Die Bäckerei Brügel ist der Patisserie Arabie gewichen

Köstlichkeiten aus dem Orient

In der ehemaligen Bäckerei Brügel ist jetzt die „Patisserie de l’ Arabie“ beheimatet. In feinster Handarbeit entstehen Spezialitäten aus Syrien. FNP-Reporter Leo Postl erhielt einen Einblick.

Es duftet wieder nach Backwaren in der ehemaligen Bäckerei Brügel – und sogar verlockender als zuvor. Das bisher in Frankfurt angesiedelte Familienunternehmen „Patisserie de l’ Arabie“ ist dort eingezogen und bietet Köstlichkeiten aus dem vorderen Orient.

Das große Schild über dem Schaufenster zeigt bereits an, dass sich etwas tut in der ehemaligen Bäckerei Brügel. Durch das Schaufenster sind Tische und Stühle zu erkennen, in den Schauvitrinen dahinter Torten aus vielen kleinen Köstlichkeiten. Knabat, Warbat oder Harrissa lauten die Bezeichnungen für die in perfekter Handarbeit gefertigten Häppchen, die Ousama Qaterjy zu kunstvollen Arrangements aufgesetzt hat.

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Der 59-jährige Inhaber der „Patisserie de l’ Arabie“ ist mit seiner Backstube vor Kurzem von Frankfurt nach Kelsterbach gezogen und stellt mit seiner Frau Susanne und seinen drei Söhnen Abbas, Hamsa und Hasan die Spezialitäten aus seiner syrischen Heimat her. Wird die Tür zur „Patisserie de l’ Arabie“ geöffnet, dann strömt einem schon ein wunderbarer, ja betörender, Duft von Pistazien, Nüssen und gebackenem Blätterteig entgegen. Und schon geht der Griff zu den „Kostproben“, die Ousama Qaterjy zum Probieren anbietet.

„Es schmeckt perfekt – davon will ich was haben“, meint ein Kunde, der spontan hereingekommen ist. „Und davon brauche ich auch noch etwas“,meint der Mann, nachdem er eine zweite Köstlichkeit probiert hat. „Das sind die besten, die ich hier in Deutschland bisher gefunden habe, aber ich glaube, es gibt gar keine besseren“, meint der Käufer, der aus Darmstadt kam und aus Palästina stammt.

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„Das genau ist unsere Intention: besser zu sein als alle anderen. Wir wollen nur das Beste bieten“, beschreibt Ousama Qaterjy sein Konzept. Dabei hat er selbst nicht einmal dieses Handwerk gelernt. Der Geschäftsmann aus Syrien kam vor 25 Jahren nach Deutschland und vermisste seine geliebten heimischen Spezialitäten. Zuerst hat er seinen Sohn Abbas zu seinem Cousin nach Jordanien geschickt, damit dieser dort das Handwerk des „Feinbäckers“ erlernte. Mit dem Wissen und einer speziellen Maschine zur Herstellung von Fadenteig kam er wieder zurück. „Wir haben zuerst mit einfachem Gebäck angefangen und uns dann immer weiter an anspruchsvollere Sorten herangewagt“, beschreibt Quaterjy den schwierigen Weg zur Qualität.

Nachdem das Geschäft recht erfolgreich in Frankfurt etabliert war, suchte die Familie nach einer Erweiterung – und wurde in Kelsterbach fündig. „Hier haben wir eine große Backstube und können uns voll ausleben“, erklärt der Inhaber. Hier wurde auch eine neue Fadenteigmaschine installiert. „Diese macht die dünnen Fäden perfekt rund, bei der Maschine vorher waren sie etwas flach, so dass der Prozess nicht so perfekt ablief, wie wir das uns wünschen“, erklärt Ousama Qaterjy. Sein Bestreben ist es, immer noch etwas zu verbessern, dazu trifft sich die Familie zum „Management-Gespräch“. „Bei uns ist jeder Chef. Ich habe nur die Erfahrung mit der Leitung eines Betriebs, aber der Erfolg kommt vom Engagement von allen von uns“, betont das Familienoberhaupt.

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Mittlerweile hat sich jeder seiner drei Söhne auf eine Sorte von Gebäck spezialisiert. Hasan steht an der Fadenteigmaschine und überwacht den Ablauf. Aus den Düsen fällt der dünne Teigfaden auf ein rotierendes heißes Blech, das eine ganz bestimmte Temperatur haben muss. Gekonnt greift Hasan ein Bündel des leicht gebackenen Teigfadens und legt es wie ein Polster auf den Tisch. Darauf lässt er frische, besonders ausgewählte Pistazienkerne rieseln, um diese dann in einem gekonnten Spiralvorgang einzuwickeln. So entsteht eine lange Rolle aus dünnen Teigfäden mit den Pistazienkernen in der Mitte. „Das muss jetzt eine bestimmte Zeit trocken, dann kommt noch reines Butterfett drüber, bevor es fertig gebacken wird“, beschreibt Hasan grob den Vorgang. Dann zerschneidet er die Rolle in kleine Scheiben und drapiert diese als „Knafe“ auf einem Präsentierteller.

Ähnlich kunstvolles Gebäck entsteht auch unter den Händen seiner Brüder Abbas und Hamsa. Geschickt faltet Abbas die ebenfalls mit Pistazien oder anderen Nüssen gefüllten Blätterteigstücken „Warbat“. Das Nussfeingebäck wird ebenfalls in einer selbst kreierten Herstellungskette veredelt, bevor es auch auf den Präsentierteller kommt. Von Donnerstag bis Samstag gibt es dann noch „Harrissa“ – nicht minder leckere Kokos-Griesschnitten. „Wenn die noch leicht warm sind, schmecken sie unübertroffen lecker“, sagt Ousama Qaterjy und lädt alle Feinschmecker ein, einfach mal vorbei zu kommen und diese Köstlichkeiten zu genießen. Diese Einladung ist meist jedoch folgenschwer. „Wer einmal hier war, kommt immer wieder – bisher war es jedenfalls so“, so Ousama Qaterjy schmunzelnd.

Die „Patisserie de l’ Arabie“ in der Rüsselsheimer Straße 45 in Kelsterbach hat von Montag bis Samstag von 10 bis 19 Uhr geöffnet und ist unter (0 61 07) 7 57 94 80 zu erreichen.

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