+
Symbolbild

Prozess

Wegen Vergewaltigung angeklagter Mann behauptet: „Es war Liebe“

  • schließen

Eine erfahrene Polizeibeamtin hielt das Opfer einer Vergewaltigung im Obdachlosenasyl in Rüsselsheim trotz dessen Alkoholpegels von 1,7 Promille für glaubwürdig.

Eine erfahrene Polizeibeamtin hielt das Opfer einer Vergewaltigung im Obdachlosenasyl in Rüsselsheim trotz dessen Alkoholpegels von 1,7 Promille für glaubwürdig. Die Frau sagte gestern beim Prozessbeginn vor der 4. Großen Strafkammer am Landgericht Darmstadt gegen einen 21-Jährigen aus, der sie dreimal missbraucht haben soll. Er bestreitet nicht nur diese Tat, behauptet „es war Liebe“, sondern auch weitere Körperverletzungen mit Bierflaschen und Messer.

Schlampige Ermittlungen und Lügen warf der 21-Jährige im Verlauf des gestrigen ersten Verhandlungstages immer wieder der Polizei in Rüsselsheim vor. „Die haben alle was gegen mich“, ließ er seinen Dolmetscher übersetzen. Ansonsten blieb er Erklärungen zu den Vorwürfen schuldig.

Ein Zeuge berichtete, er sei am Tattag, dem 14. April diesen Jahres, beim späteren Opfer im Zimmer gewesen, als der 21-Jährige hereinstürmte und ihn rauswarf. Aus lauter Angst vor dem hünenhaften Mann sei er an eine nahe gelegene Tankstelle geflohen. Er habe sich erst wieder in die Unterkunft zurück getraut, als der 21-Jährige von der Polizei in Handschellen abgeführt worden sei.

Man habe den Angeklagten in Handschellen gelegt, weil er von früheren Einsätzen als gewalttätig bekannt war. Mehrfach habe er Polizisten, unter ihnen auch Beamtinnen, angegriffen. An dem Tatmorgen gegen 1.50 Uhr habe er im Zimmer der Frau, barfuß bis zum Scheitel, hinter der Tür gestanden, als zwei Beamte diese eintraten.

Das Opfer der Vergewaltigung habe mit einem schmutzigen Nachthemd auf dem Bett gesessen, erinnerten sich die Beamten. Die Frau sei von einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht worden. Dem Gefesselten habe ein Kollege dabei geholfen, Unterhose, Jeans und T-Shirt anzuziehen, erinnerte sich eine 34-jährige Polizistin.

Ansonsten, sagten die Polizeibeamten übereinstimmend aus, sei die Situation in der Unterkunft sehr unübersichtlich gewesen. Mehrere Bewohner behaupteten, die Frau noch vor 22 Uhr besucht zu haben. In der Anklageschrift hieß es dagegen, die Frau sei allein gewesen. Nach einem Toilettengang gegen 22 Uhr habe sie den splitternackten Mann in ihrem Bett vorgefunden. Der habe sie gleich am Hals gepackt und ihr den Mund zugehalten, um sie am Schreien zu hindern. Dann habe er, um sich vor Besuchern zu schützen, die Tür abgeschlossen. Mit Ohrfeigen habe er sie in allen drei Fällen gezwungen, ihn sexuell zu befriedigen. Auf das Stöhnen des 21-Jährigen waren Mitbewohner ebenso aufmerksam geworden wie auf die Hilferufe der Frau. Die herbeigerufene Polizei trat die Tür ein und nahm den Mann fest.

Für den Prozess sind zwei weitere Verhandlungstage angesetzt. Am Donnerstag, 6. Dezember, wird die Verhandlung fortgesetzt.

(sc)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare