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Der Gärtner übernimmt die Grabpflege

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Von: Leo Postl

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Vorne das neue Grabfeld der Treuhandstelle, hinten ist ein freier Abschnitt für weitere Urnenwände. Entlang der Hecke rechts soll die erste Urnenwand aufgestellt werden.
Vorne das neue Grabfeld der Treuhandstelle, hinten ist ein freier Abschnitt für weitere Urnenwände. Entlang der Hecke rechts soll die erste Urnenwand aufgestellt werden. © Leo F. Postl

Die Friedhofskultur verändert sich: Große Familiengräber gibt es immer weniger, viele können die Anlagen nicht mehr selber pflegen. Dem will ein neuer Service Rechnung tragen.

Für den Friedhof Kelsterbach wurde gestern ein neues Kapitel der Grabpflege aufgemacht. Die Gärtnerei Ballenberger aus Frankfurt, der Steinmetzbetrieb Georg Müller aus Bad Vilbel, die Treuhandstelle für Dauergrabpflege Hessen-Thürigen, sowie die interkommunale Friedhofsverwaltung im Auftrag der Stadt Kelsterbach erweitern das bestehende Bestattungsangebot.

Das „gärtnerbetreute Grabfeld“ mit Urnen-Erdgräbern kann ausschließlich über ein Komplettangebot erworben werden. Man spricht von „gärtnerbetreut“, wenn ein oder mehrere Friedhofsgärtner vor Ort das Grabfeld sowohl anlegen als auch bepflanzen und versorgen – also rundherum „betreuen“. Mit diesem neuen Angebot will man den Friedhof in Kelsterbach als Ort für Trauer und Erinnerung stärken, aber auch die gewachsene Friedhofskultur weiter fördern.

Die Gesellschaft sei in einem großen Strukturwandel, die großen Familiengräber gebe es kaum noch, so dass auch die Pflege der Gräber von verstorbenen Familienmitgliedern nicht mehr so erfolgen könne, wie dies früher der Fall war. Somit zeichne sich nicht nur ein Wandel in der Bestattungskultur ab, sondern auch das Erscheinungsbild der traditionellen Friedhöfe wandele sich zusehends.

Vertrag über 20 Jahre

Aus einstigen Mausoleen wurden einfachere Familiengräber, diese verändern sich nun vermehrt zu einfachen Grabstätten oder gar Urnenwänden. Alles mit dem Ziel eines vereinfachten – oder auch kostengünstigen – Pflegeaufwandes.

„Mit diesem neuen Angebot auf unserem Friedhof bieten wir jenen, die dies wünschen, ein über 20 Jahre dauerndes Rundumsorglospaket, was die Grabpflege betrifft“, betonte Kelsterbachs Bürgermeister Manfred Ockel (SPD) bei der Eröffnung gestern Vormittag in der Trauerhalle des Friedhofes Kelsterbach. Stefan Friedel, Geschäftsführer der Treuhandstelle für Dauergrabpflege Hessen-Thüringen mit Sitz in Frankfurt, erläuterte das Konzept der treuhänderischen Betreuung. „Sie überweisen das Geld für die vereinbarte Leistung auf ein Treuhandkonto, wir überprüfen, ob alle Dienstbarkeiten seitens der Vertragspartner erbracht wurden, erst dann erhalten diese ihren Lohn“, so Friedel. Ein Vertrag läuft erst einmal über 20 Jahre, es gibt aber die Möglichkeit, gerade im Bereich der Familiengräber, diesen zu verlängern.

Auf dem Treuhand-Grabfeld in Kelsterbach gibt es sechs verschiedene Varianten von Bestattungen auf der eigens dafür vorgesehenen Grabanlage, wie die Landschaftsarchitektin Virginia Taschner erläuterte. Diese reichen vom kostengünstigsten Einzelplatz in Urnen-Erdgemeinschaft über ein Urnen-Erdgrab „Urne unterm Bau“ bis hin zum Partner-Urnen-Erdwahlgrab mit stehendem Grabmal. Für das Gemeinschaftsgrab werden die Namen auf einer Säule eingraviert, für die anderen Grabvarianten steht der Name auf einem Solitär, der entweder liegt oder steht.

Gebühren kommen dazu

„Die Treuhandstelle trägt Sorge, dass die Grabanlage jederzeit der Würde des Friedhofs entsprechend gepflegt ist“, lautet das Versprechen. Die normalen Gebühren der Friedhofsverwaltung für Bestattungen gemäß der Satzung sind freilich dennoch zu entrichten.

Der Gärtnermeister erläuterte nach der Eröffnung des Treuhand-Grabfeldes die Pflege der Anlage mit der dreimal jährlichen Wechselbepflanzung. „Wir haben hier insbesondere insektenfreundliche Blumen und Stauden verwendet und hier wäre auch ein Platz für ein paar Bienenstöcke“, so Ballenberger. Um die Säuleneiche in der Mitte, dem Symbolbaum für Kelsterbach, liegen die Urnen-Baumgräber. „Wir finden das eine sehr gute Sache, einerseits entlasten wir unsere Kinder und andererseits wissen wir, dass unsere Gräber immer in einem ordentlichen Zustand sind“, betonen die Kelsterbacher Gisela und Wolfgang Klös. Ihre letzte Ruhestätte soll einmal nicht so aussehen, wie manch schlechtes Beispiel auf dem Friedhof in Kelsterbach. Über das Internet kann man sein Grab auswählen und reservieren.

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