das gleiche Problem: Sie haben zu wenig Einsatzkräfte. Eine Lösung könnte ein Zwangsdienst für die Bürger sein.

Zu wenig Einsatzkräfte

Feuerwehren haben alle das gleiche Problem - Müssen Bürger in den Zwangsdienst?

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Viele Feuerwehren im Rhein-Main-Gebiet haben das gleiche Problem: Sie haben zu wenig Mitglieder. Eine Lösung könnte ein Zwangsdienst für die Bürger sein.

Update vom Dienstag, 29.10.2019, 16.55 Uhr: Bürgerinnen und Bürger zum Zwangsdienst bei der Feuerwehr verpflichten? Das will niemand. In Ginsheim-Gustavsburg in Hessen wird darüber trotzdem nachgedacht. Bei der Freiwilligen Feuerwehr Dietzenbach im Landkreis Offenbach ist eine Verpflichtung zum Feuerwehrdienst bislang keine Option - obwohl auch diese Feuerwehr nicht ihre Sollstärke erreicht.

Die Feuerwehr Dietzenbach versucht stattdessen, ihre derzeit etwa 65 Mitglieder langfristig zu halten. „Sie bekommen freien Eintritt ins Schwimmbad und wir haben ein Bonussystem“, sagt Pressesprecher Oliver Schuster. Dabei können die Feuerwehrleute Punkte sammeln, wenn sie an Einsätzen oder Übungen teilnehmen oder sich in Fachgruppen engagieren – zum Beispiel in der Jugendarbeit.

Hessen: Freiwillige Feuerwehr hat Bonussystem für Mitglieder

Dafür bekommen sie dann einen festen Geldbetrag, etwa 100 bis 120 Euro, als Aufwandsentschädigung. „Normal wird nur der Lohnausfall gezahlt“, sagt Oliver Schuster. „Aber die Leute haben auch Fixkosten, zum Beispiel für Sprit oder wenn sie ihre Klamotten waschen müssen. Das wollen wir auffangen.“ Dieses System funktioniert so seit etwa anderthalb Jahren. „Davon kann die Familie mal Essen gehen.“

Für Oliver Schuster von der Feuerwehr Dietzenbach ist aber auch der technische Zustand der Geräte und des Feuerwehrhauses entscheidend. „Niemand will in einer Bruchbude rumhängen“, sagt er. „In Dietzenbach sind wir da auf einem guten Stand.“

Hessen: Feuerwehr hat zu wenig Personal - Zwangsdienst angedacht

Update vom Sonntag, 27.10.2019, 15.03 Uhr: Die Feuerwehren im Rhein-Main-Gebiet haben alle das gleiche Problem: Sie haben zu wenig Einsatzkräfte. Und die pendeln unter der Woche tagsüber in die großen Städte. Muss ihre Feuerwehr ausrücken, stehen sie also nicht zur Verfügung.

Die Feuerwehr in Ginsheim-Gustavsburg im hessischen Kreis Groß-Gerau denkt deshalb darüber nach, Bürgerinnen und Bürger zum Feuerwehrdienst zu verpflichten. Aus reiner Not – denn eigentlich will das bei der Feuerwehr in Ginsheim-Gustavsburg niemand.

Wie Oliver Schuster sagt, Pressesprecher der Freiwilligen Feuerwehr Dietzenbach (Landkreis Offenbach), sind bei seiner Feuerwehr die Probleme und Ursachen die gleichen wie in Ginsheim-Gustavsburg. „Wir leben in einer Metropolregion, da sind die Einsatzkräfte tagsüber nicht verfügbar“, sagt Schuster. Etwa 40 Mitglieder mehr bräuchte seine Feuerwehr. Etwa 65 sind es aktuell, die Sollstärke liegt bei 100.

Hessen: Bei Einsätzen der Feuerwehr geht es um Menschenleben

Bei Einsätzen, bei denen es um Menschenleben geht, greift in Dietzenbach deshalb ein besonderer Mechanismus: Automatisch werden dort die Feuerwehren aus den Nachbarstädten mit alarmiert - nämlich aus Heusenstamm und Dreieich-Offenthal. Das hat aber einen entscheidenden Nachteil: „Auch die Nachbarstädte sind dadurch natürlich mehr belastet“, sagt Schuster. „Die Einsatzstärke geht dann bei denen auch runter - im Endeffekt ist das eine Milchmädchenrechnung.“

Eine Pflichtfeuerwehr, über die in Ginsheim-Gustavsburg nachgedacht wird, ist in Dietzenbach aber noch nicht im Gespräch gewesen. „Das ist wie ein Damoklesschwert, das über einem schwebt - das wäre die letzte Möglichkeit“, sagt Pressesprecher Schuster. Er glaubt ohnehin nicht, dass die Feuerwehren mit einer Verpflichtung viel erreichen könnten: „Jeder mit einem ärztlichen Attest könnte sich da rauswinden.“ 

Hessen: Feuerwehr hat zu wenig Einsatzkräfte - Kommt jetzt der Zwangsdienst?

Update vom Dienstag, 22.10.2019, 18.50 Uhr: Über eine Verpflichtung zum Feuerwehrdienst wird bei der Freiwilligen Feuerwehr Rödermark (Landkreis Offenbach) - anders als in Ginsheim-Gustavsburg - nicht nachgedacht. „Für eine Pflichtfeuerwehr gibt es keine Veranlassung“, sagt Stadtbrandinspektor Herbert Weber. „Eigentlich haben wir genug Mitglieder. Nur tagsüber hapert es an der Tageseinsatzstärke.“

Das bedeutet, dass es unter der Woche zu den üblichen Arbeitszeiten knapp werden kann mit den Einsatzkräften. Schließlich muss ausreichend Personal innerhalb der Hilfsfrist von zehn Minuten an der Einsatzstelle sein.

Weber ist aber zufrieden über die hohe Zahl an jungen Mitgliedern in Rödermark: „Wir haben in den zwei Stadteilfeuerwehren Ober-Roden und Urberach an die 90 Nachwuchskräfte in den Kinder- und Jugendfeuerwehren. Wir wissen natürlich nur nicht, ob die dann auch bleiben.“

Die Verantwortlichen der Feuerwehr Ginsheim-Gustavsburg im südhessischen Kreis Groß-Gerau hingegen ziehen als mögliche Lösung für die Personalprobleme in Betracht, Bürgerinnen und Bürger zum Dienst in der Feuerwehr zu verpflichten.

Hessen: Personalmangel bei der Feuerwehr - Zwangsdienst als Lösung?

Update vom Montag, 21.10.2019, 17.11 Uhr: Zu wenig Feuerwehrleute - dieses Problem haben viele Kommunen im Rhein-Main-Gebiet - vor allem tagsüber, wenn die Feuerwehrleute zum Arbeiten in die großen Städte pendeln. Die Einführung eines Zwangsdiensts bei der Feuerwehr, über den in Ginsheim-Gustavsburg nachgedacht wird, ist im Main-Taunus-Kreis aber bislang keine Option.

„Uns liegt kein Hinweis aus einer Kommune vor, dass in einer Stadt oder Gemeinde über die Einführung einer Pflichtfeuerwehr nachgedacht wird“, sagt der Kreisbrandinspektor des Main-Taunus-Kreises, Kai Beuthien. „Die Tagesalarmverfügbarkeit ist aber ein flächendeckendes Problem.“ Das sei im Main-Taunus-Kreis nicht anders als in anderen Landkreisen im Rhein-Main-Gebiet.

Hessen: Feuerwehr hat vor allem tagsüber Probleme

Erstmeldung vom Montag, 21.10.2019, 14.39 Uhr: Ginsheim-Gustavsburg - Die Feuerwehr in Ginsheim-Gustavsburg (Kreis Groß-Gerau) hat ein Problem. Dieses Problem kennen viele Feuerwehren im Rhein-Main-Gebiet: Sie haben damit zu kämpfen, dass ihre Mitglieder zum Arbeiten in die großen Städte pendeln. Die Feuerwehrleute stehen deshalb tagsüber nicht für Einsätze in ihrer Heimatstadt zur Verfügung. 

Und auch für den Rest der Zeit sind die Feuerwehrleute einfach zu wenig. Die Mindeststärke, die das Hessische Brand- und Katastrophenschutzgesetz vorschreibt, wird nicht erreicht.

Feuerwehr in Hessen: Zu wenig Einsatzkräfte in Ginsheim-Gustavsburg

In Ginsheim-Gustavsburg wird deshalb darüber nachgedacht, Bürgerinnen und Bürger zum Dienst in der Feuerwehr zu verpflichten. Das berichtet die Hessenschau.

Zum Personalmangel gesellt sich nämlich auch eine wachsende Zahl von Einsätzen. In Zukunft ist diese Situation nicht mehr tragbar: „Wenn wir weniger Personal haben, müssen wir andere Feuerwehren dazu rufen, dann werden auch diese Feuerwehren mehr belastet. Also es ist ein Rattenschwanz, der hinten dran hängt“, sagt Kreisbrandinspektor Jürgen Karheiding zur Hessenschau.

Hessen: Feuerwehr in Ginsheim-Gustavsburg denkt über Zwangsdienst nach

Eine Zwangsverpflichtung zum Feuerwehrdienst will niemand in Ginsheim-Gustavsburg. Doch sie müsse in Betracht gezogen werden, sagt Karheiding zur Hessenschau: „Wir müssen prüfen, ob wir irgendwann die Option ziehen, dass wir Bürger zum Dienst in der Feuerwehr verpflichten.“

Das Hessische Brand- und Katastrophenschutzgesetz sieht eine solche Verpflichtung tatsächlich vor: „Alle Einwohnerinnen und Einwohner vom vollendeten 18. Lebensjahr bis zum vollendeten 50. Lebensjahr können bis zu einer Gesamtdauer von zehn Jahren zum ehrenamtlichen Dienst in der Gemeindefeuerwehr herangezogen werden“, heißt es dort.

Feuerwehr in Hessen: Bürger können zehn Jahre lang verpflichtet werden

Eine Verpflichtung zum Feuerwehrdienst könnte so funktionieren: Die Bürgerinnen und Bürger werden per Post aufgefordert, mit der Feuerwehr Kontakt aufzunehmen. Ihre Eignung als Einsatzkraft würde dort dann überprüft.

Doch ebenso wie der Kreisbrandinspektor Karheiding ist auch der Bürgermeister von Ginsheim-Gustavsburg, Thies Puttnins-von Trotha, nicht begeistert von dieser Idee: „Das ist eine Maßnahme, die ich mir noch nicht ausmalen mag. Ich gehe ganz fest davon aus, dass wir diese Option erst einmal nicht ziehen müssen“, sagte er der Hessenschau. Wie die Stadt weiter vorgehen wird, soll demnach im kommenden Jahr entschieden werden.

Eine neue Technologie setzt derweil die Frankfurter Feuerwehr ein: Smartphone-Besitzer, die künftig die 112 anrufen, können von Mitarbeitenden der Notruf-Leitstelle geortet werden.

Ein Brand in einem Hochhaus in Frankfurt hat indes einen Großeinsatz der Feuerwehr ausgelöst. Es brannte im 12. Obergeschoss.

Eine Brandserie hat in der Nacht die Feuerwehr in Sulzbach in Atem gehalten. Ihre Kräfte mussten zu insgesamt neun Einsätzen ausrücken.

Von Kerstin Kesselgruber

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