Stolpersteine für 27 Opfer des Nazi-Regimes
Die Verlegung von 27 Stolpersteinen in Kelsterbach am gestrigen Montag war eine zweigeteilte Aktion. Vormittags kamen rund 60 Bürger in der Feldbergstraße zusammen.
Die Verlegung von 27 Stolpersteinen in Kelsterbach am gestrigen Montag war eine zweigeteilte Aktion. Vormittags kamen rund 60 Bürger in der Feldbergstraße zusammen. Dort wurde symbolisch der erste der neuen Stolpersteine verlegt.
Die im Februar 2014 und später verlegten Stolpersteine galten jüdischen Opfern des Nazi-Regimes. Doch dieser eine in der Feldbergstraße wurde zum Gedenken eines Opfers der „Mordaktion T4“, also der Tötung von kranken und behinderten Menschen, in den Bürgersteig eingelassen: Er war Kurt Bauer gewidmet. In Anwesenheit seines Bruders Horst Bauer und mehrerer Familienangehöriger ging Harald Freiling, Mitbegründer der Initiative „Stolpersteine für Kelsterbach“ und Lehrer an der Gesamtschule Kelsterbach, auf die Lebensumstände des mit einer Kiefergaumenspalte geborenen Kurt Bauer ein und erläuterte die Hintergründe der „Aktion T4“, die nach der Adresse des Sitzes der dafür verantwortlichen Nazi-Organisation in der Tiergartenstraße 4 in Berlin benannt worden war. Kurt Bauer war am 18. März 1941 in Hadamar in einem eigens für diesen Zweck eingerichteten Tötungszentrum ermordet worden. Als Todesursache sei auf der Sterbeurkunde „Lungentuberkulose, Lungenblutung“ vermerkt worden.
Zur frühen Morgenstunde waren auch Bürgermeister Manfred Ockel, Georg Germann vom Deutschen Gewerkschaftsbund und Hans-Jürgen Vorndran vom Förderverein für jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau gekommen, die kurze Ansprachen hielten. Freiling verteilte Urkunden an diejenigen, die Patenschaften für die neuen Stolpersteine übernommen haben, darunter die zehnten Klassen der IGS, die Karl-Treutel-Schule, die St. Martinsgemeinde und die Frauen der Christuskirchengemeinde, aber auch zahlreiche Privatpersonen und der Förderverein für jüdische Geschichte im Kreis Groß-Gerau. Zugleich hielt Freiling für die Teilnehmer eine Broschüre der Initiative „Stolpersteine für Kelsterbach“ bereit.
Anschließend zogen alle zu den weiteren Stationen, an denen Stolpersteine verlegt werden sollten: in die Bergstraße 9 und 23, in die Neukelsterbacher Straße 21 und 39 sowie in den Schlossweg 5.
Nachmittags folgte die eigentliche Verlegung der Stolpersteine, die der Künstler Gunter Demnig vornahm. Horst Bauer bedankte sich bei dieser Gelegenheit in bewegten Worten bei Harald Freiling für die genaue Darstellung der Umstände der Ermordung seines Bruders.
(ud)