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Hier soll bald Geld hineinfließen

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Von: Leo Postl

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Interessante Einblicke in die Pumpstation Süd: Rechts die große Förderschnecke, links das marode Überlaufbecken.
Interessante Einblicke in die Pumpstation Süd: Rechts die große Förderschnecke, links das marode Überlaufbecken. © Leo F. Postl

Die Stadt Kelsterbach hat zwei Pumpstationen, die dafür sorgen, dass das Abwasser in die Sindlinger Kläranlage gelangen. Die Pumpstation ist allerdings ziemlich in die Jahre gekommen.

Mit dem Druck auf die Toilettenspülung hat sich für die Bürger das Problem der Entsorgung von Fäkalien und manchem im Haushalt anfallenden Abfallprodukt meist erledigt. Was danach passiert und welcher Aufwand betrieben werden muss, damit alles seinen Weg in die Kläranlage findet, das entzieht sich nicht nur den Blicken der Bürger – es interessiert sie oft auch nicht.

Die sachgerechte Entsorgung von Abwässern wird aber zunehmend zu einem (teuren) Problem für die Kommunen. Die Abwässer aus Kelsterbach werden der Großkläranlage in Sindlingen auf der anderen Seite des Mains zugeführt. Bis sie dorthin gelangen, haben sie nicht nur einen weiten, sondern auch einen mit viel Aufwand betriebenen Weg zurückzulegen.

Dass Wasser von alleine nur bergab fließt, ist hinlänglich bekannt, doch nicht immer führt der Transportweg zur Kläranlage nur abwärts – auch nicht in Kelsterbach. Zwei große Pumpenanlagen sind nötig, um die Abwässer zur Kläranlage Sindlingen zu transportierten. Eine steht im nordöstlichen Kelstergrund, eine weitere im Wald westlich der Untermainstadt. Von 2011 bis 2014 wurde das Pumpwerk Nord, also jenes im Kelstergrund, aufwendig saniert. Nun soll die Pumpstation Süd folgen und eine größere Revision erfahren. Damit sich die Parlamentarier einen Eindruck verschaffen können, wohin das beantragte Geld fließt, besichtigte der Bauausschuss am Montagabend die beiden Pumpstationen.

320 Liter pro Sekunde

Michael Anthes vom städtischen Bauamt stellte die Wege des Abwassers im Kelsterbacher Untergrund vor. „Ganz früher liefen die Abwässer einfach in den Main, später gab es im Kelstergrund eine kleine Kläranlage“, schilderte Anthes. Nach neuer Gesetzgebung musste die Kläranlage dann geschlossen werden, das Abwasser wurde in die Höhe auf die Schwedenschanze gepumpt, von wo es – wie auch heute noch – rund um das südliche Kelsterbach auf natürlichem Gefälle gen Westen laufen kann.

Im Wald befand sich dort eine recht einfache Kläranlage. Als Frankfurt die Großkläranlage Sindlingen errichtete, bot sie der Stadt Kelsterbach an, ihre Abwässer gegen Entgelt mit zu reinigen. So wurde westlich der Niederhölle ein Düker unter dem Main hindurch verlegt. Heute dient das Klärbecken an der Pumpstation Süd nur noch als Überlaufbecken.

Die Parlamentarier besuchten zunächst das Pumpwerk Nord. Dort, wo von außen kaum etwas zu sehen ist, wurde in den vergangenen Jahren viel saniert. „Wir haben einen zweiten Strang nach oben gelegt und eine neue Pumpe mit doppelter Förderleistung eingebaut“, erklärte Anthes und zeigte auf das blaue Monstrum, das 320 Liter pro Sekunde vom Kelstergrund hoch zur Schwedenschanze fördern kann. Zusätzlich wurde ein „Kanalmonster“ eingebaut, das alles zerfetzt, was so ankommt.

In der Pumpstation Süd gab es dagegen recht viel zu sehen. Der Beton des großen Überlaufbeckens macht einen unübersehbar sanierungsbedürftigen Eindruck. Nicht besser sieht es mit der großen Förderschnecke aus. „Wir brauchen dieses Becken im Prinzip nur noch als Überlaufbecken, wenn ein Regenereignis uns großen Mengen an Wasser bescheren“, so Anthes.

Weniger Feststoffe

Bei der Sanierung soll auch hier eine Vorreinigung eingebaut und die groben Bestandteile herausgefischt werden. „Je weniger Feststoffe wir nach Sindlingen schicken, desto günstiger wird es für uns.“ Auch technisch soll alles auf einen zeitgemäßen Stand gebracht werden, dies betrifft sowohl die Elektroinstallation als auch die Erneuerung der Pumpen. „Noch funktionieren sie, aber das Ende der Zuverlässigkeit ist absehbar“, verwies Anthes aus mögliche Störungen oder Ausfälle. Die Sanierungsarbeiten sollen im nächsten Jahr beginnen und zwischen 600 000 und einer Million Euro kosten.

„Und was passiert, wenn mal ein längerer Ausfall ist und auch das Überlaufbecken nicht mehr ausreicht?“, wolle Stadträtin Annerose Tanke von der Wählerinitiative Kelsterbach wissen. „Dann müssen wir notfalls ungeklärtes Wasser in den Main leiten – aber das wird dann teuer“, erklärte Michael Anthes.

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