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Christoph Löblein weiß, wie Hunde ticken

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Von: Carmen Erlenbach

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Fachkundiges Herrchen: Hundetrainer und -verhaltensberater Christoph Löblein mit seinen zwei Hunden Sparky (vorne) und Joice.
Fachkundiges Herrchen: Hundetrainer und -verhaltensberater Christoph Löblein mit seinen zwei Hunden Sparky (vorne) und Joice. © Carmen Erlenbach

Schon als Kind schwärmte Christoph Löblein für Hunde. Inzwischen hat er diese Leidenschaft zum Beruf gemacht. Der Kelsterbacher arbeitet als Hundetrainer und -verhaltensberater. Dabei hat er sich auf ängstliche und aggressive Vierbeiner spezialisiert.

Jede Nacht um 3 Uhr beginnt der Hund zu bellen und weckt die ganze Nachbarschaft auf. Ein anderer Hund terrorisiert die Familie, sobald der Fernseher abends in den Standby-Modus geht. Gründe für derartige Verhaltensmuster der Vierbeiner sind das Fachgebiet von Hundetrainer und -verhaltensberater Christoph Löblein. Er geht störendem Verhalten von Hunden auf den Grund und verhilft zu Lösungen. Das jedoch funktioniert nur, sofern der Halter mitarbeitet.

„Ich lese den Hund“, sagt der Vater einer dreijährigen Tochter schmunzelnd. Der Kelsterbacher arbeitet seit 2012 mit den Tieren und hätte das eigentlich gerne schon sehr viel früher getan. Als Elfjähriger wünschte er sich stets einen Schäferhund. Nicht grundlos schwärmte der heute 32-Jährige gerade für diese Rasse, denn damals liefen viele Sendungen mit Schäferhunden im Fernsehen wie „Kommissar Rex“.

Die Mutter sagte aber „Nein“ zu dem Wunsch ihres Sohnes. Er solle sich zunächst damit befassen, wie ein Hund erzogen und behandelt werde, damit er sehe, welche Arbeit anstehe. „Ich hab’s getan, aber trotzdem keinen Hund bekommen“, erzählt der sympathische und sehr viel Ruhe ausstrahlende junge Mann.

2008 kam der gelernte Informationselektroniker mit 24 Jahren dann selbst auf den Hund. Bei Bekannten war der Strom ausgefallen. Er reparierte den Schaden. Als Ersatz für das fehlende Geld, mit dem die Familie Löblein gerne entlohnt hätte, boten sie ihm einen ihrer Welpen an. Er betrachtete sie und verliebte sich in ein erst 13 Tage altes Mädchen. Als die Hundedame sechs Wochen alt war, holte er den Mix aus Labrador und Schäferhund ab, nahm ihn mit nach Hause und zog ihn groß. Löblein erhielt viele Ratschläge und studierte Fachliteratur. „Die meisten erschienen mir zu aversiv und weckten Widerwillen in mir.“ Denn er wollte seine Hündin erziehen, ohne ihr seinen Willen aufzuzwingen. Später brachte seine Frau noch einen weiteren Mischlingshund aus Ungarn in die Beziehung.

Aus eigener Tasche

So kam es, dass Löblein im Fernsehen auch Sendungen mit Hundetrainern verfolgte. Darüber hinaus studierte er zunächst zwei Jahre an der Akademie für Tier- und Naturheilkunde in der Schweiz via Fernlehrgängen Tierpsychologie mit dem Schwerpunkt Hundeverhaltensberatung, belegte danach das Fernstudium Hundewissenschaften und widmet sich zurzeit auf diesem Weg auch tiermedizinischer Verhaltenstherapie. In die bisherigen Studiengänge hat Löblein bislang rund 18 000 Euro aus eigener Tasche investiert, dazu kamen Ausgaben für Fachliteratur und Filme.

Seit 2012 betreibt der 32-Jährige hauptberuflich die mobile Hundeschule „Dog4“. Er bietet Hilfe besonders für ängstliche und aggressive Vierbeiner an, darauf hat er sich spezialisiert. Löblein versteht sich nicht etwa als Hundeflüsterer. „Ich muss den Hund lesen können, verstehen, warum er sich in gewissen Situationen wie verhält, und sehen, wo seine Bedürfnisse liegen.“

Dazu nimmt er zunächst die Körpersprache des Hundes unter die Lupe und somit Signale, die dieser aussendet, und deutet sie. Danach wird der Hundehalter für diese Signale sensibilisiert, damit auch er sie zu deuten versteht, aber auch dafür, was sein Tier benötigt, wenn es mal nicht so reagiert wie erwartet. „Das kann aus Frustration geschehen, aber auch wegen früherer Fehlverknüpfungen im Lernverhalten oder beispielsweise, wenn der Hund Schmerzen hat.“

Mit Haltern klarkommen

In erster Linie muss Löblein bei seiner Arbeit mit den Hundehaltern klarkommen. Das beinhalte auch, sämtliche alten und überholten Erziehungsmethoden für Hunde wie Stachelhalsbänder und Reißen an der Leine abzulehnen. Es sei völlig unnötig, einem Hund seinen Willen aufzwingen zu wollen, ihn zu traktieren oder sogar zu schlagen. Löblein zeigt neue Trainingsmethoden auf und wirkt auf das Verhalten von Hundehaltern ein. Zu diesem Zweck ist er mitunter auch nachts im Einsatz. Ein Hund bellte jede Nacht um 3 Uhr nur, weil sich die Heizungspumpe einschaltete und für das Tier unerträgliche Töne in Hochfrequenz abgab. Nicht anders war es bei einem anderen Hund, der abends durchdrehte, sobald der Fernseher auf Standby geschaltet wurde.

Das Verbreitungsgebiet von Löbleins Kunden bemisst sich auf etwa 50 Kilometer rund um Kelsterbach. Oft sei nur eine Kleinigkeit am störenden Verhalten von Hunden schuld, mitunter vermissten sie aber auch Sicherheit bei ihren Haltern. „Dann trifft der Hund selbst seine Entscheidungen, entwickelt seine eigene Strategie und beginnt zu bellen oder zu knurren.“

Löblein arbeitet mit einer Hundeschule in Rüsselsheim zusammen, über die sehr ängstliche Vierbeiner beispielsweise in Gruppen- oder Einzelstunden vermittelt werden, aber auch mit dem Tierschutzverein Kelsterbach. Dort analysiert er bei Bedarf ehrenamtlich das Verhalten abgegebener Hunde und besucht sie mit ihren neuen Herrschaften, sobald sie vermittelt wurden.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter .

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