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Die Große Garde der Feuerreiter brillierte mit akrobatischen Einlagen und einem flotten Tänzchen.

Galasitzung der Feuerreiter

Buntes Potpourri der guten Laune

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Die Feuerreiter überzeugten bei ihrer Sitzung im Fritz-Treutel-Haus nicht nur mit schwungvollen Tänzen, mitreißender Musik und launischen Büttenreden, sondern auch mit einem veränderten Konzept. Das ging voll auf.

Alles stimmte und es lässt sich nicht leugnen: Die Qualität und Brillanz der Galasitzung, zu welcher der Fastnachtsverein „Die Feuerreiter“ ins Fritz-Treutel-Haus eingeladen hatte, haben nach der Umstrukturierung im Vorstand deutlich angezogen. Das neue Konzept der Jokusjünger von der Perle am Untermain ging auf. Mag mancher Besucher das abgespeckte Programm zunächst auch etwas skeptisch beäugt haben und nicht davon überzeugt gewesen sein, so ließ er sich umso schneller von der guten Stimmung im fast ausverkauften Saal von den Sitzen reißen und zu Begeisterungsrufen verleiten.

Den Kelsterbacher Jecken ist es dank ihrer Veränderungen gelungen, die Sitzung nach jahrelangen leichten Durchhängern wieder auf ein hohes und anspruchsvolles Niveau anzuheben. Das hätte gewiss nicht jeder gedacht und war letztlich auch dem neuen Sitzungspräsidenten Thorsten Schreiner zu verdanken, der als brillanter Unterhalter keinen Moment um einen passenden Kommentar verlegen war. Gewiss rangen ihm einige unvorhergesehene Situationen nicht nur Souveränität, sondern auch Flexibilität ab. Charmant und gekonnt steuerte Schreiner das Narrenschiff aber durch das Meer aufbrausender Stimmungswogen und riskierte niemals etwa aufgrund einer Verlegenheit einen Stimmungsbruch im Publikum. Einen besseren Fang als Schreiner als Sitzungspräsident hätten die Feuerreiter wohl nicht machen können.

Gewiss gestaltete sich das im Gegensatz zu den Vorjahren zugunsten einer anschließenden Party abgespeckte Programm recht übersichtlich. Zumindest wirkte es zunächst so. Dann jedoch entfaltete es seinen ganz eigenen Zauber, der wiederum der Band „Richies Twins“ zu verdanken war, die es mit nur zwei Musikern verstand, das Publikum von den Sitzen zu reißen, es ausgelassen feiern, schunkeln und mitsingen zu lassen.

Auch Klaus Preußner in der Rolle eines historisch gekleideten Feuerreiters zur Eröffnung trug zum Gelingen des Abends bei, denn er ließ eine alte Tradition wieder aufleben, die längst untergegangen war. Das zeugt davon, dass sich die Feuerreiter wieder auf ihre Wurzeln besonnen haben, was dem närrischen Publikum gefiel.

Die Große Garde fegte in wehenden rot-weißen Röckchen über das Parkett und brachte frischen Wind in die „gut Stubb“, bevor Schreiner die eigentlich eher trockene Begrüßung von Ehrengästen und -senatoren kurz und bündig, deswegen aber nicht minder herzlich über die Bühne brachte.

Nur einer war offenbar nicht gekommen – Bürgermeister Manfred Ockel. Wo hatte er sich bloß versteckt? In einer Montur, die ihn kaum wiedererkennen ließ, eroberte er als gestrandeter Fallschirmspringer die Bütt. Der Ostwind hatte ihn in die Stadt geweht. Während er sich in luftigen Höhen auf Augenhöhe mit Möwen traf und die Perle am Untermain zur Abwechslung mal von oben inspizierte, fielen ihm die inzwischen entschärfte Fliegerbombe auf, die einfach zu groß war, um in das Maul eines gefräßigen Wildschweins zu passen, aber auch Stadtverordnetenvorsteherin Helga Oehne, die auf Rollschuhen im Unterdorf zum nächsten Termin düste. Ockel zeigte sich erfreut, mal aus der Luft alles sehen zu dürfen, was ihm im Untermainstädtchen lieb, teuer und ans Herz gewachsen ist.

Die 17-jährige Anna-Lena Hofmann aus den Reihen der Gastgeber schilderte in Reimen aus der Feder ihrer Mutter Jutta ihre Entwicklung vom Kind zu einer jungen Frau – mit dem Fazit: „Wenn Ihr Kinder habt, die 18 sind, denkt Ihr dran, es bleibt Euer Kind“.

Donnernden Applaus und Begeisterungsstürme erntete auch das Männerballett „Die Atzmann Tornados“ aus Heidenrod-Dickschied, das kürzlich in der Fernsehsendung „Hessen lacht zur Fassenacht“ gastiert und voriges Jahr beim hochrangigen König-Ludwig-Tanzfestival in Aarbergen den Hessenmeister auf den zweiten Platz verwiesen hatte. Neben herrlichen Kostümen alter Römer, aber auch anderer historischer Italiener lag der Fokus auf einer mitreißenden Choreographie samt akrobatischen Einlagen – kurzum ein starker Auftritt.

Zwischendurch gab es immer wieder Gassenhauer, zu denen das vergnügte Publikum im Walzertakt schunkelte, aber auch deutschsprachige Schlager, ohne die keine Party auskommt und bei denen die Narrenschar lautstark und ausgelassen mitsang. Abgerundet wurde das gelungene Programm von amüsanten Anekdoten des Pizzabäckers Ciro Visone, der Showtanzgruppe „Dancing Sisters“ der Turngesellschaft Seligenstadt, Tina Guthier, die über eine perfekte Kreuzfahrt berichtete, der Showtanzgruppe „Magic Pearls“ aus Okriftel und den „Hofheimer Zigeunern“. Nach dem Finale luden die „Richies Twins“ bis in die Nacht zum Feiern und Tanzen ein.

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