Dicht an dicht stehen die Pappkameraden hier am Zaun der Karl-Treutel-Schule. In den Klassen herrscht weiter Abstand zwischen den Schülern. An der Zahl derer, die zum Unterricht kamen, hat sich gestern trotz erneuter Lockerungen kaum etwas verändert. foto: leo postl
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Dicht an dicht stehen die Pappkameraden hier am Zaun der Karl-Treutel-Schule. In den Klassen herrscht weiter Abstand zwischen den Schülern. An der Zahl derer, die zum Unterricht kamen, hat sich gestern trotz erneuter Lockerungen kaum etwas verändert. foto: leo postl

Corona-Lockerung

Kelsterbach: Viele Schüler bleiben weiterhin zu Hause

  • vonLeo Postl
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An der Karl-Treutel-Schule ist trotz des möglichen Regelunterrichts kaum ein Unterschied zu merken

Neue Erlasse aus Regierungsebenen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie gibt es - zumindest gefühlt - in letzter Zeit im Minutentakt. Was vor zwei Wochen noch kaum jemand für möglich hielt, wurde nun plötzlich erlaubt: Alle Grundschulen können nun wieder "voll" öffnen. In den letzten beiden Wochen vor den hessischen Sommerferien soll ein geregelter Schulbetrieb stattfinden. Man wollte Erfahrungen sammeln - hinsichtlich des Ablaufs, der ja immer noch speziellen Regeln unterliegen sollte, mehr aber noch, wie sich Corona möglicherweise verbreiten könnte.

Doch dann kam ganz kurzfristig ein "Nachschlag" von höchster Ebene. Hessens Kultusminister Ralph Alexander Lorz (CDU) verfügte, dass die beiden letzten Wochen von der Schulpflicht ausgenommen werden - somit ein Freibrief für alle möglichen Gründe, sein Kind nicht in die Schule schicken zu müssen. Dies wirkte sich zum Glück, aus Sicht der Pädagogen, denn auch auf die Anzahl jener Schüler aus, die am Montag in die beiden Kelsterbacher Grundschulen kamen. Dort war kaum ein Unterschied zu den Wochen vorher zu erkennen.

Bereits im Vorfeld hatten die Lehrkräfte der Karl-Treutel-mit einem Brief an die Politik und ein weiterer an alle Eltern auf die "problematische" Situation hingewiesen. Darin heißt es: "Mit einer Arbeitswoche Vorlaufzeit erhielten die Schulen wieder kurzfristig über die Presse die Anweisung des Kultusministers Herrn Lorz. Für uns überraschend soll der Regelunterricht im Umfang von vier oder fünf Zeitstunden an den Grundschulen für die letzten zwei Schulwochen vor den Sommerferien starten. Diese Entscheidung wurde erneut ohne jede Beratung mit den Interessenvertretungen der Eltern, Schülerinnen und Schülern und der Lehrkräfte getroffen."

"Bei uns lief der Schulbetrieb heute eigentlich genau so ab, wie in den vergangenen Tagen, nur in wenigen Klassen gab es spürbar mehr Schüler", bestätigt Lara Wendel, Klassenlehrerin der Klasse 1 A. So konnte man beim bewährten Konzept bleiben und fast durchgängig nur in halben Klassenstärken unterrichten. "Bei mir kommt montags, mittwochs und der halbe Freitag eine Hälfte der Klasse, die andere dienstags, donnerstags und die andere Freitagshälfte", beschreibt Wendel den Ablauf. Dies alles in Abstimmung und meist auch auf Wunsch der Eltern. "Wir wollen nicht, dass unsere Kinder, gerade jetzt noch vor den Ferien, zu Corona-Versuchskaninchen werden", so der Tenor vieler Eltern.

Aber auch unter den Pädagogen geht eine gewisse Corona-Angst um. "Auch wenn die Schüler immer noch weiter auseinander sitzen, muss ich doch hin und wieder an die einzelnen Tische, um aufkommende Fragen zu klären - genau das ist ja der Vorteil des Präsenzunterricht", betont Verena Dietz, die eine zweite Klasse unterrichtet. Während die sitzenden Schüler keinen Mundschutz tragen müssen, benutzt die Klassenlehrerin bei solchen Gängen immer einen Nasen-Mundschutz. "Aber wir setzen uns dadurch freiwillig einer höheren Ansteckungsgefahr aus", betont Dietz. Das Gestalten des Unterrichts ist dennoch eine Herausforderung, denn die Lehrkräfte sollen die Klassen ja nicht wechseln. "Wer beherrscht schon die Fachkompetenz für vier unterschiedliche Unterrichtsfächer", so Verena Dietz.

In der Karl-Treutel-Schule sieht man gelassen den letzten Schultagen entgegen. "Wir haben uns mit den Eltern abgestimmt, das läuft so ganz gut", erklärt Lara Wendel. Dass es nach den Sommerferien jedoch "ganz normal" weitergehen soll, daran haben viele Pädagogen jedoch ihre Zweifel. Von Leo Postl

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