Herbert Köhl, langjähriger Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde Herz Jesu im Ruhestand, ist am Mittwoch im Alter von 91 Jahren plötzlich und unerwartet gestorben. foto: erhard Stenzinger
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Herbert Köhl, langjähriger Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde Herz Jesu im Ruhestand, ist am Mittwoch im Alter von 91 Jahren plötzlich und unerwartet gestorben. foto: erhard Stenzinger

Kirche

Kelsterbach: Trauer um Herbert Köhl

Der ehemaliger Pfarrer der Untermainstadt ist im Alter von 91 Jahren gestorben - "Er war ein wunderbarer Priester"

Er wurde geachtet, verehrt und geliebt, nicht nur von seinen Glaubensschwestern und -brüdern. Herbert Köhl, langjähriger Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde Herz Jesu im Ruhestand, ist am Mittwoch im Alter von 91 Jahren plötzlich und unerwartet gestorben. Sein Nachfolger Pfarrer Franz-Josef Berbner hatte am späten Nachmittag des Vortags noch mit ihm telefoniert.

Köhl war zwischen 1959 und 2004 als Pfarrer der Kelsterbacher Katholiken aktiv. "Ich kenne ihn seit 1977. Er war ein wunderbarer und ursprünglicher Priester, der stets Lebensfreude ausgestrahlt hat. Er war sehr beliebt und stets für alle da", so Berbner. Köhl habe die Menschen stets über alle religiösen und kulturellen Grenzen hinweg angesprochen. Er sei sehr gesellig und immer gern unter Menschen gewesen.

Köhl war Mitbegründer der Fastnachtsgruppe "Michelsbrüder" und stand bei mehreren Prunksitzungen im heutigen Fritz-Treutel-Haus sowie bei sechs bis sieben Sitzungen im Michaelsaal jahrein, jahraus in der Bütt. "Er war überzeugt im Glauben und hat ihn auch umgesetzt. Seine Seelsorge war nie nur auf den kirchlichen Bereich begrenzt", so Berbner weiter. Köhl hatte ein offenes Ohr für jeden.

Auch Erhard Stenzinger, Vorsitzender der Kolpingfamilie, schätzte Köhl. Er begleitete ihn seit seiner Amtseinführung als Ministrant. "Er war für uns Jugendliche ein mitreißender Mensch, hat uns motiviert und auch mal mit uns Fußball gespielt."

Köhls Pfarreiarbeit betraf laut Stenzinger auch die Erwachsenenbildung wie Glaubensseminare im Michaelsaal. Daraus entstand 1966 die Kolpingfamilie. "Den Michaelsaal machte Köhl durch viele Veranstaltungen wie Kappensitzungen zum Treffpunkt in der Pfarrei. Der Bau der Markuskirche und des Markuszentrums waren sein Verdienst", so Stenzinger. Kindergarten Don Bosco und Haus Elisabeth waren die letzten Bauvorhaben.

Köhl wurde am 27. November 1928 in Nieder-Roden geboren. Fünf Tage später wurde er in der dortigen Pfarrkirche St. Matthias getauft. Im Alter von neun Jahren empfing er dort das Sakrament der Firmung. Wie Bischof Peter Kohlgraf im Nachruf auf Köhl verdeutlicht, haben ihn Familie, Schule, Jugendarbeit in der Pfarrei sowie der Zweite Weltkrieg seine Jugend geprägt.

Berater für die Serie "Mit Leib und Seele"

Nach seinem Abitur studierte Köhl katholische Theologie. Zum Priester wurde er im Alter von 23 Jahren von Bischof Albert Stohr am 8. März 1952 geweiht. Köhl machte damals als jüngster Priester Deutschlands Schlagzeilen. Es folgten Jahre als Kaplan in Bischofsheim, Viernheim und Offenbach.

Köhls erste und einzige Pfarrstelle war in Herz Jesu in Kelsterbach. Dort war er 43 Jahre lang nahe bei den Menschen, schenkte ihnen sein Ohr, aber auch sein Herz. Köhl übernahm weit über sein Amt hinaus Verantwortung beispielsweise für Familien, indem er Kindertagesstätten förderte, aber auch benachbarte Pfarreien, die er teilweise mitverwaltete. Er setzte sich für das Dekanat ein, in dem er mehrfach als (stellvertretender) Dekan diente, und die Stadt, in der er bekannt und beliebt war. "Sein Lachen und seine Herzlichkeit machte es vielen leicht, Vertrauen in ihn zu setzen", so Kohlgraf. Somit avancierte Köhl sogar zum Berater der Fernsehserie "Mit Leib und Seele".

Sein Wirken fiel auf fruchtbaren Boden, wie zahlreiche Ehrungen stets bewiesen. Er wurde zum geistlichen Rat ernannt, wurde Ehrenbürger von Kelsterbach und wurde mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

In seiner Heimat in Nieder-Roden verbrachte Köhl seinen Ruhestand. Solange es die Gesundheit zuließ, übernahm er Vertretungen. Haushälterin Irene Hay stand ihm viele Jahre zur Seite.

Das Reqiuem für Herbert Köhl ist am Samstag, 1. August, um 10 Uhr in der katholischen Pfarrkirche St. Matthias in Nieder-Roden, Turmstraße 5. Die Beisetzung ist im Anschluss gegen 11 Uhr auf dem dortigen Friedhof.

Wie das Bistum mitteilt, ist die Teilnahme nur in sehr begrenztem Rahmen möglich. Wegen des beschränkten Platzangebots ist eine Anmeldung im Pfarramt in Nieder-Roden unbedingt erforderlich. tami

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