Zu schmal sind die Gehwege an der Bergstraße. Wenn dann noch die Mülltonnen zur Abholung bereitstehen, ist Slalomlaufen angesagt. Mit einem Info-Parcours haben aktive Bürger nun auf einige solcher Gefahrenstellen entlang der K 162 aufmerksam gemacht. Foto: Scherer
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Zu schmal sind die Gehwege an der Bergstraße. Wenn dann noch die Mülltonnen zur Abholung bereitstehen, ist Slalomlaufen angesagt. Mit einem Info-Parcours haben aktive Bürger nun auf einige solcher Gefahrenstellen entlang der K 162 aufmerksam gemacht.

Verkehr

Die Gefahren am Straßenrand aus Kindersicht

  • VonNadine Scherer
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Anwohner in Kelsterbach fordern mehr Querungshilfen und Tempo 30 sowie einen Schulwegeplan

Wer am vergangenen Wochenende die Berg-, Main- oder Schwanheimer Straße entlang spaziert ist, hat sie sicher bemerkt: Kleine Füße, mit gelber Kreide auf die Bürgersteige gemalt, an einigen Stellen ergänzt durch die Frage: Wie komme ich hier rüber? Laminierte und an Laternenpfählen befestigte Zettel liefern Informationen: Welche Probleme gibt es an den Stellen für Fußgänger und Radfahrer?, dazu Lösungsvorschläge.

"Die Kreide ist umweltfreundlich und wäscht sich bei Regen wieder ab", beruhigt Tobias Bexten bei einem Pressegespräch. Er und seine Mitstreiter - Olaf Pimper, Christine Stadler-Pimper und Katja Neufahrt - hatten tags zuvor den Info-Parcours entlang der drei Straßen angebracht. Zehn verkehrstechnische Knackpunkte auf der Kreisstraße 162, die gerade für Fußgänger nicht ungefährlich sind.

Sorgen bereitet den Initiatoren der Aktion, die sich bereits 2020 mit der Online-Petition "Sicheres Kelsterbacher Unterdorf" für eine kleine Verkehrswende stark gemacht haben, dass die drei Straßen Schulwege für Kinder sind, welche die Bürgermeister-Hardt-Schule besuchen. Zu schmale Gehwege, die teils durch Laternen oder Stromkästen zusätzlich verengt werden, fehlende sichere Querungsmöglichkeiten, schlechte Sichtverhältnisse durch geparkte Fahrzeuge und Tempo 50 sind nur einige der ausgemachten Probleme.

Mehr Fußgänger und Radfahrer

"Wir wollen damit noch einmal die Menschen für das Problem sensibilisieren, auch dafür, wie Kinder den Verkehr hier wahrnehmen", erläutert Christine Stadler-Pimper. Sie, wie auch ihre Mitstreiter vermissen für Kelsterbach einen Schulwegeplan. Dieser ist für die Jahrgänge 1 bis 7 verpflichtend, muss aber von den Schulen selbst auf den Weg gebracht werden. "Aber im Grunde geht es uns um ein Gesamtkonzept", betont Tobias Bexten. Ein Konzept, das berücksichtige, dass sich die gesamte Mobilität verändere und der Anteil an Fußgängern und Radfahrer steige.

Mit zu dem Treffen - Corona-konform mit Maske und Abstand - sind Theo Pimper, Levi Neufahrt und Lukas Bexten gekommen. Levi und Lukas besuchen die zweite Klasse, Theo kommt bald in die Schule und wird dann ebenfalls zu Fuß zur Schule gehen. Die Gruppe steht auf dem Bürgersteig an der Bergstraße vor dem Tattoostudio, mit Blick auf die Höllenstraße.

Die Autos rauschen im Minutentakt vorbei, es ist laut, hier gilt Tempo 50, auch der Linienbus passiert regelmäßig die Stelle. Dazu kommen Radfahrer, manche recht sportlich unterwegs, die sich in die Kurve legen und haarscharf am Bürgersteig entlangfahren. Eine brenzlige Situation hat Lukas Bexten selbst einmal beim Überqueren des Zebrastreifens im Bereich Berg-/Höllenstraße erlebt. Hier habe ihn ein Autofahrer beinahe übersehen, berichtet der Schüler, aber es sei glücklicherweise nichts passiert.

Anziehungspunkte für Kinder

"Viele lassen ihre Autos die Bergstraße runterrollen. Früher, als es noch die Apotheke gab und davor Autos parkten, mussten die Autos langsamer fahren. Jetzt heißt es: freie Fahrt", beschreibt Christine Stadler-Pimper die Situation. Viele Kinder laufen auf dem Weg zur Schule die Bergstraße herunter. Zwar ist der Gehweg Linkerhand breiter, doch dann stehen die Kinder am Straßenrand, ohne eine Querungsmöglichkeit zum Parkplatz Kelstergrund und dem zweiten, viel genutzten Zugang zur Grundschule.

Auch ein paar Meter weiter, an den Bushaltestellen Kelstergrund - hier ist die Mainstraße dank einer Linksabbiegerspur in die Höllenstraße dreispurig und entsprechend breit - gibt es weder Zebrastreifen noch eine Verkehrsinsel. An den neuen Bushaltestellen am Rathaus dagegen sei aufgrund der Straßenbreite eine Ampel installiert worden, bemerkt Bexten.

Fehlende sichere Querungsmöglichkeiten ziehen sich durch den gesamten Info-Parcours, angefangen in der oberen Bergstraße, bis zur Schwanheimer Straße auf Höhe der ehemaligen Gärtnerei Dürr, dem letzten Parcours-Punkt. Hier queren viele Freizeitradler die Radwege - und hier gilt Tempo 70.

Ein weiterer Knackpunkt: die Mainstraße im Bereich Grüner Baum. Hier sind der Spielplatz am Mainufer und das Wasserhäuschen Anziehungspunkte für Kinder. Zebrastreifen oder Ampel? Fehlanzeige. "Eine Ampel wäre ganz gut. Hier ist meine Tochter nämlich angefahren worden", berichtet Suad Selmani, der sich am Kiosk gerade einen Kaffee holt.

Auch wenn der Autofahrer damals glücklicherweise nicht schnell unterwegs gewesen war, sei seine Tochter fünf Meter durch die Luft geschleudert worden. "Wir waren mit ihr im Krankenhaus im Schockraum, aber es ist zum Glück nichts Schlimmes passiert", so der Familienvater, dem man die Erleichterung über das glimpfliche Ende auch jetzt noch anhört.

Hier führen viele schneller als die erlaubten 50 Kilometer pro Stunde, berichtet Selmani. Er fragt sich, warum kein Tempo 30 gilt und es auch weder Zebrastreifen noch eine Ampel gebe. "Ich passe auf wie ein Schießhund, wenn meine Kinder hier über die Straße gehen."

Barrierefreiheit spielt eine Rolle

Eine Forderung der Initiatoren ist Tempo 30 für die gesamte K 162. "Eigentlich ist fast ganz Kelsterbach eine Tempo-30-Zone, nur diese Schulwege nicht", sagt Katja Neufahrt. Auch Verkehrsinseln, etwa im Bereich der Herz-Jesu-Kirche, könnten zur Entschleunigung beitragen. Barrierefreiheit spielt ebenfalls eine Rolle. In der Mainstraße hätten Eltern mit Kinderwagen oder Menschen mit Rollator Probleme, den Gehweg auf der Mainseite zu nutzen, da dieser teils von Bäumen unterbrochen wird. Hier, so der Vorschlag, könne der Gehweg um den Baum auf die Straße verlegt werden, was zusätzlich mit Tempo 30 zur Entschleunigung des Verkehrs beitragen würde.

Mit der Aktion schließen die Initiatoren an eine Petition an, die eine Sicherung der Schulwege gefordert hatte. Im Herbst 2020 gab es eine Begehung mit den im Stadtparlament vertretenen Fraktionen, außerdem ein Treffen im Fritz-Treutel-Haus. Hier habe man viel Zustimmung erhalten, betonte Bexten. Lob gibt es von den Initiatoren dafür, dass vor der Hardt-Schule nun Tempo 30 gilt, allerdings nur von Montag bis Freitag und von 7 bis 17 Uhr.

Im 2020 vom Stadtparlament verabschiedeten Nahmobilitätsplan ist die Erstellung eines Schulmobilitätsplans - finanziert vom Land Hessen und unterstützt von der Gesellschaft für integriertes Verkehrs- und Mobilitätsmanagement (ivm) - vorgesehen. Passiert sei bisher jedoch nichts. Hier fordern die Initiatoren einen Zeitplan, wann das Konzept erarbeitet wird. Zudem kritisieren sie, dass die Nahmobilitätskommission noch kein einziges Mal getagt hat. Die sei in Corona-Zeiten auch online möglich.

NADINE SCHERER

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