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Die Kiesgrube Heinz Mitteldorf bei Kelsterbach liegt im Wald nahe des Flughafens. Jetzt starten dort Rodungsarbeiten.

Rodungsarbeiten

Knapp zehn Hektar: Weiterer Wald bei Kelsterbach fällt

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In der Kelsterbacher Gemarkung haben die Rodungsarbeiten zur Erweiterung der Kiesgrube Mitteldorf begonnen. Bürgermeister Manfred Ockel (SPD) erklärt, dass die Stadt diesem Vorhaben nicht widersprochen habe.

Die Waldverluste gehen weiter, beklagt Dirk Treber, Sprecher der Interessengemeinschaft zur Bekämpfung des Fluglärms (IGF) Rhein-Main. Konkret bezieht er sich auf eine Fläche westlich der Parallelbahnen des Frankfurter Flughafens und südlich der A 3 auf Kelsterbacher Gemarkung, auf der Anfang der Woche ein 9,9 Hektar großes Bannwald-Areal zur Erweiterung der Kiesgrube Mitteldorf gerodet worden war, so Treber.

Laut Treber hatte die Kiesfirma einen Beschluss des Regierungspräsidiums (RP) Darmstadt gegen die Erweiterung der Kiesabbaufläche beklagt und vor Gericht Recht bekommen. Zwar hatte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) das RP gebeten, die Genehmigung zur Rodung nicht zu erteilen, weil die Antragsunterlagen aufgrund der raschen Verfügung der Kiesgrube und anschließenden Aufforstung nicht plausibel sein können, erläutert Treber. Dieser Bitte sei das RP jedoch nicht gefolgt, habe allerdings statt der ursprünglich 40 nur 9,9 Hektar Wald für die Rodung genehmigt. 

Wieder aufforsten

Dies bestätigt RP-Sprecher Christoph Süß. Das RP habe bereits im Dezember des vergangenen Jahres die forstwirtschaftliche Genehmigung zur Rodung der 9,9 Hektar Wald zur Erweiterung des dortigen Tagebaus erteilt. Im Oktober sei die bergrechtliche Genehmigung gefolgt. Die Firma Mitteldorf wolle den Wald in drei Abschnitten roden. Der erste Abschnitt umfasse rund drei Hektar Wald. Süß hebt hervor, dass es sich nach Auffassung der Richter des hessischen Verwaltungsgerichtshofs, welche die Rodung zugelassen hatten, lediglich um eine vorübergehende Umwandlung von Waldflächen handele, da die Kiesgrube anschließend wieder verfüllt und aufgeforstet werden soll.

Auch Kelsterbachs Bürgermeister Manfred Ockel (SPD) erklärt, dass es sich um keinen endgültigen Bannwaldverlust handele. Die Wiederaufforstung solle in 16 Jahren erfolgen, so sei es dem Planfeststellungsbeschluss zu entnehmen. Ferner werde es Ersatzaufforstungen geben, und zwar auf einem Gelände in der Gemarkung Mörfelden, das sich im Eigentum des Sand- und Kieswerks Heinz Mitteldorf befindet. Die Genehmigung dafür liege bereits vor, so Ockel.

Die Stadt habe der Rodung nicht widersprochen, erläutert der Bürgermeister, weil es sich auf dem Gelände nicht um einen wertvollen Altbestand handele, sondern um noch relativ junge Stangenkiefern. Zudem werde Kies als Baumaterial benötigt und die Ausgleichsflächen hätten einen ökologischen Wert. 

Kein Einzelfall

Treber hingegen kritisiert, dass dieser Waldverlust im Rhein-Main-Gebiet kein Einzelfall sei. Weitere Bannwaldflächen seien bereits gerodet worden, etwa Anfang November 4,5 Hektar für einen neuen Autobahnanschluss zum Terminal 3 und zur Cargo-City-Süd des Frankfurter Flughafens, oder sollten noch gerodet werden, beispielsweise bei Langen für die Erweiterung der Kiesabbauflächen der Firma Sehring. Damit würden die Lebensgrundlagen zahlreicher Tier- und Pflanzenarten vernichtet, saubere Luft und gesundes Trinkwasser beeinträchtigt.

Die Verantwortlichen handeln somit den Interessen der Bürger an einer intakten Umwelt zuwider, meint Treber. Seiner Ansicht nach sollten die politisch Verantwortlichen in Staat und Gesellschaft endlich den wirtschaftlichen Interessen von internationalen Firmen und Konzernen Grenzen setzen, um damit die Lebensqualität der Menschen in der Rhein-Main-Region zu erhalten und zu verbessern.

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