Alexander Schneider und Jan Borchert

Jungunternehmer pflanzen Bäume

  • schließen

Die Forstwissenschaftler Jan Borchert und Alexander Schneider haben ein eigenes Modelabel gegründet. Aus Verbundenheit zur Natur wollen sie für jedes verkaufte Kleidungsstück einen Baum pflanzen. Den Anfang machten sie nun in Kelsterbach.

Nicht immer nimmt die berufliche Ausbildung jenen geradlinigen Verlauf, der als normal gilt. Dies trifft in besonderer Weise auf Alexander Schneider und Jan Borchert, beide studierte Forstwissenschaftler, zu. Nach dem Abschluss ihres Studiums haben sich die beiden Wiesbadener nicht für eine Stelle in der Forstwirtschaft beworben, sondern sie haben sich auch ein ganz anderes Ziel gesteckt: Sie wollen die Textilbranche aufmischen.

Was hat nun die Forstwirtschaft mit der Textilbranche zu tun? Außer der Gewinnung von Zellulose aus Holz wohl eher wenig. Doch darauf haben es Alexander Schneider und Jan Borchert auch nicht abgesehen. Sie wollen mit hochwertiger Damen- und Herrenoberbekleidung und einem nachhaltigen Geschäftsmodell neue Wege gehen. Die Mode ihres Labels Truewoods verbindet dabei Elemente moderner und klassischer Freizeitkleidung mit aufwendigen Stickereien und Printmotiven – inspiriert von Natur, Forstwirtschaft, Jagd und Tierwelt. Herausgekommen ist eine eigene Kreation, die sich mit „naturebased Streetwear“ (naturbasierter Straßenmode) beschreiben lässt.

„Die Idee, die Naturwelt in die Straßen zu bringen, ist bei uns aus einer jahrelangen Verbundenheit zur Natur, Tierwelt und Mode entstanden“, beschreiben die beiden Forstwissenschaftler ihren vermeintlichen Abweg von ihrem Berufsbild – der für sie aber keiner ist. Diese Verbundenheit zeigt sich denn auch in ihrem Engagement für den Naturschutz: Für jedes verkaufte Kleidungsstück wird von Truewoods ein Baum gepflanzt. Mit dem Projekt „Support-Your-Local-Woods“ betreibt das Label aktiven Schutz heimischer Flora und Fauna und schafft Lebensraum für Mensch, Tier und Pflanze. Dem liegt der gewissenhafte Umgang mit natürlichen Ressourcen zugrunde.

„Große Brauereien werben damit, für jeden verkauften Kasten ihres Getränks einen Quadratmeter Regenwald zu sichern – irgendwo in Zentralafrika. Wie kann das der Käufer überprüfen“, nennt Alexander Schneider ein Beispiel, das für ihn mehr virtuell, denn reell ist. „Wir wollen, dass die Menschen in ihrem Lebensraum sehen können, wofür wir uns engagieren – und vor allem, wie wir das machen“, verdeutlicht Jan Borchert. Das sei glaubwürdiger.

Truewoods wolle einen eigenen Beitrag für ein ausgewogenes Miteinander zwischen Mensch und Natur leisten und dies auch für alle nachvollziehbar zeigen. Das werde im gesamten Produktionsprozess berücksichtigt, erklärt das Duo. Alle verwendeten Materialien seien zertifiziert, teilweise recycelt und frei von jeder Gentechnik. Die Verpackungen seien biologisch abbaubar. Der Herstellungsprozess selbst stelle eine Mischung aus lokaler Produktion im Rhein-Main-Gebiet und Fair-Trade-Kooperationen mit Zulieferern aus strukturarmen Regionen der Welt dar. Truewoods sehe sich als Gegenstück zu einheitlichen und ideenlosen Massenprodukten der Modewelt. „Hochwertige Streetwear und der Schutz der Natur schließen sich nicht aus. Im Gegenteil, die Kombination findet ihren Ausdruck im Konzept und den Produkten unseren jungen Labels“, betonen die beiden Förster.

Bei ihrer Suche nach einem geeigneten Grundstück für ihre erste Baumpflanzung wurden Schneider und Borchert in Kelsterbach fündig. Der Kontakt zu Eric Schulz-Gabel, der vonseiten der Stadt für den Kelsterbacher Wald zuständig ist, kam über das Forstbüro Martin Klepper zustande. „Wir haben eine Fläche für 40 bis 50 Bäume gesucht, die wir mit ausgewählten Bäumen bepflanzen wollten“, erklärt Alexander Schneider.

Das Grundstück nördlich des Friedhofs – ein ehemaliger Spargelacker, der seit Jahren nicht mehr genutzt wird – wurde als Fläche für das Projekt ausgewählt. Dort pflanzten Schneider und Borchert, unterstützt von zwei Mitarbeitern des Kelsterbacher Kommunalbetriebs, nun Bäume wie Ulme, Walnuss, Edelkastanie, Haselnuss, Kirschpflaume und Süßkirsche. „Wir haben die Bäume mit essbaren Früchten entlang des Weidenwegs gepflanzt, die anderen dann tiefer in der Fläche“, erläuterte Borchert. Sein Partner ergänzte: „Wir wollen die Menschen dazu bewegen, ihre Umwelt besser wahrzunehmen, aber auch einen Beitrag zur Verbesserung der Biodiversität leisten.“ So sollten im Herbst die Menschen in den Weidenweg kommen, um die Früchte zu ernten und dabei die Baumarten kennenzulernen.

Kelsterbachs Bürgermeister Manfred Ockel war von der Aktion angetan, nicht weil er den letzten Baum pflanzen durfte, sondern weil er dieses Vorzeigeprojekt für unterstützungswürdig hält. „Im Gebiet des Regionalparks werden sich sicherlich noch weitere Flächen finden, die für eine solche Bepflanzung geeignet sind“, sagte Ockel. Für Eric Schulz-Gabel sind beispielsweise nicht allzu hoch wachsende Bäume ideal für eine Pflanzung unter den Starkstromtrassen.

Weitere Informationen zu dem Modelabel und zu dessen Projekten finden sich im Internet unter .

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare