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Samuel Koch ist zu Gast in der Petrusgemeinde. Julie aus dem Publikum hilft ihm beim Halten des Buches.

Vertrauen in Gott

Samuel Koch spricht vor Jugendlichen in der Petrusgemeinde über sein Leben

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Seit seinem tragischen Unfall bei „Wetten, dass. . .?“ ist Samuel Koch vom Hals abwärts gelähmt. In der Kelsterbacher Petrusgemeinde erklärte, warum er dennoch nicht verzweifelt.

Der Saal der Petrusgemeinde füllt sich am Sonntagabend immer mehr. Jugendliche aus der ganzen Region waren gekommen, um den Vortrag von Samuel Koch live zu erleben. Samuel Koch ist jener Schauspieler und ehemalige Leistungsturner, der bei einer Wette in der TV-Sendung „Wetten, dass. . . ?“ vor laufenden Kameras schwer stürzte. Sein Versuch, mit speziellen Sprungstiefeln per Rückwärtssalto über ein fahrendes Auto zu springen, misslang. Die Kameras wurden abgeschaltet, die Sendung abgebrochen. Ein paar Tage später war es Gewissheit: Samuel Koch wird vom Hals abwärts gelähmt bleiben. Ein schwerer Schicksalsschlag.

Das war am 4. Dezember 2010, und Samuel Koch ist wieder in Bewegung – freilich auf ganz andere Art, als es seine Lebensplanung vorgesehen hatte. „Doch eine Vorsehung wollte es anders“, beschreibt Koch seinen Zustand, der es ihm nicht mehr erlaubt, sich eigenständig zu bewegen. Aber dennoch hält es den jungen Mann nicht an einem Ort. Er will Zeugnis dafür ablegen, dass es trotz großer körperlicher Einschränkungen dennoch einen Sinn macht, die Botschaft des Glaubens zu verbreiten: Nicht zu verzweifeln, sondern auf Gott zu vertrauen.

„Ja, der Samuel ist da, aber wir müssen noch einen Soundcheck machen, dann kann der Gottesdienst beginnen“, erklärt Jugendpastor Johannes Köhler den vielen Jugendlichen, die geduldig vor dem Eingang zum Gebetsraum warten. Dann endlich werden die Türen geöffnet und Jo, wie der Jugendpastor der Petrusgemeinde genannt wird, heißt alle willkommen. „Wir werden jetzt eine kurze Lobpreisung Gottes machen, dann kommt Samuel zu Euch“, verspricht Jo.

Kurz darauf rollt Samuel Koch mit seinem Elektrorollstuhl auf die Bühne. Er wirkt fragil. Das erklärt der einst überaus vitale Mann dann auch gleich. „Ich war Leistungsturner, da herrschte Ordnung, die Bundeswehr war ein Kindergarten dagegen“, so Koch. Er spricht über seine Kindheit, als ihm sein Vater einmal verboten hat, mit Freunden Snowboarden zu gehen. „Darauf hatte ich mich so gefreut, aber ich durfte nicht. Danach habe ich mich entschieden, mich durch nichts und niemandem mehr von einer Lebensfreude abhalten zu lassen.“ Über das harte Training im Leistungssport kam Samuel Koch auch zu der schicksalshaften Wette. „Das hat vorher immer geklappt, weshalb es da schief ging, weiß ich bis heute nicht – aber vielleicht weiß es jemand anders“, sagt Koch und blickt gen Himmel.

Dann folgt ein Prolog über das Glück: Das Glück ist mit den Dummen. Manche müssen zu ihrem Glück gezwungen werden. Und der König von Bhutan hat das Glückbringende zu seinem politischen Handeln erklärt. „Man mag es nicht glauben, aber ich hatte bei meinem Unfall auch noch Glück, denn ich könnte tot sein – was ich mir manchmal tatsächlich gewünscht habe“, so Koch. Dann bietet er an, etwas aus seinen Büchern vorzulesen. „Aber dazu möchte ich es mir etwas gemütlicher machen“, winkt er einen seiner Helfer heran, die ihm sein Bein etwas aufrichten. „Seht, ich bin doch noch nützlich für diese Welt, denn ich beschäftige mehrere Helfer, Physiotherapeuten und noch weitere Menschen. Damit sichere ich ihren Lebensunterhalt“, sagt Koch.

„Wer möchte mir das Buch halten, ich kann es ja nicht?“, fragt er in die Runde und es melden sich mehrere Gäste. Koch entscheidet sich für Julie – damit die Leute „etwas optisch Besseres auf der Bühne zu sehen bekommen“ als ihn. Es gibt Gekicher aus dem Publikum.

Koch berichtet, welch ein Glück es war, als er das erste Mal nach Wochen auf der Intensivstation mit dem Rollstuhl auf den Balkon gefahren wurde und eigenständig die frische Luft atmen konnte. Er beschreibt aber auch, wie beschwerlich es ist, zu niesen, was er nur mit Unterstützung kann. „Wenn die Helfer nicht den richtigen Moment abpassen, dann schmerzt es nur noch mehr“, schildert Koch.

„Gibt es Tage, an denen Du unglücklich bist?“, will jemand während der Fragerunde wissen. „Klar, das Leben ist nicht so, dass ich immer im Rampenlicht einer Bühne stehe“, erklärt Koch. Bei einer Frage zweifelt er: „Hast Du noch Hoffnung, dass Du geheilt werden kannst?“ „Es gab so viele medizinische Errungenschaften, die tödliche Krankheiten aus der Welt schaffen. In meinem Fall würde, so glaube ich jedenfalls, nur ein echtes Wunder helfen. Aber solche soll es ja auch gegeben haben.“ Und Samuel Koch blickt wieder gen Himmel.

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