Umwandlung des Hotels in Flüchtlingsunterkunft

Jugendliche kommen im "Rainbow House" unter

Das Hotel „Rainbow“ im Heusenstammer Gewerbegebiet wird in eine Flüchtlingsunterkunft umgewandelt. Ab Dezember sollen schrittweise bis zu 150 jugendliche Flüchtlinge einziehen.

Die steigende Zahl minderjähriger Flüchtlinge, die ohne Familie in den Kreis Offenbach kommen, fordert von allen Verantwortlichen in der Jugendhilfe ein starkes Engagement bei der Suche nach geeigneten Lösungen. Der Kreis Offenbach hat im vergangenen Jahr 336 unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge aufgenommen. 2014 waren es 80 Kinder und Jugendliche. Die Zahl wächst kontinuierlich seit 2010, als noch 28 Minderjährige untergebracht werden mussten.

Die Plätze in Unterkünften mit pädagogischer Hilfe sind seit vergangenem Jahr ausgeschöpft. Neue Lösungen mussten her. Ein entscheidender Schritt ist dem Kreis Offenbach jetzt mit der Nutzung des ehemaligen Hotels „Rainbow“ in Heusenstamm gelungen. Als Jugendhilfeträger hat der Kreis die Immobilie komplett angemietet. „Eine angemessene Hilfe für minderjährige Flüchtlinge, die ohne Eltern kommen, ist unsere rechtliche Verpflichtung, aber auch eine hohe ethische Verantwortung“, betont Kreisbeigeordneter Carsten Müller (SPD). „Zugleich ist eine gute Jugendhilfearbeit wichtig, da durch pädagogische Förderung die Chancen für die jungen Menschen steigen und Schwierigkeiten entgegen gearbeitet werden kann. Die Erfolge kommen allen zu Gute.“

Minderjährige Flüchtlinge, die ohne Eltern oder Erziehungsberechtigte kommen, genießen besonderen Schutz. Deutschland ist mit dem Haager Minderjährigenschutzabkommen eine Verpflichtung für die Versorgung von Kindern und Jugendlichen eingegangen, die ohne Eltern aus dem Ausland nach Deutschland kommen. Bei der Unterbringung und Betreuung der Minderjährigen gelten die Vorgaben des Kinder- und Jugendhilferechtes des Sozialgesetzbuches VIII.

Wenn Minderjährige im Kreis Offenbach ankommen, wird das Jugendamt verständigt. Die Behörde nimmt die Jugendlichen in Obhut und bringt sie in einer der geeigneten Einrichtungen, die dezentral in den Kommunen liegen, oder auch bei Gastfamilien unter. Derzeit sind die Mitarbeiterinnen des Fachdienstes Jugend und Familie mit 20 aufnahmebereiten Familien im Gespräch. „Die ankommenden Jugendlichen werden einem Gesund-

heitscheck unterzogen und, falls nötig, medizinisch versorgt“, sagt Carsten Müller. In Hessen gibt es seit November 2015 ein Clearing-Verfahren. Dabei werden Herkunft, Alter und Identität der Kinder und Jugendlichen geklärt.

Zu den strengen Vorgaben für die Unterbringung von Minderjährigen gehören Betreuung und Aufsicht rund um die Uhr sowie sozialpädagogische Leistungen. „Für zwei Jugendliche ist eine Fachkraft zuständig“, erläutert Müller. In der neuen Unterkunft, die künftig den Namen „Rainbow House“ tragen soll, stehen den jungen Bewohnern im Erdgeschoss ein Speisesaal, ein PC- und ein Fitnessraum zur Verfügung. Im Dachgeschoss befinden sich zwei Mehrzweckräume, die etwa für Hausaufgabenbetreuung und Deutschkurse genutzt werden können.

Das „Rainbow House“ biete für die anstehenden Aufgaben gute räumliche Möglichkeiten und auf drei Etagen Platz für insgesamt 90 Personen. Zunächst sollen 14 Minderjährige einziehen, was der Größe einer Wohngruppe entspricht. Die Einrichtung soll dann schrittweise aufgebaut werden. Der Kreis will in der neuen Jugendhilfeeinrichtung Jugendliche aus verschiedenen Notunterkünften gemeinsam fördern und kooperiert dabei mit dem freien Jugendhilfeträger „Paritätische Projekte gemeinnützige Gesellschaft“.

Sozialpädagogen und Erzieher stehen für die Aufgaben bereit und sollen die Jugendlichen dabei unterstützen, ihre Ziele zu erreichen. Dabei geht es der „Paritätische Projekte“ vor allem darum, dass die Flüchtlinge Deutsch lernen, in der neuen Umwelt zurechtkommen, die hier geltenden Regeln beachten, zur Selbständigkeit erzogen werden und dass sie sich auf Schulabschlüsse sowie den Einstieg in den Beruf konzentrieren. So soll der oft schwierige Weg zu einer erfolgreichen Integration der Jugendlichen führen.

„Generell sehen wir den Wegfall des Hotelbetriebs in Heusenstamm kritisch“, sagt Bürgermeister Halil Öztas (SPD). „Wir haben uns mit der neuen Situation auseinandergesetzt und nach einer umfangreichen rechtlichen Vorprüfung schließlich unser Einvernehmen für die Unterbringung unbegleiteter Minderjähriger in unserer Stadt erteilt. Wir tragen auch eine soziale Mitverantwortung bei der Bewältigung der Flüchtlingsthematik im Kreisgebiet.“

Die Zahl der Minderjährigen im ehemaligen „Rainbow“-Hotel werde auf die Unterbringungsquote der Stadt Heusenstamm angerechnet. Außerdem sollen in den kommenden Monaten weitere angemietete Liegenschaften für Flüchtlinge fertiggestellt werden, so dass die derzeitige „Notlösung“, also die Unterbringung der Flüchtlinge im Kultur- und Sportzentrum Martinsee, ein Ende haben werde und das Zentrum wieder von den Bürgern genutzt werden könne, so Öztas. Kreisbeigeordneter Carsten Müller habe intensive Gespräche geführt, um die Verantwortlichen von der Notwendigkeit der Unterbringung im Hotel zu überzeugen. Er sieht die örtliche Jugendhilfe auf einem guten Weg.

(fnp)

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