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Sie blicken sorgenvoll in die Zukunft: Mehmet Karaüzüm (rechts) und sein Sohn Mutlu befürchten die Schließung ihres Kiosks.

Wichtiger Treffpunkt

Protest in Kelsterbach: Kiosk in der Niederhölle soll erhalten bleiben

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Mehmet Karaüzüm hat annähernd 1000 Unterschriften für den Erhalt seines Kiosks in der Niederhölle gesammelt. Der Kiosk nämlich soll weg, um Platz für den Stadtteiltreff Mainhöhe zu machen.

Der Kiosk von Mehmet Karaüzüm in der Niederhölle soll abgerissen werden. Bereits Ende Juni hat der Kioskbetreiber von der Stadt die Kündigung zum 31. Dezember dieses Jahres erhalten. Bürgermeister Manfred Ockel (SPD) erläutert die Hintergründe: Der Kiosk muss weg, weil an dessen Stelle der Stadtteiltreff Mainhöhe verlegt werden soll, der wiederum seinen Platz wegen eines Neubaus der Nassauischen Heimstätte (NH) räumen muss. Nach Ockels Ansicht ist der Stadtteiltreff wichtiger als der Kiosk.

Das sehen Mehmet Karaüzüm und viele Bewohner des Quartiers anders. Aus diesem Grunde kamen am Sonntag annähernd 100 Bürger am Kiosk zusammen, um ihren Protest gegen eine bevorstehende Schließung zu unterstreichen. Sehr geübt im Demonstrieren sind die Menschen der Niederhölle offensichtlich nicht, davon zeugen die etwas ungelenken Spruchbänder mit Aufschriften wie „Finger weg von unserem Kiosk, Herr Ockel“, „Kiosk = soziale Stadt“ oder auch ganz allgemein „Widerstand gegen Unmenschlichkeit“. Aber um so entschlossener sind sie, sich gegen die Schließung zu wehren. Laut und auch ohne Megafon gut verständlich forderte ein Anwohner, Halil Tanan, zum Widerstand auf.

Treffpunkt für Familien

Und die Bürger, überwiegend türkischer Herkunft, haben für ihren Protest auch gute Gründe: Das Wasserhäuschen in der Niederhölle sei mehr als ein Kiosk, hieß es. Vielmehr habe er eine wichtige soziale Funktion, sei ein Treffpunkt für Familien, auch ein Informationszentrum, an dem beispielsweise Einladungen für Hochzeiten weitergereicht werden, und Kioskbetreiber Karaüzüm habe auch ein waches Auge auf die Kinder, die in der Nähe spielen.

Mit Transparenten protestieren die Bewohner der Niederhölle gegen die bevorstehende Schließung des Kiosks, der für sie mehr als eine Einkaufsmöglichkeit ist, nämlich ein sozial wichtiger Treffpunkt.

Raimundo Cadenas, Anwohner mit spanischen Wurzeln, der sich daran erinnert, schon als kleines Kind zum Kiosk gegangen zu sein, betonte auch den Sicherheitsaspekt, denn in der Niederhölle, einst ein sozialer Brennpunkt, gebe es keine Kriminalität mehr. Und Ayhan Isikli, parteiloser Stadtverordneter, fügte hinzu: „Fremde würden hier sofort auffallen.“ Bürgermeister Ockel bestätigte, dass die Niederhölle schon seit Jahren kein sozialer Brennpunkt mehr sei. Ob das etwas mit dem Kiosk zu tun hat, könne er nicht sagen, führte aber als einen Grund die Arbeit des Projekts „Soziale Stadt“ an.

Mutlu Karaüzüm, Sohn des Kioskbetreibers und Mitglied des städtischen Ausländerbeirats, berichtete, dass es den Kiosk bereits seit 1978 gebe. Sein Vater habe ihn 1995 übernommen. Die Kündigung nun habe ihn sehr betroffen gemacht. Dabei sei ihm bereits vor drei Jahren ein Ersatzstandort zugesagt worden. Damals hieß es, der Kiosk könnte hinter die Bushaltestelle in die Rüsselsheimer Straße verlegt werden. Doch dorthin soll laut Ockel wegen des Bürgertreffs die Bushaltestelle verlagert werden. Auch etwa 20 Parkplätze werden dort wegkommen. Inwieweit und wo es dafür Ersatz geben werde, könne er noch nicht sagen.

Allerdings gibt es auch noch ein rechtliches Problem, das derzeit im Rathaus geprüft wird. Mehmet Karaüzüm sei in seinem Mietvertrag mit dem Vorbesitzer ein Vorkaufsrecht eingeräumt worden. Doch der habe ohne Berücksichtigung des Vorkaufsrechts das Gelände samt Kiosk an die Stadt verkauft.

Hilfe bei Ersatzstandort

Welche rechtlichen Konsequenzen sich daraus ergeben könnten, konnte Ockel nicht sagen. Auf jeden Fall müsse Mehmet Karaüzüm keine Sorge haben, dass bereits im Januar die Planierraupen anrücken, betonte der Bürgermeister, der außerdem zusagte, bei der Suche nach einem Ersatzstandort behilflich sein zu wollen.

Mehmet Karaüzüm hat inzwischen annähernd 1000 Unterschriften für den Erhalt des Kiosks in der Niederhölle gesammelt, für Ockel ein Beleg dafür, dass der Kiosk benötigt werde. Er habe eine Funktion, die viele Menschen nicht missen wollen. Daher gelte es, gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Er habe auch angeregt, so Ockel, dass sich der Ausländerbeirat im kommenden Jahr mit dem Thema befasst.

Von nun an wollen sich die Bewohner des Quartiers Niederhölle jeden Sonntag von 12 bis 13 Uhr am Kiosk treffen, um für den Erhalt des Kiosks zu demonstrieren.

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