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Der ökumenische Gottesdienst zum Tag der Deutschen Einheit war übersichtlicher besucht als in den Vorjahren.

Tag der Deutschen Einheit

Appell für gemeinsamen Weg beim Ökumenischen Gottesdienst

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Gestern wurde zum 28. Mal der Tag der Deutschen Einheit gefeiert. Dazu gab es einen ökumenischen Gottesdienst im Fritz-Treutel-Haus. Der evangelische Pfarrer Nico Kopf von der Christuskirchengemeinde forderte dazu auf, Jesu Botschaft zu vermitteln.

Das Volk Israel bat den Propheten Samuel um die Einsetzung eines Königs, der über es richte. Samuel missfiel das, deswegen betete er zu Gott. Er befahl dem Propheten, auf das Volk zu hören. Jedoch möge er es warnen und ihnen die Rechte eines Königs verkünden. Er sprach unter anderem von Sklaverei, Angaben der Zehnten und Enteignungen. Wenn sich das Volk dann beklage, so werde Gott nicht mehr bei ihm sein. Denn es hatte ihn als seinen König verworfen. Das Volk jedoch wollte wie Heiden angeführt werden von einem König, der richte und Kriege führe.

So weit der biblische Text aus dem ersten Buch Samuel, Kapitel acht, den der evangelische Pfarrer Nico Kopf von der Christuskirchengemeinde für seine Predigt zum Tag der Deutschen Einheit ausgesucht hatte. Der ökumenische Gottesdienst mit Untermalung des evangelischen Posaunenchors und Gesangvereins Einigkeit im Fritz-Treutel-Haus war übersichtlicher besucht als in den vergangenen Jahren.

Kopf erinnerte unter dem Motto des Predigttextes an die Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 1990 als gesellschaftliches und politisches Fest, gegen das es auch Vorbehalte gäbe. In Gottes Namen seien viele politische Interessen umgesetzt worden. Oft sei grausam und unmenschlich zugegangen. „Zurzeit erleben wir verschiedene Religionen“ – und wie brutal Gewalt gegen Menschen ausgeübt werde. Gottes Botschaft gerate mitten hinein.

Jesus sei politisch sehr aktiv gewesen. Eine christliche Botschaft, die sich nicht in die Fragen der Gesellschaft einmische, verliere ihre Glaubwürdigkeit. „Und da sind wir wieder an der ursprünglichen Jesus-Bewegung, die sehr wirksam war“, was an Beispielen wieder ehemaligen DDR und den Ostkirchen zu merken sei. Die Gesellschaft könne die Freiheit gewinnen, Jesu Botschaft zu vermitteln. Demokratische Strukturen jedoch seien länderübergreifend in Gefahr. Früher habe die Ermahnung gegolten, bei Nachbarn nicht durchs Fenster zu schauen. Heutzutage sei die Gesellschaft durch den Datenschutz überfordert.

Wie einst das Volk Israel, das sich nach einem starken Anführer sehnte, der sich für es einsetze, seien die Menschen heutzutage durch viele Probleme überfordert. „Sie wollen in der Politik eine Stimme, eine Macht.“ Dann mache ausgerechnet der das Rennen, der die einfachste Lösung anbiete.

Wie einst Samuel, so könne die Gesellschaft in heutiger Zeit aufklären. Dafür müsse eine Vielzahl von Herausforderungen gemeistert werden. „Wir müssen uns an alle Stellen wenden, wo verkürzte Wahrheiten gelten und Respekt vor den Opfern verloren geht.“ Es bleibe die Aufgabe dieser Gesellschaft, für die Zukunft ihrer Kinder zu leben, anstatt sich vor Forderungen nach Gerechtigkeit zu verbarrikadieren.

„Damals nach dem Krieg waren alle eine Familie und wollten einen Neuanfang wagen“, so Bürgermeister Manfred Ockel. Dann jedoch sei die Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland errichtet worden. Viele Menschen hätten sich nach Einheit gesehnt und wieder Familie sein wollen. Dann jedoch sei das Band zerrissen. „Gemeinsamkeit muss wachsen. Hand in Hand und Herz an Herz.“ Ockel appellierte, es immer wieder zu versuchen, bis es gelinge. 28 Jahre sei es her, dass die Deutschen einen gemeinsamen Weg gehen. Weil sich speziell Berlin wegen der Trennung und Wiedervereinigung verändert habe, konzentrierte sich Ockel auf die jetzige Bundeshauptstadt. Dazu zeigte er einen Film der Gedenkstätte Berliner Mauer.

Zum Gelingen des feierlichen Gottesdienstes trugen auch Kopfs Kollegen Pfarrer Peter Dennebaum von der evangelischen Martinsgemeinde sowie Pfarrer Josef Berbner von der katholischen Kirche bei.

Beendet wurde die Feier zum Tag der Deutschen Einheit mit der gemeinsam gesungenen Nationalhymne und einem anschließenden Imbiss im Foyer. Mitglieder des Kelsterbacher Tierschutzvereins schenkten Sekt und andere Getränke aus und boten den Gästen Laugengebäck an.

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