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Bei der Jahreshauptversammlung der freiwilligen Feuerwehr gab es zahlreiche Ehrungen und Beförderungen. Fotos Carmen Erlenbach

Probleme bei der Bewältigung der Einsätze

Hält das Ehrenamt noch stand?

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Die Freiwillige Feuerwehr Kelsterbach sieht sich an der Grenze ihrer Belastbarkeit. Bürgermeister Manfred Ockel ist besorgt, ob die Ehrenamtlichen den Anforderungen der stetig wachsenden Kommune standhalten können.

Der freiwilligen Feuerwehr der Untermainstadt drückt der Schuh. Bei Einsätzen zur Tageszeit mangelt es an Personal. Das aber darf nicht sein, weil der Strom von Zuzügen anhält und die Versorgung der ständig wachsenden Stadt auch mit mehr und mehr Gewerbeansiedlungen im Notfall gewährleistet sein muss.

Das stellt nicht nur die Wehr vor ein Problem, sondern auch die Stadtväter. Es sei nur noch eine Frage der Zeit, wie lange sich die Sicherheit in der ständig wachsenden Untermainstadt ausschließlich mit ehrenamtlichem Engagement der Wehr noch aufrechterhalten lasse, verdeutlichte Bürgermeister Manfred Ockel (SPD) bei der Jahreshauptversammlung. Das warf zwischen den Zeilen die Frage auf, ob sie bald schon ausgedient haben könne und von einer Berufsfeuerwehr wie in anderen Städten ersetzt werde. Derart deutlich kam dieses Thema jedoch nicht zur Sprache.

Stadtbrandinspektor Thomas Heller untergliederte 204 Einsätze im vergangenen Jahr (78 mehr als 2015) in 24 Brände (-19), 85 technische Hilfeleistungen (+40), 95 Fehl- beziehungsweise blinde Alarme (+57) sowie fünf Unterstützungen bei Einsätzen in Nachbarkommunen. 73 Einsätze erfolgtem in personalkritischen Tageszeitraum zwischen 6 und 18 Uhr. Mitunter sei die gesetzliche Hilfsfrist von zehn Minuten überschritten worden, oft habe es an Personal gemangelt.

Heller trug die Zahlen vor, 19 geretteter Personen und vier Todesfälle, und ging auf Gründe für besondere Einsätze ein, wie in der Nacht vom 31. Mai auf den 1. Juni. Zunächst brannte es am Europort, danach gab es einen Lagerhallenbrand im Langen Kornweg mit nahezu sämtlichen Hilfskräften aus dem gesamten Kreis und dem Technischen Hilfswerk. Mit mehr als 126 Stunden sei dies der längste Einsatz gewesen, den Heller in Kelsterbach bisher erlebt hat.

Sauer zeigte sich Heller, weil die Wehr voriges Jahr wegen neun Fehlalarmen im gleichen Objekt – ein ehemaliges Hotel – in der Waldstraße ausrücken musste. „Da stimmt doch etwas nicht.“ Den Besitzer interessiere es nicht, weil er die Kosten für die Einsätze von der Stadt erstattet bekomme. „Hier wünsche ich mir eine andere Situation“, so Heller.

Durchschnittlich seien bei Einsätzen tagsüber nur 13 Aktive verfügbar, darunter sieben Atemschutzgeräteträger. Das Soll liege jedoch bei 17 Aktiven und acht Atemschutzgeräteträgern. Die Einsatzabteilung zähle 61 Mitglieder, das Soll liege bei 66.

Darüber hinaus erinnerte Heller an vier Fahrzeuge der Wehr, die ein Alter zwischen 23 und 38 Jahren aufweisen. Es müsse absehbar sein, wann mit Ersatz zu rechnen sei. Er kündigte die Ersatzbeschaffung eines Hilfeleistungslöschfahrzeugs an, das voraussichtlich im Oktober in den Dienst gestellt werde.

Bürgermeister Manfred Ockel informierte die Blauröcke über das ständige Wachstum der sich zurzeit verändernden Stadt und weitere neue Gewerbeansiedlungen, welche die Wehr weiterhin vor neue Herausforderungen stelle – auch personell. „Wie lange geht das mit der Ehrenamtlichkeit noch gut? Die Region wächst ständig weiter“, so Ockel. Er ging auch auf den Ausbau der Stadtmitte und von Straßenzügen ein sowie auf den geplanten Neubau eines Feuerwehrhauses und die Sanierung des jetzigen, das optisch in Schuss sei, jedoch nicht alle Auflagen des TÜV erfülle. Die Vorarbeiten kündigte Ockel für Herbst 2018 an, 2019 sollen der Neubau und die Sanierung abgeschlossen sein.

Sven Schmitt wurde als stellvertretender Stadtbrandinspektor für weitere fünf Jahre bestätigt, und Fozy N’Toma wurde zur Vertreterin der Einsatzabteilung als Beisitzerin in den Feuerwehrausschuss gewählt.

Im Fokus der Versammlung standen auch zahlreiche Beförderungen und Ehrungen. So wurden Christian Krehl mit der bronzenen Katastrophenschutzmedaille und Swen Schreiber mit dem silbernen Brandschutzehrenzeichen gewürdigt. Darüber hinaus wurden noch Anerkennungsprämien des Landes Hessen verliehen.

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