Der schreibende Fußballtrainer: Ercüment Mus. Foto: KOSLOWSKI
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Der schreibende Fußballtrainer: Ercüment Mus.

Porträt

Zwischen Trainingsplatz und Schreibtisch: Ein Fußballer, der auch Bücher verfasst

BSC-Jugendtrainer Ercüment Mus hat mittlerweile zwei Bücher veröffentlicht

Der Vorname Ercüment ist alttürkisch und bedeutet so viel wie Respekt und würdevoll. Respekt muss man vor Ercüment Mus durchaus haben, und gleichzeitig strahlt der 34-Jährige eine gewisse Würde aus. Mus ist nicht nur neuer Jugendtrainer beim BSC Kelsterbach. Er veröffentlichte jüngst auch zwei Bücher. Ein schreibender Fußballlehrer sozusagen.

So ein bisschen gehen der Fußball und die Schriftstellerei Hand in Hand. Zumindest bei seinem zweiten Buch, das den Titel "Das erste und letzte Spiel" trägt. Damit spricht Mus das erste Fußballspiel an, das er 1995 als achtjähriger Bub mit dem Vater bei Samsunspor besuchte. Das ist ein türkischer Verein in Samsun, der Heimatstadt des Vaters. Das Spiel gegen Van Spor Kulübü endete damals 2:2.

Und er meint damit auch das letzte Spiel, das er gemeinsam mit dem Vater gesehen hatte: Eintracht Frankfurt siegte im Heimspiel 2016 gegen Schalke 04 mit 1:0, der Vater verstarb 2017, die Eltern lebten bereits wieder in der Türkei.

Der Autor und Fußballtrainer hat türkische Eltern, er selbst erblickte jedoch im mittelfränkischen Feuchtwangen das Licht der Welt. Sein Vater lebte dort seit 1979, seine Mutter wohnte seit 1983 in Leutershausen, ebenfalls Mittelfranken. Die Eltern lernten sich in Deutschland kennen.

Mus bestand in Feuchtwangen sein Abitur, um dann in Frankfurt bei der Bahn AG eine Ausbildung zum Industriekaufmann erfolgreich abzuschließen. Allerdings zog es ihn einige Jahre später nach Spanien, wo er in Andalusien als Animateur für Kinder seinen Lebensinhalt fand. "Ich wollte eine Veränderung, wollte mich weiterentwickeln", nennt Mus den Grund. Im Büro habe er sich nicht mehr zu Hause gefühlt.

Über seinen Arbeitsplatz machte er den nächsten Schritt hin zum Flugbegleiter bei dem Luftfahrtunternehmen Lufthansa. "Ich wollte schon immer die Welt erkunden", meint Mus, der mit Deutsch, Türkisch, Spanisch und Englisch vier Sprachen beherrscht.

Selbsterlebtes und fiktive Geschichten

In der Weltsportart Fußball war er schon immer zu Hause. Seine Familie war fußballverrückt. Seine Lieblingsvereine haben einen familiären und wohnortnahen Ursprung. Samsunspor, weil sein Vater dort seine Heimat hat, Eintracht Frankfurt, weil er in der Mainmetropole lebte.

Mus studierte zwischenzeitlich Fußballmanagement und qualifizierte sich als Scout und Videoanalyst und machte auch eine Ausbildung als Fußballmentaltrainer. Seit Sommer vergangenen Jahres ist er als Betreuer bei den weltweiten Fußballcamps von Real Madrid tätig.

Mit Saisonbeginn verstärkt er nun das Trainerteam des BSC Kelsterbach. Mus hat die E-Jugend, also die U11, unter seinen Fittichen. Er will Fußball vermitteln, Spaß für den Fußball verbreiten und auch die soziale Kompetenz fördern. Respekt, Disziplin und Teamfähigkeit sind für ihn wichtige Attribute.

Jetzt habe er, sagt Mus, endlich den Mut gefasst, ein Buch zu schreiben. Er schreibe schon seit seiner Jugend, habe jedoch bisher keinen Text veröffentlicht. Die beschäftigungslose Zeit während der Lockdowns habe er nun sinnvoll nutzen wollen. Bereits früher habe er viele Kurzgeschichten geschrieben. Nun gingen seine beiden ersten Bücher in die gleiche Richtung, sagt Mus.

Sein erstes Buch trägt den Titel "Die Geschichtentruhe eines Reisenden". In dem 80 Seiten langen Buch erzählt er Selbsterlebtes, aber auch fiktive Geschichten, spricht sozialkritische Themen wie die Integration an und gibt Weisheiten wieder. "Auf dem Bolzplatz sind alle gleich", "Die Weisheit der Bäume", "Mein geliebtes Andalusien" und auch "Mama Sakita und ihr Geschenk Gottes" sind Titel der Kurzgeschichten.

Das zweite Buch hat ebenfalls 80 Seiten. Mus blickt auf seine Familiengeschichte, rückt hier die Integration in den Vordergrund, überlegt, wie eine Integration gelingen könne. Für ihn ist klar: Die deutsche Sprache ist das A und O für die Integration.

Er übt in dem Buch durchaus Kritik an Menschen, die sich nicht integrieren möchten, aber auch an jenen, die Integration verhindern. Mus sagt, dass er nach den Werten Mustafa Kemal Atatürks, des Begründers der modernen Türkei, lebe.

Beide Titel sind übrigens beim Verlag story.one erhältlich. Die Bücher werden bei Bestellung gedruckt. Mus möchte seine Erlebnisse, seine Erfahrungen, seine Eindrücke mit dem Schreiben von Büchern zum Ausdruck bringen und mit den Menschen teilen. Er lässt sich zumeist auf seinen Flügen als Flugbegleiter inspirieren. Seinen Laptop hat er immer dabei, setzt sich in den Zielstädten in Cafés und schreibt. Später überarbeitet er die Seiten intensiv. Gegen Ende des Jahres will Mus mit der Schriftstellerei fortfahren. Jetzt im Sommer möchte er sich mit dem Fußball beschäftigen.

RÜDIGER KOSLOWSKI

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