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Hier wurden in unmittelbarer Nähe der Spielstation die Stümpfe von Traubenkirschen (hinten) mit Roundup bestrichen.

Widersprüchliche Angaben

Wie viel Glyphosat kam zum Einsatz?

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Die WIK wollte konkret wissen, wie viel Glyphosat in Kelsterbach und Umgebung im Umlauf ist. Doch die Antworten seitens der Stadt ließen auf sich warten und decken sich nicht mit den Angaben der Kommunalbetriebe.

Ist das Herbizid Roundup, welches auf Basis von Glyphosat wirkt, ein Wundermittel oder Teufelszeug? Bekanntlich war Roundup im Kelsterbacher Wald sowohl in der planfestgestellten Fläche als auch außerhalb zur Vernichtung der ungeliebten Traubenkirsche eingesetzt worden. In den dem Planfeststellungsbeschluss unterliegenden Flächen zu beiden Seiten der Nordwestlandebahn hatte die Stadt Kelsterbach keine andere Wahl. In der Restwaldfläche oblag es der Entscheidung der Stadt. Ob die Ausbringung des Roundup sachgerecht erfolgte, daran hat die Wählerinitiative Kelsterbach (WIK) aber so ihre Zweifel.

„Bereits seit einigen Monaten fragten wir immer wieder bei der Stadt nach, wie viel des mutmaßlich krebserregenden Glyphosats in und um Kelsterbach zum Einsatz gekommen ist. Die Antworten, die wir von der Stadt bekommen, sind allerdings alles andere als befriedigend“, reklamiert nun erneut Jürgen Wälther in einer der Presse zugeleiteten Mail.

Mitte Januar hatte die WIK nach dem Umfang des Glyphosat-Einsatzes gefragt. Als die Anfrage dann im März beantwortet wurde, blieben so viele Fragen unbeantwortet, dass sie fast wortgleich erneut gestellt werden mussten. Unter anderem wurde den Abgeordneten die Auskunft vorenthalten, wie viel Glyphosat eingesetzt worden war.

Konkret fragte jetzt die WIK erneut: „Welche chemischen Pflanzenvernichtungsmittel wurden 2017 von Mitarbeitern der Stadt oder durch die Stadt beauftragten Firmen in Kelsterbach Stadt, Wald und Flur eingesetzt?“ Irritiert ist die WIK aufgrund von missverständlichen Auskünften seitens der Kelsterbacher Kommunalbetriebe (KKB) und des Bürgermeisters. „Menge: circa 5000 Liter“, lautete die Auskunft seitens des KKB. „Die Stadtverordneten der WIK rechneten nach und kamen zum Ergebnis: Ist wirklich diese Menge an Glyphosat ausgebracht worden, wäre das bei einem flächendeckenden Einsatz mehr als das Vierfache der zulässigen Menge gewesen.“

Bürgermeister Manfred Ockel (SPD) erklärte während der Stadtverordnetenversammlung, es seien 5000 Liter gekauft worden, aber nur die zulässige Menge wäre ausgebracht worden. „Was genau stimmt denn nun?“, fragte Christian Hufgard von der WIK. Annerose Tanke (WIK) reklamiert zudem, dass Glyphosat auch in unmittelbarer Nähe der Spielstationen ausgebracht wurde.

„Seitens der SPD fehlt jeglicher Wille, dem Einsatz von Glyphosat ein Ende zu bereiten“, so Hufgard: „Dazu passt auch, dass sie unseren Antrag abgelehnt haben. Der von ihnen eingebrachte und angenommene Antrag sieht explizit vor, dass in unserer Natur dieses Gift weiterhin eingesetzt werden darf.“ Er verweist darauf, dass die SPD auf Kreis- und Bundesebene klar Stellung gegen einen Glyphosat-Einsatz bezieht. „Es ist mir unbegreiflich, wieso das nicht auch in Kelsterbach gehen soll“, so Hufgard.

Dazu betont KKB-Chef Eric Schulz-Gabel: „Hätten wir eigenverantwortlich handeln können, wäre ich gegen einen Einsatz von Glyphosat gewesen.“ Es sei allerdings davon auszugehen, dass wohl mindestens 5000 Liter ausgebracht wurden: Einerseits durch Bestreichen der frischen Schnittflächen bei größeren Traubenkirschenbäumen und andererseits durch Besprühen von noch jungen Traubenkirschenpflanzen. Die bestrichenen Stümpfe waren vertrocknet und die besprühten Pflanzen verwelkt. Das war im Spätsommer vergangenen Jahres.

„Ich war jedoch geschockt, als ich vorgestern im Wald war“, zeigt sich Schulz-Gabel irritiert. Es scheint, als würde das ausgebrachte Glyphosat als „Wachstumsmittel“ für den Neuaustrieb wirken. Neben einem trockenen Stumpf zeigen sich ein Dutzend frischer Triebe.

„Wir versuchen derzeit in Gesprächen mit der Fraport und der Oberen Naturschutzbehörde, die beim Regierungspräsidium in Darmstadt angesiedelt ist, zu einer Lösung, möglichst weg vom Glyphosat, zu kommen“, erklärt Schulz-Gabel.

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