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Karges Bild: Eric Schulz-Gabel, Leiter des Kelsterbacher Kommunalbetriebs (rechts) und Forstassessor Martin Klepper stehen vor einer eingezäunten Neupflanzungsfläche am ?Pappelkopf?.

Grünflächen

Die Natur als Vorgarten der Bürokratie

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Die Stadt Kelsterbach hat an den benachbarten Flughafen schon reichlich Wald verloren. Doch auch die ihr verbliebenen Restflächen geben teilweise kein ansehnliches Bild ab. Das hat vielfältige Gründe.

Die Stadt Kelsterbach hat durch den Bau der Landebahn Nordwest mehr als 250 Hektar ihres Stadtwaldes verloren. Verblieben sind zwar immer noch rund 300 Hektar, doch diese sind „zerfleddert“ – einmal südlich und nördlich der Landebahn, hinzu kommen kleinere Flächen im Kelstergrund, im Südosten nahe der A 3 und das Wolfseck. Doch wie sieht der Wald dort aus, wo er noch Wald sein könnte? Viele Kelsterbacher verstehen die Welt nicht mehr, wie mit dem restlichen Wald umgegangen wird. Doch Eric Schulz-Gabel, Leiter des Kelsterbacher Kommunalbetriebs und zuständig für den Stadtwald, hat für alles eine Erklärung.

„Nach dem jüngsten Sturm kam die Meldung aus dem Rathaus, dass im Kelsterbacher Wald kein Baum umgefallen ist – was soll denn da noch umfallen?“, ereifert sich Arno Treutel. Bei einer Fahrt über die Okrifteler Straße gen Mönchwaldtunnel zeigen sich links und rechts große „Leerflächen“. Und es gibt noch weitere Abschnitte im Kelsterbacher Forst, die genauso aussehen. Am Beispiel „Pappelkopf“, so wird das Waldstück östlich der Okrifteler Straße bezeichnet, erläuterten Eric Schulz-Gabel und Forstassessor Martin Klepper nun, warum der Wald so aussieht, wie er sich derzeit zeigt.

„Große Teile des Kelsterbacher Restwaldes unterliegen den Bestimmungen der Planfeststellung. Dann haben wir das Landschaftsschutzgebiet Untere Mainschleusen, und darüber hinaus gibt es noch Natura-2000-Gebiete, die nach EU-Recht geschützt sind“, nennt Schulz-Gabel nicht nur verschiedene Formen von Schutzgebieten, sondern verweist auch auf die unterschiedlichen Maßgaben, die dort umzusetzen sind. Nachdem die Fraport, die für die Umsetzung der Bestimmungen aus der Planfeststellung verantwortlich zeichnet, sich gerade im Kelsterbacher Forst zu ungestüm zeigte, hat die Stadt für dieses Gebiet einen Vertrag geschlossen. Demnach übernimmt sie die Umsetzung und stellt sie dann der Fraport in Rechnung. Allerdings erst nach der Abnahme durch das Regierungspräsidium – und dies kann dauern.

Am Beispiel des „Pappelkopfes“, ein Waldstück östlich der Einfahrt zum Mönchwaldtunnel, zeigt sich derzeit, wie die unterschiedlichen Maßgaben ein Bild entstehen lassen, das von normalen Bürgern als „grauenhaft“ bezeichnet wird. „Das hat doch mit Wald überhaupt nichts mehr zu tun, wieso lässt man den Wald nicht einfach wachsen, wie er wachsen will“, lautet eine oft gehörte Aussage.

Dem hält Schulz-Gabel die festgeschriebenen Auflagen des Planfeststellungsverfahrens entgegen. Die einst dort angepflanzten Pappeln gehörten ebenso wenig in den örtlichen Baumbestand wie Roteichen – und schon gar nicht die Traubenkirschen. „Das sind für die Bürger einfach nur Bäume, aber insbesondere die Traubenkirsche ist ein Neophyt“, weist Martin Klepper auf den Eindringling hin, der heimischen Baumarten Bodennährstoffe und das nötige Licht zum Wachsen entziehe.

Alles fing damit an, dass vor jeglicher Aktion im Wald eine Bodenuntersuchung seitens des Kampfmittelräumdienstes vorzunehmen war. Dafür musste der Bodenbewuchs, insbesondere Brombeersträucher, entfernt werden. „Damit war das meiste schon weg, und als wir gesehen haben, wie es um den restlichen Bewuchs steht, haben wir auch gleich gehandelt“, erklärt Eric Schulz-Gabel. Von der vom Bodenbewuchs befreiten Fläche wurden die ohnehin nicht mehr vitalen Pappeln entfernt, dann die per Planfeststellung zu beseitigenden Traubenkirschen. „Wenn wir die Fläche dann so belassen hätten, wäre sie in drei bis vier Jahren wieder mit Brombeeren zugewuchert“, betont Martin Klepper.

So wurden allein auf der rund 1,3 Hektar großen Fläche des „Pappelkopfes“ 9000 Stieleichen, 1300 Hainbuchen und 1300 Winterlinden neu gepflanzt – allesamt lizensierte Jungpflanzen. Um die jungen Bäumchen vor Wildverbiss zu schützen, wurde das Areal eingezäunt. Dazu kamen noch 500 Sträucher, wie Hasel, Feldahorn, Wolliger Schneeball, Liguster, Pfaffenhütchen, Faulbaum und Hartriegel zur Waldrandgestaltung.

Auf der planfestgestellten Fläche von 0,5 Hektar trägt die Fraport die Kosten, auf dem restlichen Terrain die Stadt Kelsterbach. „Wir haben dadurch aber das Geld für die erneute Bodenbereinigung in drei oder vier Jahren gespart. Und in zehn Jahren steht hier ein vorzeigbarer Jungwald aus standortgerechten Baumarten“, hebt Eric Schulz-Gabel hervor.

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