Sonderausstellung

Alte Röhren, die Sammler begeistern

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Glanzpunkt der Sammlerbörse im Kelsterbacher Bürgerhaus war die Sonderausstellung „Ein Band trägt Wort und Ton“. Neben den Tonbandgeräten, die dort zu bewundern waren, gab es jede Menge Radios mit Röhren und Transistortechnik.

Wer erinnert sich nicht an die Heile-Welt-Serie „Die Waltons“ mit John-Boy und Jim-Bob, in der sich oftmals abends die ganze Familie um das Radio versammelte, um gemeinsam ein Hörspiel zu verfolgen. Diese nostalgischen Zeiten sind längst vorbei. Radio wird heutzutage meist im Auto gehört, und das Radio selbst ist oftmals nur noch ein Sammelobjekt für einige Liebhaber, die sich an alter Technik mit Röhren und Transistoren erfreuen. Für diese wurde das Kelsterbacher Bürgerhaus gestern zu einem wahren Eldorado, denn dort gab es die Herbst-Sammlerbörse Rhein-Main, bei der sich alles um Radio, Funk, Phono und Fernsehen aus längst vergangenen Zeiten drehte.

Ursprünglich war die Herbst-Sammlerbörse in Eschborn angesiedelt. Doch als dort die Hallenpreise explodierten, zog sie nach Kelsterbach um, berichtete Mitorganisator Martin Rhease aus Langen. Jetzt war sie bereits zum siebten Mal in der Untermainstadt.

Die meisten der Anbieter auf dieser Börse sind selbst Sammler, so wie Martin Rhaese, der einige hundert Geräte sein eigen nennt. Zu zählen hat er längst aufgehört. Seine Sammelleidenschaft erstreckt sich vor allem auf Radiogeräte aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Zum Kauf bietet er hingegen Exponate an, die nicht in seine Sammlung passen, etwa weil sie zu jung sind. Allerdings wurde er selbst auch fündig. Bei einem Kollegen fand er ein gut erhaltenes Radio aus den 1930er Jahren.

Alexander Albrecht aus dem Nürnberger Raum und Steffen Kullmann aus Darmstadt, beide arbeiten in Frankfurt, teilten sich einen Stand. Albrechts Sammlung umfasst rund 160 Exponate, Kullmann bringt es auf mehr als 800, für die er in einem ehemaligen Bauernhof Platz gefunden hat. Beide begeistern sich für die alte Rundfunktechnik und bieten neben Radios auch Ersatzteile und Tonbandgeräte an. „Aber Tonbandgeräte gehen nicht mehr so gut“, sagte Kullmann. Was ihn nach Kelsterbach trieb, fasste er so zusammen: „Etwas finden, Überflüssiges verkaufen und natürlich der Austausch mit anderen Sammlern.“

Allerdings gab es auch professionelle Anbieter wie Christian Noll aus dem Westerwald. Seine Firma hat sich auf Radiogeräte aus der Zeit von 1920 bis 1990 spezialisiert. In seinem Geschäft hält er stets etwa 20 Geräte verkaufsfertig bereit, etwa 600 Stück warten im Lager darauf, restauriert zu werden. In Kelsterbach hatte er bereits ein Grundig Stereogerät für 450 Euro verkauft, berichtete er, während ein Interessent die hervorragende Aufbereitung eines Loewe Opta-Radios lobte. Außerdem hatte Noll eine Eigenentwicklung dabei, einen USB-Klangsatelliten, quasi ein Bindeglied zwischen Röhrenradio und moderner Technik.

Neben den Radios fanden die Besucher einige alte Fernseher, Literatur zur Radiotechnik, aber auch alte Schallplatten. Singles gab für 50 Cent, für gewaschene und geprüfte LPs mussten bis zu fünf Euro gezahlt werden. Bei Manfred Hofmann aus dem Nürnberger Raum gab es jede Menge Werkstattgeräte, also Messtechnik zum Prüfen von Bauteilen, und an anderen Ständen jede Menge Röhren.

Und viele Besucher wurden fündig, etwa Gerd Lorenz aus dem Odenwald, der für 70 Euro ein altes Röhrenradio erstand. Er sammelt vor allem alte Saba-Geräte und freut sich darauf, seinen Neuerwerb zum Laufen zu bringen. Eine Rarität nimmt Walter Schmidt für 20 Euro mit nach Hause, eine Röhrenfassung für Mehrfachröhren mit der ersten integrierten Schaltung der Welt. Sie wandert zu Demonstrationszwecken in eine Vitrine. Glanzstück der Herbst-Sammlerbörse ist eine Sonderausstellung Radiofreunde Kelsterbach mit dem Titel „Ein Band trägt Wort und Ton“ zur Entwicklungsgeschichte der Tonbandtechnologie auf der Bühne des Bürgerhauses. Rund 30 dieser Geräte, die aufgrund ihrer Größe zum Teil auch als Tonbandmaschinen bezeichnet werden, sind dort zu sehen. Die älteste stammt aus dem Jahr 1938 von der Firma AEG. Daneben sind Geräte aller namhaften Firmen aus dem Nachkriegsdeutschland zu sehen, etwa von Grundig, die in den 1960er Jahren bei jungen Musikliebhabern als Statussymbole galten. Der Verein Radiofreunde Kelsterbach existiert erst seit zwei Jahren, ihm gehören aktuell zehn Mitglieder an.

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