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Die ?Maamauerbaabambler? ? also jene, die auf der Mainmauer sitzend die Beine baumeln lassen ? waren der Höhepunkt des Abends. Von links: Edi Fenkl, Willi Laun, Karl Gesang, Heinrich Hofmann, Günter Schneider, Heinrich Richtscheid und Georg Treutel.

Geschichtsstunde

So schön war’s früher am Untermain

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Die AG 60plus der SPD hatte zur Veranstaltung „Kelsterbach einst und heute“ ins Fritz-Treutel-Haus eingeladen. Auf die Gäste warteten Anekdoten zum Schmunzeln und viel Wissenwertes.

So war es früher – und so war es wieder einmal am Mittwochnachmittag: Die „Maamauerbaabambler“ – also jene Kelsterbacher, die auf der Mainmauer sitzen und ihre Beine beim Plausch baumeln lassen – erzählten von ihren früheren Erlebnissen. Da saß der Fahrschullehrer Willi Laun, der ausgerechnet die junge Margarete Sandner bei der Fahrprüfung hatte durchrasseln lassen. „Hat des unbedingt sei müsse?“, wollte Sandner noch heute wissen – es musste sein.

Da erzählte Karl Gesang, wie es früher war, als es noch kein so schönes Feuerwehrhaus gab. „Mir hatte nur e Spritz, und die stand im Hof der Alten Schule. Erst später ist ein kleines Feuerwehrhaus gebaut worden“, wusste der ehemalige Stadtbrandinspektor zu berichten. „Den wollte ich mal als Freund, aber als der mich am Maa mal hat stehe lasse, nur weil es einen Feueralarm gab, da hab ich es mir doch anners überlegt“, scherzte Margarete Sandner.

Und dann kam auch noch Edi Fenkl angeradelt. „Wir kamen nach Kelsterbach und hatten nichts, nicht mal einen Schlitten. Aber in den Wintern damals gab es noch richtig Schnee hier, da hat mich immer jemand mitgenommen und wir sind den Höllenberg hinunter gerauscht“, schwärmte Fenkl von früher. Noch viel tiefer aus der Vergangenheit konnte Henrich Hofmann berichten. „Wenn es mal in Kelsterbach gebrannt hat, dann musste einer schnell nach Schwanheim reiten und dort die Feuerwehr alarmieren. Bis die in Kelsterbach ankam, war die Hütte längst abgebrannt. Jetzt wisst ihr, woher die Feuerreiter kommen“, meinte Hofmann unter seinem Kommandantenhelm.

Auch Günter Schneider wusste von einst ärmlichen Verhältnissen in Kelsterbach zu berichten. „Aber schön war es trotzdem“, meinte er und erhielt viel Zustimmung aus dem Publikum. In Georg Treutel war Margarete Sander auch schon mal verliebt. „Der war bei mir, ich hab’ e Kerz’ agesteckt und Wein auf den Tisch gestellt. Da hat der uff die Uhr geguckt und war verschwunne – er musste zur Singstund’“, schilderte Sandner. Aber sie singen heute immer noch zusammen.

Die Idee mit den „Maamauerbaabamblern“ kam Sandner erst vor kurzem, als sie ein altes Foto sah. „Da habe ich alles in Bewegung gesetzt, um das heute auf die Bühne zu bringen“, freute sie über den großen Erfolg. Die Veranstaltung am Mittwoch im Fritz-Treutel-Haus war die zehnte in der Reihe der SPD AG 60plus und stand unter dem Motto „Kelsterbach einst und heute“. „Wir haben mit 50 bis 60 Besuchern angefangen und heute sind fast 140 Gäste hier“, erklärte Margarete Sandner, die alle Veranstaltungen mit Günter Schneider organisiert hat.

So fand auch Bürgermeister Manfred Ockel nur lobende Worte für das besondere Engagement des „Paares“ Sandner/Schneider, er dankte aber auch allen, die daran mitgewirkt haben, dass sich diese Veranstaltungsreihe so gut entwickelt hat. „Eine Stadt hat aber auch selbst die Verpflichtung, ihre Geschichte zu dokumentieren“, verwies Ockel darauf, dass mittlerweile vieles aus dem Stadtarchiv schon digital aufgearbeitet und online einsehbar sei.

Der Volkschor eröffnete mit dem „Hessenlied“ und den auf Kelsterbach umgetexteten Zeilen den musikalischen Teil des Nachmittags. Roland Schmidt vom Film- und Videoclub brachte mit seinem Film über alte Postkarten aus der Untermainstadt wieder viele Ansichten des alten Kelsterbachs in Erinnerung. Im Laufe des Nachmittags stellten sich viele Vereine und Organisationen vor, vom Handharmonika Spielring über die Feuerreiter, die ihr 66-jähriges Bestehen feiern, bis hin zur Christuskirchengemeinde, die 50. Geburtstag feiert.

Auf großes Interesse stieß die von Karl Schmied zusammengestellte Bildergalerie der Kelsterbacher Kerbgruppen – das älteste zeigt den Jahrgang 1886 bis 1905. In seinem Schlusswort lobte Vereinsringvorsitzender Thorsten Schreiner die traditionsreiche Vereinskultur in der Untermainstadt. Mit dem gemeinsamen „Kelsterbacher Lied“ endete die als „Meisterstück von Margarete Sandner und Günter Schneider“ gelobte Veranstaltung.

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