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Mit Schaufeln und Schubkarren ausgestattet, haben die Forscher die Grabungen vorgenommen.

Archäologie

Steinzeitliche Funde auf Edeka-Baustelle

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Vor den eigentlichen Arbeiten für den Neubau eines Supermarkts haben Archäologen das Gelände untersucht. Dabei stießen sie auf die Spur einer steinzeitlichen Kultur. Gerüchte, die Forscher hätten für eine Verzögerung des Neubaus gesorgt, weist ein Edeka-Sprecher zurück. Dass sich der Zeitplan verschoben habe, liege viel mehr an einem für die Verkehrsanbindung nötigen Kreisel.

Königstädten - Die Linien sind typisch. Es handelt sich um Muster, die der Linearbandkeramischen Kultur ihren Namen geben. Auch wegen ihnen sind sich die Forscher sicher, dass die Keramikscherben, die sie auf dem Gelände der Edeka-Baustelle in Königstädten gefunden haben, ungefähr 7000 Jahre alt sind. Damit stammen die Funde aus der Jungsteinzeit, die auch als "Neolithikum" bekannt ist.

Mehrere Wochen hat ein Team von vier Archäologen des Landesamts für Denkmalpflege, dort, wo bald ein neuer Supermarkt entstehen soll, im Boden gegraben. Neben Scherben fanden die Forscher auch Bruchstücke von Mahlsteinen, mit denen Getreide zerkleinert wurde.

Verfärbungen im Boden

Grabungstechniker Ralf Klausmann zufolge wurden mit den genannten Gegenständen einst Abfallgruben aufgefüllt, die für die Forscher dann als Verfärbungen im Boden zu erkennen gewesen seien. Und das schon in nur etwa einem halben Meter tiefe. Der darüberliegenden Mutterboden wurde zuvor per Bagger entfernt.

Dass er und seine Kollegen fündig würden, zeichnete sich laut Klausmann bereits im Vorfeld ab. "Ehrenamtliche Mitarbeiter haben dort über Jahre Funde gemacht", sagt Klausmann mit Blick auf das etwa 10 000 Quadratmeter große Areal an der Ecke L3040 / Bensheimer Straße.

Im Zuge des Bauleitplanverfahrens, in das das Landesamt für Denkmalpflege als Träger öffentlicher Belange einbezogen werden muss, habe auch die sogenannte geomagnetische Prospektion Hinweise auf die steinzeitlichen Strukturen gegeben. Diese Hinweise sollen dann letztlich der Grund für die Grabungen gewesen seien.

Nachdem die Untersuchungen seit etwa zwei Wochen abgeschlossen ist, gelte es nun, das gefundene Material zu dokumentieren. Die Bodenpläne würden beispielsweise digitalisiert, die Keramikscherben gewaschen und anschließend im Depot des Landesamts in Wiesbaden aufbewahrt, sofern sich nicht noch ein Museum für sie interessiert.

Indes wehrt Klausmann sich gegen Gerüchte, wonach die Grabungen den Start der Bauarbeiten für den Supermarkt verzögert hätten. Dies sei seines Wissens nicht der Fall.

Ärger über Kreisel

Alexander Stiel, Gebietsexpansionsleiter Edeka Südwest, bestätigt dies. Zwar seien für die Grabungen ursprünglich drei Monate zusätzlich eingeplant worden, allerdings habe man diese Zeit doch nicht benötigt. Denn aufgrund der Vorgabe der Stadt, nach der zur Verkehrsanbindung des neuen Markts ein Kreisel vor dem Markt gebaut werden muss, für dessen Finanzierung Edeka auch aufkommen müsse, habe sich der Bau ohnehin um anderthalb Jahre nach hinten verschoben.

"Sie können sich vorstellen, was das für den Umsatz bedeutet", sagt Stiel mit Blick auf Verluste, die sich für das Unternehmen aufgrund der Tatsache ergeben, dass bis zur Fertigstellung des neuen Markts der alte, kleinere Markt weiterbetrieben werden muss.

Stiel hofft nun, dass der Bau des neuen Edeka Anfang nächsten Jahres beginnen kann und ungefähr ein Jahr später abgeschlossen sein wird. Ob es wirklich so kommt, bleibt abzuwarten.

Dem Internet-Fachportal praehistorische-archaeologie.de zufolge entstand die Linearbandkeramische Kultur zunächst im Donaugebiet. Es handele sich um die älteste bekannte Kultur des europäischen Neolithikums. Die Kultur gehöre außerdem zu den in Europa am weitesten verbreiteten und am meisten erforschten Kulturen des Neolithikums. Sie habe sich über Mitteleuropa bis nach Ostfrankreich ausgebreitet, wobei sie sich dabei nachweislich gezielt auf sogenannten Lößböden niederließ. Zu ihren charakteristischen Errungenschaften gehörten: Schuhleistenkeile, Gräberfelder, Langhäuser und Erdwerke.

Die Bezeichnung "Bandkeramik" stammt der Internet-Enzyklopädie Wikipedia zufolge aus dem Jahr 1883 und geht auf den Historiker Friedrich Klopfleisch aus Jena zurück, der sie in die wissenschaftliche Diskussion einbrachte. Die Bezeichnung leitet sich demnach ab von der charakteristischen Verzierung der keramischen Gefäße mit einem Bandmuster aus eckigen, spiral- oder wellenförmigen Linien. sw

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