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Kabarettist Henning Schmidtke zählt die unterschiedlichsten Zeit-Probleme auf.

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Henning Schmidtke: Ein Gehetzter seiner selbst?

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Wieder einmal volles Haus für eine Veranstaltung für den Verein Kelsterkult – diesmal mit dem Kabarettisten Henning Schmidtke. Der hatte seine ganze Kiste an urkomischen Weisheiten und irrwitzigem Nonsens ins Atrium mitgebracht.

„Der kommt aber nur rein, wenn ihr ihn laut genug lockt“, forderte Kelsterkult-Vorsitzender Lutz Hack die 90 Gäste schon mal zur ersten interaktiven Aktion auf. Dann kam er, wurde bejubelt – und verschwand mit dem Worten „nee, das war mir zu wenig“ auch schon wieder. Dann klappte es doch noch mit dem tosenden Vorschussapplaus und Henning Schmidtke stand im Rampenlicht.

Aus dem Hintergrund freute sich der Vorstand: „Was will man mehr? Besser ein kleiner voller Saal mit 90 Leuten oder ein großer Saal mit 100 Leuten, wo aber noch 150 reinpassen würden“, beschrieb Uli Karczenski das Kalkül des Veranstalters. Ganz clever auch die Idee, dass man gleich neben der Eintrittskare auch die mittlerweile berühmte Pausenvesper im Voraus ordern kann: ein kleiner Ringel Flaaschwortscht mit Doppelweck sowie einen Stapel aus aufgeschichteten Käsebalken. „So können wir viel besser für unsere Einkäufe kalkulieren“, bestätigte dann Uli Karczenski.

Freilich gab es auch reichlich geistige Nahrung, die Henning Schmidtke zum Motto des Abends „Hetzkasper“ auftischte. „Noch nie hatten Menschen so viel Zeit wie heute, aber warum hetzen wir uns dann so?“, fragte Schmidtke – um sich gleich wieder zu revidieren. Die Tage dauerten schon immer nur 24 Stunden. Seine vordergründigste Kritik am Verhalten der Menschen unserer Zeit. „Wieso wollen wir uns nur immer gegeneinander ausspielen, wir brauchen uns doch.

Was wäre eine Schlägerei ganz alleine?“, hatte er die Lacher schon mal auf seiner Seite. Eine weitere Weisheit von Henning Schmidtke: „Wir ziehen doch alle an einem Strang – und am Ende hängt einer dran“!

Auch das Sprichwort „In der Ruhe liegt die Kraft“, fand der Kabarettist nicht immer angemessen; man denke nur an eine Einzelhaft. Dann hatte er es mit den Castings. „Die dürfen doch alle nicht singen wies sie wollen. Stellen sie sich mal vor, da wäre Udo Lindenberg oder Herbert Grönemeyer aufgetaucht – beide gleich raus!“, so Henning Schmidtke.

Und wie funktioniert unsere Leistungsgesellschaft? Die muss es so geben! „Du, mit deiner Pulle Apfelwein – ich weiß, die schaffst du – bis die bei dir auf dem Tisch steht, haben mindestens vier Menschen daran gearbeitet und Geld verdient. Und je mehr du säufst, umso besser ist das für die Wirtschaft“, konstatierte Schmidtke.

„Gar nicht auszudenken, wenn wir ab morgen nicht mehr aufs Klo gehen würden?“, stellte er einen weiteren Zusammenhang auf. Und im zweiten Teil des vom Publikum frenetisch gefeierten Abends gab es unglaubliche, aber (möglicherweise) gar tatsächlich so erlebte Begebenheiten auf einem Kreuzfahrtschiff.

Unglaublich aber scheinbar wahr – so sind eben die Abende mit Henning Schmidtke.

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