Verlegung neuer Stolpersteine
Die Initiative Stolpersteine für Kelsterbach gedenkt den Opfern der Nationalsozialisten. Im März nennt sie dazu Haus und Namen ermordeter jüdischer Bürger der Stadt.
Im Februar 2014 wurden in Kelsterbach 25 Stolpersteine für jüdische Menschen verlegt, die 1933 in Kelsterbach lebten und danach in den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten ermordet wurden. Manche konnten ihr Leben auch durch Flucht ins Ausland retten.
Am Montag, 21. März, wird der Kölner Künstler Gunter Demnig in Kelsterbach weitere 27 Stolpersteine verlegen. Bei einer öffentlichen Veranstaltung wird die Initiative „Stolpersteine für Kelsterbach“ über die Menschen berichten, für welche die neuen Stolpersteine im Frühjahr verlegt werden sollen.
Gedenken an Opfer
Mitinitiator Harald Freiling, bis 2012 Lehrer in den Fächern Deutsch, Geschichte, Gesellschafts- und Arbeitslehre der Integrierten Gesamtschule Kelsterbach, wird in einem Vortrag die jüdischen Familien aus Kelsterbach vorstellen, vor deren Wohnhäusern bisher noch keine Stolpersteine verlegt wurden: Das sind die Familien Adler und Beretz in der Bergstraße 9, Familie Paw in der Bergstraße 23, die Familien Adler und Strumpfin der Neukelsterbacher Straße 21 und die Familie Adler in der Hausnummer 39 sowie das „Textilhaus Adler“ im Schlossweg 5.
Neue Informationen über das Schicksal der jüdischen Familien stammen aus dem Nachlass von Leo Hirsch, der mit seinen Eltern in der Untergasse 4 lebte. Die Briefe, die der Initiative in den vergangenen Monaten von seinem Sohn Richard Hirsch zur Verfügung gestellt wurden, zeichnen nach den Worten von Harald Freiling „ein berührendes Bild von der Vertreibung der Juden, der Flucht der Jüngeren und der verzweifelten Hoffnung, die Eltern noch einmal wieder zu sehen“.
Erstmals greift die Initiative auch das lange verschwiegene Verbrechen der Ermordung von über 200 000 behinderten und kranken Menschen von den Nazis auf. Am 21. März wird für Kurt Bauer aus Kelsterbach ein Stolperstein verlegt, der 1941 im Alter von 21 Jahren von den Nazis in der Landesheilanstalt Hadamar ermordet wurde. Harald Freiling wird über den Hintergrund und den Ablauf der „Mordaktion T4“ berichten.
Forschungen, die der Kreis Groß-Gerau in Auftrag gegeben hat, belegen, dass mindestens sechs Einwohner Kelsterbachs und weitere in Kelsterbach untergebrachte Zwangsarbeiter ermordet wurden, weil die Nazis kranken und behinderten Menschen das Lebensrecht nahmen. Nach dem Krieg haben viele Familien über das Schicksal ihrer von den Nazis getöteten behinderten Angehörigen geschwiegen. Familie Bauer aus Kelsterbach stellte der Initiative ihre Erinnerungen an den ermordeten Bruder und Onkel zur Verfügung. Mit der Verlegung des Stolpersteins will die Initiative an Kurt Bauer und seinen 1942 gefallenen Bruder Heinz erinnern.
Patenschaft übernehmen
Die Veranstaltung ist am Holocaust-Gedenktag, am Mittwoch, 27. Januar, um 19 Uhr im Fritz-Treutel-Haus, Bergstraße 20. Der Eintritt ist frei. Wer bei der Finanzierung der Stolpersteine helfen möchte, kann dies durch eine Spende oder durch eine Patenschaft für einen bestimmten Stein im Wert von 120 Euro tun. Interessierte Bürger wenden sich an die Friedensgemeinde via E-Mail an friedensgemeinde@web.de oder überweisen die Spende auf das Konto der evangelischen Regionalverwaltung bei der Kreissparkasse Groß-Gerau, BIC HELADEF1GRG, IBAN DE36 50 85 25 53 00 03 00 65 09, Verwendungszweck 4822/031001/482200 Stolpersteine Kelsterbach.
(fnp)



