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Helga Oehne ist über den Jakobsweg in Spanien gewandert und hat von ihrer beeindruckenden Tour einige sehenswerte ?Trophäen? mitgebracht.

Helga Oehne

Sie war dann mal weg

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Vor drei Jahren kam in Helga Oehne der Wunsch auf, einmal den Jakobsweg zu beschreiten. Nun hat sie dies in die Tat umgesetzt – und eine Menge toller Erinnerungen und Erfahrungen mitgebracht.

„Ich war am Ende nicht geläutert, aber stolz, dass ich es geschafft hatte“, sagt Helga Oehne. Es war keine Frage des christlichen Glaubens, weshalb sich die Kelsterbacher Stadtverordnetenvorsteherin entschied, auf dem Jakobsweg in Nordspanien zu wandern. Vielmehr gaben eher lapidare Gründe den Ausschlag – wie ihre Liebe zum Wandern und zum Hochgebirge.

Schon vor drei Jahren hegte Oehne den Wunsch, einmal den Jakobsweg durch Spanien zu beschreiten. Dieser Wunsch erwachte in ihr, nachdem sie das Buch von Hape Kerkeling „Ich bin dann mal weg“ gelesen und im Fernsehen eine faszinierende Dokumentation über den Pilgerpfad verfolgt hatte. Schon als Kind wanderte Oehne gerne und schwärmte fürs Gebirge. Diese Vorliebe hat die 74-Jährige ihren Eltern zu verdanken.

So kam es, dass sie sich anlässlich einer achttägigen Kultur- und Wanderreise am 26. April auf den Weg machte – als einzige Kelsterbacherin mit 21 anderen Teilnehmern aus ganz Hessen. Sie wanderten in dieser Zeit nicht den gesamten Jakobsweg von insgesamt 870 Kilometern, aber täglich immerhin 20 Kilometer – zumindest neun Teilnehmer. Während die einen wanderten, besichtigten die anderen Kunst- und Kulturstätten. Nach dem täglichen 20-Kilometer-Marsch sammelte ein Bus die Wanderer wieder ein und transportierte sie von Etappe zu Etappe zu einem der gebuchten Hotels.

„Es reizte mich, mal auf dem Pilgerpfad zu wandern“, erklärt Oehne. Wegen ihrer Vorliebe zum Hochgebirge kam es ihr gelegen, dass sich der Jakobsweg über einen Ausläufer der Pyrenäen zieht. „Unser höchster Punkt war auf 1900 Metern.“ Schwierigkeiten habe ihr das trotz Gepäcks und Marschverpflegung auf dem Rücken nicht bereitet. „Ich bin trainiert.“ Oehne fährt täglich Rad und ist viel zu Fuß unterwegs. Außerdem trug sie gutes und geeignetes Schuhwerk sowie eine professionelle Ausrüstung.

Auf ihren Wanderungen auf dem Jakobsweg erlebte sie jedes nur denkbare Wetter – mal Sonne, aber auch Regen und sogar Schnee in Galicien. Oehne erschienen unterwegs Begegnungen mit anderen Pilgern wichtig, die sich aus christlicher Überzeugung auf den Weg gemacht hatten. „Einige wollten gewisse Erlebnisse verarbeiten, andere mit ihrem Marsch für etwas danken“, erzählt sie.

Auf dem Jakobsweg traf die Untermainstädterin auf Menschen aus aller Welt. Sie nahm sich stets Zeit für ein Gespräch. Sie traf auf Kanadier, aber auch Pilger, die auf Pferden unterwegs waren, eine Schweizerin mit Kinderwagen sowie Mountainbiker und Wanderer, welche die schwere Last von mehr als 30 Kilogramm Gepäck auf ihren Schultern trugen. „Jeder dort hat seine Geschichte“, so Oehne.

Sie habe unterwegs viel nachgedacht. „Das tat meinem Kopf gut, mal über das Leben und das nachzudenken, was sich vielleicht ändern ließe. Dort habe ich den Alltag vergessen.“ Es sei eine tolle Erfahrung gewesen, Wanderern mit ernsthaftem Vorhaben zu begegnen. Am bewegendsten sei aber der in spanischer Sprache gehaltene Abschlussgottesdienst in Santiago de Compostela gewesen. Als Dolmetscherin hatte sie keine Probleme, den Inhalt der Predigt zu verfolgen – sie stenografierte ihn, mit Tränen in den Augen, sogar mit.

Oehne stand jeden Morgen um 6 Uhr auf und machte sich zwei Stunden später auf den Weg. Zunächst wurden Kirchen, Kathedralen und Basiliken besichtigt, dann ging es wandern. Ihr Weg führte sie durch Navarra, Kastilien-León, Galicien und Asturien. Unterwegs besorgte sie sich einige der Etappenstempel für das Wanderbuch der Pilger. Die 74-Jährige brachte aber auch andere Trophäen mit nach Hause. So kaufte sie sich eine kleine Jakobsmuschel aus Silber zur Erinnerung an die schöne Zeit und fotografierte eifrig. Mehr als 400 Aufnahmen hat sie mittlerweile zu einem Fotobuch zusammengestellt, das noch gedruckt werden muss.

Am Ende war ihr größter Lohn, als sie die Jakobsmuschel an einem roten Band überreicht bekam – „und mein Stolz, dass ich es geschafft hatte“. Ende Juli bricht Helga Oehne mit einem befreundeten Ehepaar in das Berchtesgadener Land auf, wo sie erneut auf Wandertour geht.

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