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In Kelsterbach entsteht die weltgrößte Anlage für Indoor Skydiving

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Im Januar beginnt der Bau der weltgrößten Sport- und Freizeitanlage für Indoor Skydiving in der Untermainstadt. Kostenpunkt: 15 Millionen Euro.

Der Traum vom Fliegen ist so alt wie die Welt und inzwischen längst Realität geworden. Doch frei wie ein Vogel in den Lüften zu schweben, ist eigentlich nur Fallschirmspringern vorbehalten und dauert bei einem Absprung aus 4000 Metern Höhe nur etwa eine Minute. Dieses Gefühl des freien Falls wird demnächst aber auch in Kelsterbach erlebbar sein. Dort, auf dem Enka-Gelände, direkt neben dem Fachmarktzentrum, beginnt im Januar 2017 der Bau der weltgrößten Sport- und Freizeitanlage für Indoor Skydiving.

Federführend bei dem Bau dieser Windtunnelanlage ist Alexandra Kolmogorov, eine Frankfurter Fallschirmsportlerin, die im Dezember 2014 ihr Unternehmen, die Fly Vision GmbH, gründete. Das Projekt mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von rund 15 Millionen Euro ist komplett durchgeplant, und auch die Baugenehmigung liegt vor. Zunächst sei es ihr Ziel gewesen, dieses Vorhaben in Frankfurt zu verwirklichen, so Kolmogorov. Doch das habe sich rasch als recht schwierig erwiesen. Auf dem Enka-Gelände dagegen habe sie ein „perfektes Grundstück“ gefunden, und die Stadt sei aufgrund ihrer verkehrstechnischen Lage im Rhein-Main-Gebiet mit Anbindung an den Flughafen der ideale Standort.

Der Windtunnel, ein Glasraum mit einem Durchmesser von 5,3 Metern und einer Höhe von 21 Metern, sei um einen Meter breiter als alle bisherigen. Das Gebäude, in dem bereits vom ersten Betriebsmonat 45 neue Arbeitsplätze geschaffen werden, soll natürlich auch adäquat gestaltet werden. Neben der Windtunnelanlage soll es einen Konferenzsaal für mehr als 100 Personen geben, dazu mehrere kleinere Clubräume für alle Arten von Feiern, etwa Firmenjubiläen, Hochzeiten und Junggesellenabschiede. Und im Winter soll auf dem Dach des Gebäudes eine Schlittschuhbahn entstehen. Die Eröffnung der Anlage sei noch vor Weihnachten 2017 geplant.

Sicher im Windtunnel

Skydiving sei eine Sportart, die viele Menschen anspricht, sagte Kolmogorov, angefangen bei echten Windtunnelsportlern bis hin zu Fallschirmspringern der Bundeswehr. Daher sei es längst überfällig, dass eine solche Anlage in der Rhein-Main-Region entstehe, zumal Deutschland in dieser Hinsicht ohnehin ein Nachzügler sei. In Deutschland gebe es bislang nur eine einzige Anlage, in Bottrop, weltweit seien es 65. Kolmogorov ist sich sicher, dass dieser Markt explodieren wird. Für ihre Anlage in Kelsterbach rechnet sie mit rund 60 000 Besuchern jährlich.

Für die Umsetzung des Projekts hat sich die Geschäftsführerin der Fly Vision GmbH mit Boris Nebe den führenden Entwickler und Hersteller derartiger technischer Anlagen ins Boot geholt. Nebe erklärte, dass sich bereits Kinder ab vier Jahren nach kurzer Einweisung sicher in dem Windtunnel bewegen können, und da es keine großen körperlichen Anforderungen gebe, könne dieser Sport bis ins hohe Alter betrieben werden. „Man liegt auf der Luft, wird von ihr getragen“, sagte er.

Aber auch für Fallschirmspringer sei der Windtunnel ein idealer Trainingsort. Bei einem konkreten Fallschirmsprung müsse der Springer erst mit dem Flugzeug auf eine Höhe von 4000 Metern getragen werden, Dauer rund 20 Minuten. Dann der Sprung zurück zur Erde, Dauer eine Minute. Im Windtunnel könne das in dieser Zeit mehrmals trainiert werden, ebenso die Schaufiguren von Sprunggruppen von bis zu acht Personen. Für die Sicherheit in dem Tunnel sorge übrigens das gleiche Glas, das für die Gorillakäfige im Frankfurter Zoo verwendet wird, so Nebe.

Die Preise für die Nutzung der Anlage stehen noch nicht endgültig fest. Alexandra Kolmogorov rechnet für eine Stunde mit einem Preis zwischen 780 und 1600 Euro. Wer allerdings nur einmal in den Windtunnel hineinschnuppern will, muss mit Kosten von etwa 60 Euro rechnen. Darin sind bereits die Kosten für die Einweisung und Betreuung von zwei Trainern enthalten. Das sei zudem auch günstiger als ein Huckepack-Absprung mit dem Fallschirm, der etwa 220 Euro kostet.

Dreigeschossiger Bau

Für das Bauvorhaben selbst wurde der Architekt Michael Frielinghaus gewonnen, der in Kelsterbach bereits für den Bau des neuen Rathauses verantwortlich zeichnete. Er erläuterte die Konzeption der neuen Anlage, in deren Mittelpunkt sich der Windtunnel befindet, der nahezu von überall aus sichtbar ist. Er ging auf die Besonderheiten des dreigeschossigen Baus ein, etwa die Lage der Konferenzräume, der Caféteria und etlicher Ruheräume samt Sauna, aber auch auf die technischen Anlagen, die sich überwiegend im Untergeschoss befinden werden.

Kernstück der Anlage seien vier Turbinen, die den Wind erzeugen, der Geschwindigkeiten bis zu 250 Kilometer pro Stunde erreicht. Ein Problem dabei sei allerdings noch der Schallschutz, der besonders für die Abend- und Nachstunden wichtig sei. Doch Frielinghaus ist sich sicher, dass er die angesetzten Baukosten von 7,5 Millionen Euro werde einhalten können. Henning Stumpp, Präsident des deutschen Fallschirmspringerverbands, der rund 7500 Absprünge hinter sich hat, begrüßte den Bau dieser Anlage in der Untermainstadt ausdrücklich. Bislang müssten für diese Trainingszwecke stets Windtunnel in den USA oder anderen Ländern aufgesucht werden.

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