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Bernhard König (von links), Sibylle Kreitz und Oliver Hiss stellten die Aktion ?Reduzierung des Schilderwaldes? in Kelsterbach vor.

Verkehrszeichen

Schilderwald in Kelsterbach soll gelichtet werden

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Fünf Tage lang wurden die Verkehrsschilder auf dem Gebiet der Stadt Kelsterbach unter die Lupe genommen. Jetzt wurde auf Grundlage dieser Untersuchung die Aktion „Reduzierung des Schilderwaldes“ vorgestellt.

In Deutschland gibt es 648 Verkehrsschilder, die auf rund 1800 Arten miteinander kombiniert werden können, erläuterte Bernhard König von der Kreisverkehrswacht Groß-Gerau. Von diesen Schildern wird gerne und oft Gebrauch gemacht, so dass sich laut ADAC auf deutschen Straßen durchschnittlich alle 28 Meter ein Verkehrsschild findet. Das führte dazu, dass sich der Begriff „Schilderwald“ einbürgerte. Doch dem soll in Kelsterbach nun der Garaus gemacht werden.

Bürgermeister Manfred Ockel (SPD) führte aus, dass die Grundlage dafür die letzte große Novellierung der Straßenverkehrsordnung aus dem Jahr 2013 sei, derzufolge die Straßenverkehrsbehörden alle überflüssigen Verkehrszeichen entfernen sollen. „Es gibt einfach zu viele Verkehrsschilder, die letztlich die Autofahrer überfordern, so Ockel. Daher sei während der Verkehrsschau 2016 beschlossen worden, sich dieses Themas anzunehmen. Darauf hätten Bernhard König, Oliver Hiss, Leiter des Gewerbe- und Ordnungsamts, und seine Stellvertreterin Sibylle Kreiz das Stadtgebiet durchforstet, um diese überflüssigen Verkehrsschilder aufzuspüren.

Fünf Tage lang seien sie unterwegs gewesen, wohlbemerkt zu Fuß, berichtete Oliver Hiss, um jedes Verkehrszeichen auf seine Sinnhaftigkeit hin zu überprüfen. Und diese Spurensuche war keineswegs vergebens. Hiss geht davon aus, dass am Ende der Aktion „Reduzierung des Schilderwaldes“ einige Hundert Verkehrszeichen weniger im Stadtgebiet zu finden sein werden. Die genaue Zahl lasse sich jetzt noch nicht nennen.

Um aber zu zeigen, wie gravierend diese Änderungen ausfallen können, hatte der Ordnungsamtsleiter etliche Beispiele parat. So wies er dezidiert auf die nichtamtlichen und somit überflüssigen Zusatzzeichen hin, die bei Verstößen gegen die Parkordnung das Abschleppen der Fahrzeuge androhen. Zum einen hätten diese Schilder wegen der Flughafennähe kaum eine Wirkung, was die rund 300 Abschleppungen pro Jahr belegen, zum anderen wisse heutzutage jeder Autofahrer, dass falsch oder widerrechtlich geparkte Fahrzeuge abgeschleppt werden. Somit seien diese Schilder entbehrlich.

Wesentlich sei, sagte Hiss, dass ein Verkehrszeichen für einen durchschnittlichen Autofahrer bei rascher Fahrt wahrnehmbar sei. Dies sei aber nicht mehr gegeben, wenn sich an einem Masten vier oder mehr Verkehrsschilder befänden oder sich die Schilder auf engstem Raum häuften. Als Beispiele verwies er hier auf die Einmündung Feldstraße/Schwanheimer Straße und die Neukelsterbacher Straße, bei denen jeweils bis zu 16 Schilder entbehrlich seien.

Aber auch an den Kreiseln im Stadtgebiet gebe es überflüssige Schilder. Dort können bis zu 20 Verkehrszeichen eingespart werden, weil vieles in der Straßenverkehrsordnung geregelt sei, so dass Schilder nicht erforderlich seien. Dazu verwies Bernhard König auf eine Änderung der Rechtslage, die von einer stärkeren Eigenverantwortlichkeit der Verkehrsteilnehmer ausgehe. Als Beispiel verwies er auf die Tempo-30-Zonen, die früher besonders auffällig gekennzeichnet werden mussten. Heute hingegen sei es so, dass Autofahrer auf innerörtlichen Nebenstraßen jederzeit mit Geschwindigkeitsbeschränkungen rechnen müssen. Dieser Rechtslage tragen heute auch die Gerichte Rechnung.

Hiss führte aus, dass diese Aktion in zwei Abschnitten erfolgen solle, zuerst nördlich der Bahn, die noch in diesem Jahr umgesetzt werden soll, danach südlich der Bahn, die bis spätestens 30. Juni 2019 abgeschlossen sein soll. Für die Umsetzung sei das städtische Bauamt zuständig, das mit den Arbeiten den kommunalen Eigenbetrieb der Stadt beauftragen werde, erläuterte Hiss. Die Kosten dafür seien erst im Nachhinein feststellbar. Und König fügte hinzu, dass ein Spareffekt mit jedem Schild, das nicht mehr da ist und somit nicht ersetzt werden muss, eintrete.

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