1. Startseite
  2. Region
  3. Kreis Groß-Gerau
  4. Kelsterbach

Akten und Dokumente aus vergangenen Zeiten: Stadtarchiv zeigt seine Schätze

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Das Kelsterbacher Stadtarchiv geht online. Derzeit sind die beiden Stadtarchivare Hartmut Blaum und Christian Schönstein damit beschäftigt, das historische Material des Archivs für die Öffentlichkeit nutzbar zu machen.

In so einer Stadtverwaltung fällt trotz fortschreitender Digitalisierung noch immer viel Papier an. Manches davon ist es wert, aufgehoben,zu werden, archiviert zu werden. Geregelt wird dies in der Archivsatzung der Stadt Kelsterbach und in Gesetzen des Landes Hessen. Doch welche Bedeutung hat solch ein Stadtarchiv? Dazu Bürgermeister Manfred Ockel (SPD): „Manche vertreten die Ansicht, dass das so nebenher läuft, nach dem Motto ,naja, das müssen wir auch mal machen’.“ Doch andererseits sei das eine wichtige Angelegenheit, nicht nur für Stadtverwaltung, sondern auch für die Bürger, „weil sonst Vieles in Vergessenheit geraten würde“.

In Kelsterbach gibt es keinen hauptamtlichen Archivar. Vielmehr werden dessen Aufgaben von Hartmut Blaum, Mitarbeiter der Öffentlichkeitsarbeit der Stadt, und seit zwei Jahren auch von dem Standesbeamten Christian Schönstein übernommen. Beide sind Mitglieder im Verband hessischer Kommunalarchivare.

„Nachdem wir einen neugestalteten Archivraum mit einer neuen Rollregalanlage erhalten haben, sind wir jetzt dabei, zu zweit das Archiv auch online weiterzuentwickeln“, erläuterte Hartmut Blaum. Denn Archivarbeit sei auch Öffentlichkeitsarbeit, und die Online-Präsentation gebe den Bürgern die Möglichkeit, auch von Außen auf die Bestände des Archivs zuzugreifen.

Postkarten „zum Üben“

Die ältesten Dokument des Stadtarchivs stammen aus dem Jahr 1639, also aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. In denen wird beispielsweise aufgeführt, welche Abgaben an Brot, Wein oder Geld die Bürger an durchziehende Truppen leisten mussten. Neben Dokumenten und Akten der Stadtverwaltung werden auch Pläne, Fotos, Filme, Tondokumente und Zeitungen aufbewahrt. Dafür stehen dem Stadtarchiv in dem neuen Raum jetzt 160 Regalmeter zur Verfügung, außerdem noch zwei Bilderschränke und ein Planschrank. Etwa ein Drittel dieser Kapazität werde derzeit genutzt, so Blaum, so dass noch jede Menge Luft nach oben sei.

Um den Bestand des Kelsterbacher Stadtarchivs auch online verfügbar zu machen, sei viel Zeit erforderlich. „Das dauert“, sagte Blaum. Bislang sei für die Archivierung das Programm Augias, benannt nach dem Stall aus der griechischen Mythologie, den Herkules der Sage nach zu reinigen hatte, benutzt worden. Dieses Programm sollte also „Ordnung in einen Saustall bringen“. Doch seit 2017 steht dafür die Datenbank des hessischen Staatsarchivs zur Verfügung, auf die jedermann im Internet unter zugreifen kann, auch ohne Registrierung.

Christian Schönstein erläutert, dass für diese Datenbank bereits der Postkartenbestand des Kelsterbacher Stadtarchivs bearbeitet worden sei. Das sei ein überschaubarer Posten, rund 100 Stück, die sozusagen „zum Üben“ erfasst wurden. Wer in der Datenbank des Staatsarchivs etwa die Suchbegriffe Postkarte und Kelsterbach eingibt, findet diese Exponate unter der Signatur StadtAKels, so Schönstein. Allerdings seien dort nur die Beschreibungen der Postkarten zu finden, denn um sie sichtbar zu machen, müsste das Datenbank-Programm des Staatsarchivs extern auf die Kelsterbacher EDV zugreifen können. Dies sei aus Gründen der Datensicherheit nicht möglich.

Historische Kriterien

Nach den Postkarten sollen nun umfangreichere Bestände des Stadtarchivs für die Online-Nutzung folgen, etwa die alten Rechnungsbücher aus dem 17. Jahrhundert. Darüber hinaus betreut Schönstein eine Reihe unter dem Titel „Zu schade fürs Archiv“. Damit werden die Bürger aufgefordert, ihre „Schätze“, die zu Hause aufbewahrt werden, dem Stadtarchiv anzubieten, bevor sie auf dem Müll landen. Diese sollen dann von Zeit zu Zeit veröffentlicht werden oder auch in kleinen Ausstellungen im Foyer des Rathauses oder im Fritz-Treutel-Haus gezeigt werden.

Allerdings sei längst nicht alles „archivwürdig“, führte Blaum aus, nur etwa drei bis fünf Prozent des Materials wandere in das Archiv. Die Entscheidung darüber treffe der Archivar, dem Dokumente und Akten nach dem Ablauf der Aufbewahrungsfrist vorgelegt werden müssen, und zwar nach historischen Kriterien. Er muss vorausschauend entscheiden: „Was könnte in 100 Jahren interessant sein?“

Blaum weist darauf hin, dass das Stadtarchiv ein Präsenzarchiv ist. Das heißt, es wird nichts verliehen. Doch jeder Bürger kann nach Anmeldung zu den Dienstzeiten der Stadtverwaltung Einsicht in die Bestände des Stadtarchivs nehmen. Der neue Archivraum übrigens ist klimatisiert und ohne Fenster. „Licht ist der natürliche Feind des Archivmaterials“, sagte Blaum.

Für Kelsterbach zuständig ist das Staatsarchiv Darmstadt. Dort befinden sich auch die Dokumente mit der ersten urkundlichen Erwähnung Kelsterbachs um 855.

Auch interessant

Kommentare