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Auf dieser Fläche stand auch die große Akazien mit über einen Meter Stammumfang.

Bürgermeister Manfred Ockel gab den Auftrag

Ohne Erlaubnis Bäume gefällt

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In der Untermainstadt wurden im März Gehölze und Akazien gerodet – ohne Genehmigung, aber für eine schönere Aussicht. Doch der Kreis Groß-Gerau belangte Rathauschef Manfred Ockel dafür nicht.

Am 4. März kreischten am Hang der Kelstertrasse, unterhalb der Rüsselsheimer Straße die Motorsägen. Mitarbeiter des Kelsterbacher Kommunalbetriebs (KKB) waren dabei, sämtliches Gehölz, also Brombeerhecken, Gebüsch, aber auch Akazien von stattlichen Ausmaßen zu entfernen und zu fällen. Solche Arbeiten sind vom 1. März an nach geltendem Naturschutzgesetz nicht gestattet.

Das sofort informierte Ordnungsamt der Stadt Kelsterbach sah sich erst einmal nicht zuständig und verwies auf die Waldklausel. Der Wald gilt gemeinhin als Wirtschaftsfläche und darf, wie ein Feld vom Bauern, vom Forstbesitzer ganzjährig bewirtschaftet werden. Diese Fläche ist jedoch eine städtische Parkfläche und kein Wald. Die gleichzeitig informierte Untere Naturschutzbehörde, die beim Kreis Groß-Gerau angesiedelt ist, bedankte sich, per automatischer Rückantwort für die Information.

Die Rodungsaktion, so ergaben Nachforschungen, wurde vom Kelsterbacher Bürgermeister Manfred Ockel persönlich in Auftrag gegeben. Hintergrund war wohl sein bis dahin nicht eingelöstes Versprechen an eine Initiativgruppe der Teufelsinsler, den Hang von den Bäumen zu befreien, um von dort einen ungestörten Blick auf das Mainvorland und die gegenüberliegende Landschaft mit dem Taunus im Hintergrund zu haben.

Bei einer Begehung im Herbst äußerten Mitglieder der Teufelsinsler den Wunsch, dort auf dem kleinen Parkplatz in der Rüsselsheimer Straße gar ein kleines Denkmal zu errichten. Dagegen ist im Prinzip nichts einzuwenden, doch Gesetze des Naturschutzes sollten auch, oder gerade von Vorbildpersönlichkeiten, beachtet werden.

Am 11. März meldete sich dann Brunhilde Welz von der Unteren Naturschutzbehörde und teilte mit, dass die Stadt mittlerweile zur Einstellung der Arbeiten aufgefordert wurde – es lag keine Ausnahmegenehmigung vor. Ferner bat sie, bezüglich einer genauen Verortung um einen Lageplan mit Skizzierung der gerodeten Fläche. Dies wurde geliefert und es herrschte erst einmal Ruhe. Doch gerade Naturschutzbehörden sollten wissen, dass die Rodung einer Fläche von rund 20 mal 60 Meter keine Tage dauert.

Eine erneute Nachfrage bei der Behörde erbrachte kürzlich folgende Mitteilung seitens Jochem Kahl vom Fachbereich Öffentlichkeitsarbeit des Kreises: „In der Angelegenheit können wir Ihnen mitteilen, dass wir die Stadt Kelsterbach gebeten hatten, die Arbeiten einzustellen. Diese waren allerdings schon abgeschlossen. Die Stadt Kelsterbach wird die entsprechenden Regelungen bei künftigen Projekten beachten“.

Für Ernst Böhm, engagierter Naturschützer aus dem Kreis Offenbach und vom Regierungspräsidium eigens Beauftragter zum Schutz des Gehspitzweihers am Rande von Neu-Isenburg ist entrüstet. „Dieses Verhalten, mehr noch die Argumentation des Kreises Groß-Gerau, ist ein doppelter Schlag ins Gesicht des Naturschutzes. Gerade Kommunen sollten hier mit gutem Beispiel vorangehen und dieses vorsätzliche Zuwiderhandeln auch noch mit einer solchen Begründung zu legalisieren ist ein Unding“, so Ernst Böhm.

Wie sicher sich der Kelsterbacher Rathauschef bezüglich des allumfassendes „Schutzschirms“ seitens der Kreisbehörden ist, zeigte sich einen Monat später. Anfang April wurden im Kelsterbacher Südpark mehrere große Bäume gefällt und Hecken stark zurückgeschnitten – wohl wissend, dass gerade in dieser Zeit die ersten Vögel in diesen Hecken brüten.

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