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Lernen fürs Leben: Carina Martinez mit Zoe (vorne rechts) und Hannah Stein mit Luisa (links) als FSJ-ler, umrahmt von Nicole Wagemann, Bernd Schäfer, Martin Jobst, Sascha Meder, Landtagsabgeordneter Kerstin Geis und Jessica Ranitzsch (hinten von links)

Engagement

So ist das Freiwillige Soziale Jahr in der Treutel-Schule

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Hannah Stein leistete bis zu den Sommerferien ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Betreuung der Karl-Treutel-Schule in Kelsterbach. Nun geht sie selbst weiter zur Schule und macht ihr Fachabitur. Mit Carina Martinez Cirre gibt es bereits eine Nachfolgerin, die in ihrer FSJ-Zeit ebenfalls praktische Erfahrungen mit Kindern sammeln möchte. Das interessiert auch Politiker.

„Hi, Hannah, schön, dass du wieder mal hier bist“, kommt spontan ein Mädchen aus der Schulkindbetreuung zugerannt. Es ist Luisa, mit der die FSJ-lerin des vergangenen Schuljahres eine besondere Verbindung aufgebaut hat. Aber auch die „Neue“, Carina Martinez Cirre, ist bei den rund 200 Schülern, die täglich nach dem Regelunterricht in die Schulkindbetreuung gehen, recht beliebt und hat ebenfalls schon besondere Freunde gewonnen. Die FSJ-Angebote der Schulkindbetreuung an der Kelsterbacher Karl-Treutel-Schule laufen über den Caritasverband Offenbach, der als Träger dort die Schulkindbetreuung durchführt.

„Carina, hast du jetzt Zeit für mich?“, fragt deshalb auch Zoe ganz unbekümmert. „Klar, für euch haben wir doch immer Zeit“, betonten die beiden jungen Frauen und nehmen ihre kleinen Freundinnen mal kurz auf den Schoß. „So läuft das bei uns – keine Zeit zu haben gibt es nicht“, betont auch Sascha Meder, Leiter der Schulkindbetreuung an der Karl-Treutel-Schule. Im Juli hatte die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Freiwilligendienste Hessen allen Landtagsabgeordneten die Möglichkeit eines Einsatzstellenbesuches vor der Wahl zum Hessischen Landtag am Sonntag, 28. Oktober, angeboten. „Wir wollen mit dieser Initiative auf den unentbehrlichen Nutzen der Freiwilligendienste für die Gesellschaft und deren Zusammenhalt aufmerksam machen und hoffen, dass diese besondere Form des Engagements im Wahlprogramm der Parteien ihren Niederschlag findet“, erläutert Martin Jobst.

Der Leiter des Referats Freiwilligendienste des BDKJ/Bischöfliches Jugendamt für das Bistum Mainz hatte der Landtagsabgeordneten Kerstin Geis den Besuch der Einsatzstelle für einen Freiwilligendienst unter dem Dach des Caritasverbandes in Kelsterbach vorgeschlagen. „Ich habe dieses Angebot gerne angenommen, denn solche Erkenntnisse aus erster Hand sind für entsprechende politische Weichenstellung von besonderer Bedeutung“, sagt die Sozialdemokratin, die auch Vorsitzende des Landeselternbeirates Hessen ist.

Dass ein Freiwilliges Soziales Jahr keine vergebliche Zeit auf der Karriereleiter ist, sondern recht gut eine Entscheidungshilfe zur Findung einer beruflichen Orientierung dient, dies bestätigten sowohl Hannah Stein als auch Carina Martines Cirre. „Ich hatte nach dem verpassten Schulabschluss etwas die Orientierung verloren, was meine berufliche Zukunft betrifft, und habe dann von diesem Angebot hier gehört und es auch gleich angenommen“, beschreibt die 19-jährige Rüsselsheimerin ihren Weg zur Schulkindbetreuung an der Karl-Treutel-Schule in Kelsterbach.

Für Hannah Stein war es in vielfacher Hinsicht ein sehr lehrreiches Jahr. „Ich habe im Umgang mit den Kindern vor allem gelernt, dass man geduldig sein muss und nicht die eigene Vorgabe das Ziel bestimmt – diese Erfahrung nehme ich für mein ganzes Leben mit“, betont Stein. Ob es das Essen betrifft, das manche nicht mal probieren wollten, weil es sowieso nicht schmecken würde: „Ich habe einfach mal eine Karotte auf den Teller gelegt, manche haben sie gleich, andere erst eine Woche später probiert – aber es hat sich gezeigt, dass auch Karotten schmecken“, beschreibt Hannah Stein schmunzelnd ihre Erfahrungen.

Dies betrifft auch das Projekt Chill-Ecke, als es galt zunächst eine Bank aus Euro-Paletten zu zimmern und diese auch kunstvoll zu bemalen. „Es gab viele krumme Nägel, auch mal blaue Finger und unterschiedliche Ansichten bei der Farbgestaltung, aber am Ende haben wir ein tolles gemeinsame Projekt vollbracht“, betont die FSJ-lerin. Ihre ganz persönliche Erfahrung: Sie geht jetzt selbst noch einmal zur Schule, um ihr Fachabitur zu machen – sie will nämlich Automobilverkäuferin werden.

Die Erfahrungen von Carina Martinez sind zwar noch nicht so vielfältig, doch auch sie hat schon besondere Freundschaften geschlossen. „Ich war schon bei den Ferienspielen in Kelsterbach als Betreuerin eingesetzt und sehe dies hier als schöne Fortsetzung im Umgang mit Kindern“, betont Carina. Die Kelsterbacherin wollte ebenfalls nach dem Abitur erst einmal eine Orientierungsphase einlegen, kann sich aber durchaus vorstellen, jetzt mit Überzeugung ein Lehramtsstudium aufzunehmen. Jetzt ist sie aber l froh, dass sie nicht mehr lernen muss und kann sich abends, wenn sie „geschafft“ nach Hause kommt, ohne Bedenken ins Bett legen und chillen.

„Für uns ist es wichtig, dass die jungen Menschen erfahren, dass es unsere Angebote gibt und dass vermehrt bei Bewerbungen auf solche Erfahrungen geachtet wird“, verweist Jessica Ranitzsch, die Leiterin des Caritaszentrum Kelsterbach, auf einen anderen Aspekt. Einig waren sich alle, dass ein Pflichtjahr im Sozialbereich, wie es derzeit politisch diskutiert wird, keine gute Lösung wäre.

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