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Noch ein kleines Stück, dann steht der Kerwebaum für die kommenden Tage auf dem Schlossplatz an Ort und Stelle.

MIt 800 Blüten geschmückt

In 55 Minuten steht der Kerwebaum

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Darauf hatten alle gewartet: das Aufstellen des geschmückten Kerwebaums. Zahlreich waren die Bürger gekommen, um das Spektakel zu verfolgen. Und beim gestrigen Umzug war die Stimmung bestens.

Schwarze Hose, weißes Hemd, braune Cowboystiefel. Wie immer trug die Kerwebopp, die an den Stamm des Kerwebaums genagelt wurde, ein schickes Outfit. Auf dem Weg aus dem Wald zum Schlossplatz rasteten die aktiven Kerweborsch sowie Altkerweborsch in der Rüsselsheimer Straße. Dort wurden sie – wie jedes Jahr – von Familie Helmchen verköstigt und schmückten dabei den 22 Meter langen Kerwebaum.

Rund 800 Blüten hatten die Kerweborsch in den vergangenen Wochen aus rotem und weißem Krepppapier für die Dekoration geformt. Ein Teil wurde zurückbehalten, denn auch der etwa 80 Kilo schwere und selbst gewundene Kerwekranz wurde beim Eintreffen des Baums am Schlossplatz geschmückt.

Die jungen Männer hatten den schweren Nadelbaum nicht etwa dorthin geschleppt. Er wurde von einem Traktor im Schritttempo gezogen. Viele applaudierende Schaulustige fanden sich am Nachmittag ein, die das alljährliche Spektakel des Baumstellens verfolgten. Alt und Jung waren gekommen. In schmutzigen Klamotten, die von der

Schwerstarbeit im Wald

zeugten, wurde zunächst der geschmückte Kerwekranz über den Baumstamm gehievt. Ab und zu ärgerten jemanden ein paar Äste im Gesicht. Aber was ein richtiger Kerwborsch ist, der hält das aus. Binnen 55 Minuten stand der Baum, und die Kerweborsch feierten das Ereignis mit einer Polonaise über den Festplatz zum Kerwelied. Zuvor gab es erstmals ein Schätzspiel für die Besucher mit kleinen Gewinnen. Die Baumlänge musste erraten werden.

Bereits am Abend zuvor hatten sich rund 1500 Menschen zum Auftakt der Kerb im und um das Festzelt versammelt. Bereits im vorigen Jahr war der Fassbieranstich durch Bürgermeister Manfred Ockel erfolgreich vom Samstagnachmittag auf den Freitagabend verlegt worden. „Das ist publikumsträchtiger“, so Kulturamtsleiter Robin Schmalz. Das Stadtoberhaupt benötigte nur drei sanfte Schläge, um den Inhalt des Bierfasses sanft in die bereit gestellten Krüge fließen zu lassen.

Am Abend, als die Kerweborsch in sauberer Galakleidung ins Zelt einmarschiert waren, wurden ausnahmsweise zum 30-jährigen Bestehen der Altkerweborsch vier statt drei Ehrenkerweborsch ernannt. Der Vereinsring ernannte Mathias Ostertag, der aktuelle Kerweborschjahrgang wählte Jörg Schweser, die Altkerweborsch rekrutierten Marie-Louise Ströhler und aus den Reihen der Untermainstadt kam Thorsten Schreiner.

Auch die Stimmung zum Kerweumzug als Höhepunkt der Kerb konnte nicht besser sein. Vor dem Rathaus hatten sich mehrere Hundert Menschen eingefunden, darunter viele Kinder mit Taschen. Alle warteten auf die begehrten süßen Bonbons. Erwachsene erwarteten fair gehandelte Rosen oder auch einen Becher Apfelwein.

Mit etwas Verspätung setzte sich der bunte Lindwurm aus 31 Teilnehmern in der Mörfelder Straße in Gang. Allen voran die Polizei und Standartenträger, die rund fünf Kilogramm schwere Flaggen schwenkten. Das ging ins Kreuz, in die Arme und Schultern.

Der Umzug bestand aus vielen bunten Motivwagen verschiedener Vereine, aber auch Fußgruppen sowie dem Musikverein Münster. Vereine wie der Tischtennisclub, die Anglerfreunde, die Country-Company und die Tanzsportgruppe Flair hatten mit besonderen Hinguckern auf ihre diesjährigen Jubiläen aufmerksam gemacht. Nett anzusehen waren auch Mitglieder des Tierschutzvereins als fleißige Honigsammler, die auf das Bienensterben und ihre Projekt hinwiesen. In einem knallroten Oldtimer nahm die Feuerwehr mit lautem Martinshorn teil, und einige Altkerweborsch grüßten anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens aus einem überdimensionalen Bembel.

Alle kamen auf ihre Kosten: Oltimerfans, „Knollenjäger“, Blumensammlerinnen und auch jene, die sich am Straßenrand einen Kurzen munden ließen. Zu den Schaulustigen zählten Bewohner des benachbarten Seniorenheims Weingarten, für die der bunte Lindwurm eine willkommene Abwechslung zum Alltag darstellte.

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