Jahreshauptversammlung

Kelsterbach: Petrijüngern in die Anglerkasse gegriffen

  • vonCarmen Erlenbach
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Mitgliederschwund, hungrige Kormorane und ein in die eigene Tasche arbeitender Kassenwart, der Anglerverein Kelsterbach hat es nicht einfach. Jede Krise als Chance zu sehen, war das Motto der Jahreshauptversammlung der Angler.

Ratlosigkeit und Bestürzung bei den Kelsterbacher Anglern. Bei der Hauptversammlung am Sonntag gab der erst seit dem vergangenen Jahr amtierende Vorsitzende Wolfgang Helmerich bekannt, dass der bisherige Kassierer des Vereins seit 2014 rund 40 000 Euro unterschlagen hat. Allerdings hält sich der Schaden in Grenzen, denn 35 000 Euro wurden von dem Betroffenen, der am Sonntag an der Hauptversammlung nicht teilgenommen hatte, wieder zurückgezahlt. Der Vereinsvorstand hat den Kassierer bei der Staatsanwaltschaft wegen Untreue angezeigt, überlegt jedoch, die Anzeige womöglich wieder zurückzuziehen, wenn der Kassierer das noch fehlende Geld kurzfristig wieder zurückzahlt.

Entschluss vertagt

Auch wurde über die Frage diskutiert, ob der Betroffene aus dem Verein ausgeschlossen wird. Der Vorsitzende gab zu bedenken, der Kassierer habe trotzdem große Verdienste um den Verein geleistet und sich immer wieder für die Mitglieder eingesetzt. Der Vorstand alleine wollte die Entscheidung nicht treffen und forderte stattdessen ein Mitgliedervotum. Nach kurzer Diskussion wurde die Entscheidung schließlich vertagt.

Helmerich war im vorigen Jahr wegen einiger unbeglichener Rechnungen und auch Mahnungen, die an der Verein gerichtet waren, stutzig geworden – unter anderem Kosten für den Fischbesatz. Der Vorsitzende hatte das Geld zunächst aus seiner eigenen Tasche vorgelegt. Nach eingehender Prüfung der Vereinskasse wurde deutlich, dass rund 38 000 Euro fehlten.

Zunächst wollte Helmerich die Angelegenheit ohne Anzeige klären. So seien am 24. März 35 000 Euro auf dem Konto der Angler eingegangen, und die restlichen knapp 4000 Euro wolle der ehemalige Kassierer in den kommenden Tagen begleichen. Er sei seit 40 Jahren im Verein, auch sein Vater habe sich einst sehr um den Angelverein verdient gemacht. Deshalb bat Helmerich die Versammlung, den ehemaligen Kassenwart nicht negativ zu beurteilen. Jeder Mensch habe eine zweite Chance verdient. Deshalb bat der Vorsitzende um eine Abstimmung, ob der Mann im Verein bleiben dürfe oder ausgeschlossen werden solle. Der Vorsitzende dankte Bürgermeister Manfred Ockel, der ein offenes Ohr in dieser Angelegenheit gezeigt hatte, auch wegen des starken Einfalls von Kormoranen, der für große Schäden sorgte.

Situation gemeistert?

Ockel wies darauf hin, dass angesichts des veruntreuten Geldes und auch der stets hungrigen Kormorane der Vereinszweck in den vergangenen zwölf Monaten in den Hintergrund gerückt sei. Helmerich jedoch habe immer einen kühlen Kopf bewahrt und die Situationen souverän gemeistert. Die Botschaft laute nun, dass der Verein zusammenrücken und überlegen müsse, wie er sich in die Zukunft bringe.

Jede Krise sei auch eine Chance, so Vereinsringsvorsitzender Thorsten Schreiner. „Deckel drauf und neu mit Augenmaß beginnen“, riet er. Er ziehe vor Helmerich seinen Hut, der als Vorsitzender enorme Größe beweisen habe.

Nach einer Pause, in der die Mitglieder über den eventuellen Ausschluss des ehemaligen Kassierers berieten, beschloss die Versammlung bei sieben Gegenstimmen, die Abstimmung über den Ausschluss auf die nächste Jahreshauptversammlung zu vertagen. Ein Angler riet in diesem Zusammenhang zur geheimen Wahl. Eine Dame meinte, vielleicht trete der Ex-Kassenwart selbst zurück, so dass dem Verein erspart bliebe, über ihn zu richten.

Helmerich wies vor der einstimmigen Entlastung des Vorstands darauf hin, dass der ehemalige Kassenwart bereits vom Vorstand ausgeschlossen sei und nie mehr eine Führungsposition bekleiden dürfe. Zum neuen Kassierer wurde bei vier Enthaltungen Sebastian Pawlik gewählt.

Helmerich kündigte an, dass die Kasse künftig zweimal jährlich unter seiner Anwesenheit geprüft werde und jede Ausgabe ab 500 Euro seiner Unterschrift bedürfe. Eigentlich sollten in diesem Jahr die Mitgliedsbeiträge erhöht werden. Weil sich das Vereinsvermögen jedoch nahezu wieder eingefunden habe, kann laut Helmerich darauf verzichtet werden.

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