Ausbildung zur Krankenpflegerin

Manar Hussein ist ein gutes Beispiel für gelungene Integration

Die Irakerin Manar Hussein ist auf einem guten Weg, sich in Deutschland eine neue Existenz aufzubauen. Derzeit absolviert sie eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin. Bis hierhin war es ein langer Weg.

Morgens um sechs beginnt für Manar Hussein der Frühdienst im Frankfurter Bürgerhospital. Sie ist auf der Station N7, der Station für Orthopädie und Unfallchirurgie eingeteilt. 28 Betten stehen dort. Die Übergabe steht an. Sie sieht nach den Patienten und kontrolliert, ob sie was benötigen. Sie überprüft die Vitalwerte, misst Fieber, Puls und Blutdruck. Die 21-Jährige legt einer Patientin die Manschette des Blutdruckmessgerätes an. Das sieht schon richtig gut. Somaya Girle, die Praxisanleiterin der Klinik, schaut ihr über die Schulter und hat nichts zu bemängeln. Die Werte trägt die 21-Jährige in die Patientenakte ein.

Hussein absolviert eine dreijährige Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin. Vor einer Woche hat sie ihren Dienst am Klinikum angetreten. Die Ausbildung hat aber bereits Anfang September an der Krankenpflegeschule der Rotkreuz-Kliniken begonnen. Dort werden ihr unter anderem Grundkenntnisse in Anatomie vermittelt. Die Irakerin Hussein ist ein Musterbeispiel für die Integration von Geflüchteten. Mit ihrer Familie war sie aus ihrem Heimatdorf Sindschar in Kurdistan vor dem IS geflüchtet.

Vor zwei Jahren besuchten die beiden Schwestern an der Werner-Heisenberg-Schule in Rüsselsheim einen Deutsch- und Mathekurs. Damals wünschte sich die jungen Frau, als Arzthelferin in einer Praxis arbeiten. Das Erlernen der deutschen Sprache hatte ihr richtig Spaß gemacht. „Deutsch ist wichtig, ich wollte unbedingt etwas erreichen“, sagt sie im perfekten Deutsch.

Ihr Realschulabschluss wurde zunächst nicht anerkannt, weil die Urkunde verlorengegangen war. Deshalb machte sie nach dem Sprachkurs erst einmal den Hauptschulabschluss. Sie erreichte den Notendurchschnitt 1,2 und war Klassenbeste. Und schließlich konnte sie sich den Realschulabschluss doch noch anerkennen lassen.

Aber warum zog sie nun die Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpflegerin der Arzthelferin vor? Sie hatte ein Praktikum in einer Praxis absolviert. Dort verbrachte sie den ganzen Tag an der Rezeption. „Ich will Aktion“, sagt sie lachend.

Hussein schrieb nur drei Bewerbungen. Die Mainzer Uniklinik sagte ab, weil kein Platz frei war. Ihr erstes Vorstellungsgespräch am GPR-Klinikum verlief nicht so gut, weil sie zu aufgeregt war, gesteht die sympathische junge Frau. Aber schon das nächste Gespräch am Bürgerhospital war erfolgreich. „Die waren alle so nett“, erinnert sie sich gerne zurück. Kristin Brunner, die Leiterin der Unternehmenskommunikation betont, dass Hussein den Ausbildungsplatz erhalten habe, weil ihre Unterlagen überzeugt hätten.

Die erste Woche an der Krankenpflegeschule sei dann schrecklich gewesen. Dort mussten die Schüler selbstständig arbeiten und online Klausuren schreiben. „Das habe ich noch nie erlebt“, blickt sie schmunzelnd zurück. Die anderen Auszubildenden seien aber ebenfalls überrascht gewesen, tröstete sie sich. Langsam gewöhnte sie sich daran und dann machte ihr das System sogar Spaß.

Hussein fährt jeden Tag mit dem Zug nach Frankfurt, was neu für sie ist. Denn in ihrem Heimatort verkehren keine Züge. Aber während die Fahrt mit dem Zug nicht das größte Problem war, empfand sie die vielen Straßen in der Metropole als undurchschaubar. „Ich musste mir die Straßennamen einprägen“, erzählt sie.

Jetzt wünscht sie sich sehnlichst eine Wohnung für ihre Familie. Als anerkannte Flüchtlinge mussten sie und ihren vier Geschwistern samt den Eltern die Unterkunft in der ehemaligen Pension in der Kelsterbacher Straße verlassen und in die neue Containerwohnung in der Straße „Außerhalb“ umziehen. Sie lebte fast drei Jahre in der früheren Pension, die sie als angenehmer empfand als die neue Unterkunft.

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