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Um die Population der Insekten zu ermitteln, soll jeder einzelne Hirschkäfer bei Hessenforst gemeldet werden.

Insekt

Der Hirschkäfer ist ohne Eichen verloren - gesichtete Tiere melden

Der Hirschkäfer ist von dem Aussterben bedroht. Wie die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald etwas dagegen unternimmt, hat Friederike Heislitz am Sonntag in ihrem Vortrag beim Natur- und Vogelschutzverein Bauschheim erzählt.

Er ist ein putziges Insekt, dessen männliche Population geweihähnliche Fühler hat. Aus diesem Grund heißt er Hirschkäfer. Sein Körper ist braun. Auf dem Waldboden oder zwischen Laub ist er kaum von seiner Umgebung zu unterscheiden. Der Hirschkäfer gehöre zu den bedrohten Käferarten Mitteleuropas, stellt Friederike Heislitz klar. Heislitz ist Mitglied bei der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und informiert in Vorträgen über das Schicksal des Hirschkäfers. Am Sonntagmorgen ist sie beim Natur- und Vogelschutzverein Bauschheim zu Gast. „Das Problem des Hirschkäfers ist, dass aufgrund einer geänderten Forstwirtschaft immer weniger Eichen angepflanzt werden. Der Hirschkäfer braucht jedoch vor allem alte, abgestorbene Eichensubstanz, um zu überleben“, erklärt die Referentin den rund 20 Zuhörern.

Bis zu 50 Eier

In der abgestorbenen Borke tief unter der Erde lege das Hirschkäferweibchen nach der Paarung an einer Eiche bis zu 50 Eier ab. „Dort leben die Hirschkäfer bis zu acht Jahren im Larvenstadium und ernähren sich von der Eichenborke und dem abgestorbenen Material des Baums“, informiert Heislitz. Wenn sie zu fertigen Hirschkäfern herangereift sind, krabbelten die Käfer an die Oberfläche. Ab dann sei die Lebenserwartung denkbar kurz und reiche im Prinzip lediglich zur Fortpflanzung aus. „Die Hirschkäfer leben ausgewachsen zwischen fünf Tagen und acht Wochen“, berichtet die Naturschützerin. Im Naturkreislauf diene der Hirschkäfer als Futter für Greifvögel und Wildschweine. Außerdem trage er zu Zersetzung von altem Holz bei.

Hessenforst habe ein Meldenetzwerk eingerichtet, in dem jeder Fund von lebenden oder auch toten Hirschkäfern, oder Teilen eines Käfers gemeldet werden soll. „Die Meldung ist so wichtig, weil Hessenforst eine Flächenkartierung erstellt, die fortlaufend auf den neusten Stand gebracht werden soll, um die Zahl der Hirschkäfer-Population einigermaßen sicher feststellen zu können“, erläutert Heislitz. Um der Dezimierung der Hirschkäfer-Zahl zumindest lokal entgegen zu wirken, habe ihr Verein 2017 ein besonderes Projekt ins Leben gerufen.

Wiege gebaut

„Wir haben in Mörfelden-Walldorf eine Hirschkäferwiege gebaut. Dazu haben wir ein Loch ausgehoben und dieses mit Stammteilen von Eichen und Holzschnitzeln wieder aufgefüllt“, erzählt die Referentin. Das Areal sei eingezäunt worden. Nun hofften die beteiligten Naturschützer – darunter auch viele Kinder – dass sich dort Hirschkäferweibchen niederlassen und in acht Jahren neue Käfer das Licht der Welt erblicken, um danach in die Baumwipfel zu fliegen oder zu krabbeln und so ihren Lebenszyklus aufrecht zu erhalten. „Wir freuen uns über jeden Menschen, der uns bei unseren Projekten unterstützt“, betont Heislitz.

Die Naturschützerin informiert zudem über die allgemeinen Aktivitäten der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Sie arbeite viel mit Kindern ab dem Kita-Alter, aber auch mit Schülern aus weiterführenden Schulen zusammen. „Ich führe sie durch den Wald, buddele mit ihnen den Boden auf und lasse sie Dinge anfassen, die sie sonst nie sehen würden“, schilderte Friederike Heislitz. Es sei wichtig, schon ganz jungen Menschen den Wald und die Natur näher zu bringen. Denn nur so würden sie sensibilisiert und wüssten später, was wirklich schützenswert ist.

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