Volksfest

Die Kerb in Königstädten krönt die Saison

Sie ist für dieses Jahr die letzte Kerb in der Stadt. Dementsprechend viele fiebern der langersehnten Feier entgegen. Auch in diesem Jahr hat die Kerb in Königstädten durch eine gelungene Mischung von Brauchtum und zeitgemäßem Feiern überzeugt.

Samstagabend strömen die Besucher in den Kaisersaal. Ex-Kerweborsch stehen an der Kasse und begrüßen die Gäste mit flotten Sprüchen. Gleich ist es so weit. Beim offiziellen Einmarsch, dem der Kerwetanz folgt, wird endlich das Geheimnis darum gelüftet, wer der diesjährige Kerwevadder wird. Auch draußen auf dem Platz ist bereits viel los. Dann marschiert der Zug ein. Vorne der Fahnenschwenker, in der Mitte, auf einem Bollerwagen sitzt Simon Stephan. Der ist nicht der amtierende Kerwevadder, sondern der vom Vorjahr. Philipp Hummel, der eigentlich seine weiße Kappe dem Nachfolger aufsetzen sollte, studiert in Helsinki und kann bei der Kerb in der Heimat nicht dabei sein.

Doch Stephan macht seinen Job perfekt. Mit nur einem Hammerschlag ist die Flasche, die die wichtige Information enthält, zerschlagen, wenig später der Name laut ausgerufen. Marius Krey ist der Neue für das kommende Jahr. Dreimal wird er in die Luft geworfen. Dann wird gesungen und der erste Tanz, ein Walzer natürlich, wird von ihm und seinem Mädchen eingeleitet. Das ist Tradition, das lieben die Gäste.

Der Samstag ist wohl mit der anstrengendste Tag der Kerb für die Borsch. Denn da geht es nach durchfeierter Nacht bereits morgens um sechs in den Wald, wo der Kerwebaum geholt wird. Zum ersten Mal mit dabei war diesmal auch Kronewirt Admir Mitko Nurkovic. Bereits im vergangenen Jahr hat er die Kerb gerettet, indem er als Kronewirt einsprang. Mit dem morgendlichen Einsatz bewies er erneut, dass in ihm ein Freund des Fests steckt.

23 Meter ist der Baum lang. An dem liebevoll hergerichteten Kranz unterhalb der Baumkrone hängen echte Salamiwürste. Der Baum selbst ist in diesem Jahr nicht besonders grün. Ihm machte der regenlose Sommer zu schaffen. „Wir haben die Spitze ein wenig restauriert“, erklärt Simon Stephan und fügt an: „Aber wir haben ihn nicht verlängert.“ Weniger grüne Nadeln, aber dafür jede Menge Tannenzapfen sind am Baum zu finden. Bis zur letzten Minute werden rote und weiße Krepppapiersstreifen angebracht. Dann richtet sich die Spitze langsam in die Höhe, während der Stamm in die Halterung vor der Krone sackt. Ein paar kräftige Hammerschläge auf die Keile, mit denen der Stamm fixiert ist und das Wahrzeichen der Kerb ragt in den Himmel. Besonders für die Kleinen ist diese Prozedur immer wieder etwas besonderes.

Auch wenn die offizielle Kerb erst am Samstag beginnt, wird bereits am Freitag in die Krone zum Bieranstich geladen. Seit er selbst vor neun Jahren Kerweborsch wurde, kann er sich nicht daran erinnern, dass ein Politiker den Fassanstich übernahm, erklärt Kerweborsch-Sprecher Florian Küchler. Auch Ex-Kerweborsch Gösta Schöner berichtet, man habe die Kerb „politikfrei“ halten wollen.

Das ändert sich in diesem Jahr mit Oberbürgermeister Udo Bausch (parteilos), der die Einladung zum Bieranstich gerne annahm. Seit 30 Jahren lebe er in Königstädten und halte viel von der Kerb als Brauchtum. Auch ist er davon überzeugt, dass die Kerb wieder im Kommen sei. Mit Blick auf das gute Dutzend aktiver Kerweborsch in diesem Jahr kann man sich das nur wünschen. Auch wurde bekannt, dass im kommenden Jahr fünf junge Männer, deren Väter einst dabei waren, das richtige Alter erreicht haben werden, um selbst das Brauchtum weiterzupflegen. Dann wird wohl auch die Zahl der Aktiven wieder höher sein, so dass die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt wird.

Ungewöhnlich war am Freitag, dass es nicht wie sonst erst später, sondern bereits um 20 Uhr losgehen sollte. Da waren aber nur wenige Gäste im Saal. Auch stellte sich heraus, dass gerade die Eintracht gegen Düsseldorf in der Fußball-Bundesliga antrat und daher wohl viele vor dem Fernseher blieben.

Mit leichter Verspätung machte sich der Oberbürgermeister mit beherzten Schlägen an den Anstich des 30-Liter-Fasses, aus dem irgendwann dann auch, nachdem ihn helfende Hände unterstützten, das Bier floss.

Die ersten beiden Kerbe-Tage endeten mit der Mitternachtsshow im Kaisersaal. Viele, besonders andere Kerwe-Gruppen, schauten dabei eigens für die rund 30-minütige Vorführung vorbei. Die Borsch nahmen ihr Publikum tanzend auf eine Weltreise mit. Die einzelnen Stationen führten nach Griechenland, Holland, Indien, Afrika und zu guter Letzt nach „Malle“. Farbenprächtige Kostüme und waghalsige akrobatische Einlagen begeisterten das Publikum, so dass die Temperatur stetig stieg. Im Kaisersaal wurde es heiß.

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