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Der Ersatzbrennstoffanlage im Industriepark Höchst soll erweitert werden. Die Wählerinitiative Kelsterbach befürchtet eine noch größere Schadstoff- und Geruchsbelastung.

Industriepark Höchst

Bald noch mehr Qualm und Gestank?

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Die Betreiber der Ersatzbrennstoffanlage im Industriepark Höchst haben beim Regierungspräsidium einen Antrag auf Erweiterung gestellt. Das ruft die Wählerinitiative Kelsterbach auf den Plan.

Die Giftstoffe aus den Schornsteinen der Ersatzbrennstoffanlage (EBS) auf dem Gelände des Industrieparks Höchst entweicht unsichtbar. Der Dampf aus dem großen Kamin weiter hinten ist dagegen ziemlich harmlos, wenngleich nicht ganz ohne Schadstoffbelastung. „Die Betreiber der Ersatzbrennstoffanlage im Industriepark Höchst muten uns schon jetzt zu viele Abgase und Gerüche zu. Doch es soll noch mehr werden“, warnt die Wählerinitiative Kelsterbach (WIK). Dreimal so viel Gestank und eine Überschreitung des Methan-Grenzwertes um das 20-fache, so sieht die WIK die Auswirkungen, wenn die angedachte Erweiterung der EBS zum Tragen kommt.

Die Thermal Conversion Compound Industriepark Höchst GmbH (T2C) hat beim Regierungspräsidium (RP) Darmstadt einen Antrag auf eine „erweiterte Verbrennung“ von Ersatzbrennstoffen gestellt. Neben den Ersatzbrennstoffen will die T2C demnach künftig jährlich 210 000 Tonnen „gefährliche“ und „nicht gefährliche“ Klärschlämme sowie ausgediente Dämmstoffe wie Styropor mit verbrennen. Gegen dieses Vorhaben können noch bis Montag, 24. September, beim RP Einwände erhoben werden. Details können in einem 22 Seiten fassenden Papier nachgelesen werden. Hier sind auch Form und Fristen der Einwendungen in der als „Öffentliche Bekanntmachung“ bezeichneten Unterlagen enthalten.

Die WIK verweist nicht nur auf die künftige Mehrbelastung durch Gestank, sondern besonders durch einen beträchtlich gesteigerten

Ausstoß von Methan

-Gas. „Konkret auf die EBS-Anlage bezogen, ist der Grenzwert von 2000 GE/m³ (Europäische Geruchseinheit pro Kubikmeter) als unbrauchbar anzusehen, weil er nicht ermittelt wurde“, halten die Kritiker dem Betreiber vor. Für sie ist es ein statistisch errechneter Wert, der die zeitweise langen und häufigen Spitzenwerte schönrechne. „Hier muss nach Richtlinien der Olfaktometrie und mittels einer Umweltverträglichkeitsprüfung der jetzige Zustand aufgezeigt werden“, fordert WIK-Pressesprecher Jürgen Wälther.

Ferner lehnt die Wählerinitiative den Antrag, die Methan Konzentration auf 200 Milligramm pro Kubikmeter festzusetzen, strikt ab. „Methan ist ein Treibhausgas“, verweist Wälther auf seine 25-mal stärkere Wirkung als Kohlendioxid. Methan-Gas ist hochentzündlich und für das menschliche Auge unsichtbar. „Der Antrag ist abzulehnen, weil er sich zudem konträr zu den Zielen der Klimarahmenkonvention verhält. Deren Ziel sei es, die Treibhausgaskonzentrationen auf einem Niveau zu stabilisieren, bei dem eine gefährliche, vom Menschen verursachte Störung des Klimasystems verhindert werde.

Ferner steht mit der beantragten Erweiterung der Ersatzbrennstoffanlage eine zusätzliche Geruchsbelastung im Raum. „Kelsterbacher Bürger sind sehr stark mit Geruchsbelästigungen belastet. Dieser Gestank, der Ekel hervorruft, geht über das Unterdorf, wo sich ein Kindergarten und eine Schule befinden, über die Anhöhe in den südlichen Teil Kelsterbachs und darüber hinaus“, steht in einem von der WIK zur Verfügung gestellten Musterantrag zur Beschwerdeführung. Neben der EBS-Anlage gibt es in der unmittelbaren Umgebung nämlich noch weitere Anlagen, die Geruchsbelästigungen hervorrufen. Hier sind die Schlamm-Entwässerungs- und Verbrennungsanlage in Sindlingen, die Biogasanlage sowie die Abwasserreinigungsanlage im Industriepark Höchst zu nennen.

Besonders frustrierend sei nicht nur für die WIK, dass die jeweiligen Betreiber regelmäßig behaupteten, der Gestank würde durch andere hervorgerufen. Die Stadt Kelsterbach hatte hierzu sogar eigene Messreihen in Auftrag gegeben und die Anwohner aufgerufen, Gerüche zu melden. „Doch offenbar ist das noch nicht ausreichend, die Verursacher dingfest zu machen. Hierzu muss zunächst untersucht werden, von welchen Anlagen in welchem Umfang Gerüche ausgehen, um die jeweiligen Betreiber zur Verantwortung gezogen werden“, fordert Wälther. Er lädt alle Kelsterbacher ein, heute, Freitag, um 18 Uhr zur Bürgerinfoveranstaltung zum Thema „Gerüche“ ins Fritz-Treutel-Haus zu kommen.

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