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Im Oktober 1980 unterzeichneten die ehemaligen Bürgermeister Adolphe Sirodeau (vorne links) und Fritz Treutel (vorne rechts) die Verschwisterungsurkunde in Baugé.

Rückblick

Die Städtepartnerschaft zwischen Kelsterbach und Baugé-en-Anjou wird 40 Jahre alt

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Der Sinn von Städtepartnerschaften sei gewesen, alte Feindschaften abzubauen, die durch den Ersten und Zweiten Weltkrieg zwischen den Staaten entstanden seien. So ist auch die Freundschaft zwischen den Städten Kelsterbach und Baugé entstanden, die in diesem Jahr 40 Jahre währt.

Kelsterbach - „Die Ära von Städtepartnerschaften ist vorbei.“ Der Trend aus der Zeit um 1976, Städtepartnerschaften zur Völkerverständigung zu schließen, sei aus der Mode gekommen, so Helga Oehne vom Verschwisterungskomitee. Sie geht davon aus, dass zwischen dem 30. Mai und 2. Juni diesen Jahres anlässlich der 40-jährigen Partnerschaft mit der französischen Stadt Baugé-en-Anjou die letzte große Verschwisterungsfeier in Kelsterbach begangen wird. Sie betreut die einzige Verschwisterung der Untermainstadt seit ihren Anfängen am 31. August 1979 als Dolmetscherin.

Pioniere der ersten Stunde waren in Kelsterbach neben Oehne auch Heinrich Hoffmann, Bernhard Wiegand sowie Wilhelm Laun und Franz Treutel, beide inzwischen verstorben. In Baugé forcierten der damalige Bürgermeister Adolphe Sirodeau sowie Verschwisterungspräsident Gérard Chevalier die Städtepartnerschaft.

„Die Saat ist aufgegangen“

Helga Oehne bereitet sich auf das 40-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft vor.

Oehne ist kein Fall aus jüngster Zeit bekannt, in der eine Städtepartnerschaft neu begründet wurde. „Sie sind alle am Aussterben. Freundschaften hingegen bleiben dauerhaft bestehen.“

Kelsterbach habe sich wie viele andere Städte im Kreis Groß-Gerau im Jahr 1979 gemäß eines Aufrufs der Kreis-Volkshochschule mit einer französischen Stadt verschwistert. Der Sinn sei gewesen, alte Feindschaften abzubauen, die durch den Ersten und Zweiten Weltkrieg zwischen den Staaten entstanden seien. „Diese Saat ist aufgegangen.“

Die Städtepartnerschaft zwischen der Untermainstadt und dem etwa 900 Kilometer entfernten Baugé, das am 4. Januar 2013 anlässlich einer Gebietsreform in Baugé-en-Anjou umbenannt wurde, werde in den Komitees heutzutage nur noch von reiferen Menschen gepflegt. „Junge Menschen brauchen keine Verschwisterung mehr.“ Sie seien durch das Internet und soziale Medien weltweit freundschaftlich vernetzt, beispielsweise auch durch Begegnungen bei sportlichen Freundschaftsspielen im Ausland. Oehne macht den jungen Generationen keinen Vorwurf, weil sie in Frieden und Freiheit lebt und deshalb den Grund für die vor 40 Jahren geschlossene Partnerschaft emotional nicht nachvollziehen können. Vielmehr ist sie dankbar für diesen Umstand.

Die internationale Freundschaft zu den Franzosen werde am Main derzeit von der Country Company, der Freiwilligen Feuerwehr, dem Gewerbeverein, Fuß- und Handballern, dem Volkschor sowie Hobbykünstlern gepflegt, aber auch von Schulen und Turnvereinen. In gelegentlichem Kontakt stehen laut Oehne auch die Musikschule, der Ortsbezirk Kelsterbach der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft, Radfahrer, Tennisspieler und Golfer. Darüber hinaus böten beide Partnerstädte gegenseitig Möglichkeiten für Praktika an.

Besuch des Flughafens

Das Programm für die anstehende Verschwisterungsfeier mit einer rund 80-köpfigen Delegation aus Frankreich werde derzeit erarbeitet. Sicher sei, dass ein Besuch des Frankfurter Flughafens und in der benachbarten Mainmetropole aufgenommen werde, aber auch die Teilnahme der französischen Freunde mit einem Weinstand am Straßenfest in Kelsterbach sei geplant.

Die Bürgermeister Fritz Treutel (links) und Adolphe Sirodeau bei der ersten Verschwisterungsfeier.

Von dem einstigen Verschwisterungsteam in Kelsterbach sind noch Helga Oehne, Heinrich Hoffmann und Bernhard Wiegand übrig, in Frankreich Adolphe Sirodeau und Gérard Chevalier.

Zu den Höhepunkten in den vier Dekaden zählten die Einweihungen des Baugé-Kreisels am 20. Juni 2009 in Kelsterbach sowie des Kelsterbach-Kreisels am 15. Mai 2010 in Baugé, aber auch die 1000-Jahr-Feier der französischen Stadt im Juli 2011, die Eröffnung des dortigen Kulturzentrums im Oktober 2011 sowie die Neujahrsempfänge in beiden Städten.

Trotz einer gewissen Ermüdungserscheinung der Verschwisterungskomitees auf beiden Seiten sei die Herzlichkeit, mit der private Freundschaften gepflegt würden, ungebrochen. Der ständige Austausch erfolge vorwiegend telefonisch, via E-Mails und per Post. Oehne fungiert seit 40 Jahren ehrenamtlich als Dolmetscherin.

Die Rückverschwisterung beider Städte wird im Mai 2020 in Baugé-en-Anjou ausgerichtet.

von Carmen Erlenbach

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