+
Organisationstalent: Ralf Ackermann sorgte dafür, dass aus einer ehemaligen Druckerei eine Unterkunft für Flüchlinge wurde.

Flüchtlinge untergebracht

Der Mann für schnelle Einsätze

Ralf Ackermann war als Leiter des Gefahrenabwehr- und Gesundheitszentrums des Kreises Offenbach mit der Einrichtung der Erstaufnahmestelle für rund 700 Flüchtlinge im ehemaligen Druckereigebäude der Frankfurter Rundschau betraut worden. Ihm oblag es als oberstem Einsatzleiter, die Hilfeleistungseinheiten zu koordinieren. Wie er die Herausforderung, die Erstaufnahmeeinrichtung in so kurzer Zeit „betriebsbereit“ zu übergeben, bewältigte, darüber sprach Ralf Ackermann mit FNP-Mitarbeiter Leo Postl.

Herr Ackermann, haben Sie jemals daran gedacht, dass auf den Kreis Offenbach und damit auf Sie persönlich so etwas zukommen könnte?

RALF ACKERMANN: Nachdem in einigen Städten und Kreisen in Hessen bereits Erstaufnahmeeinrichtungen entstanden waren, mussten wir damit rechnen, dass auch im Kreis Offenbach so eine Einrichtung kommt. Darum waren wir bereits in der Planungsphase und es wurde sogar ein Sondereinsatzplan entworfen.

Wann haben Sie den Anruf bezüglich der Erstaufnahmeeinrichtung in Neu-Isenburg erhalten – und von wem?

ACKERMANN: Landrat Oliver Quilling hat mich am Mittwoch, 2. September, gegen 14.30 Uhr informiert, dass ein Ortstermin in Neu-Isenburg stattfindet, an dem ich und auch die Bauaufsicht teilnehmen sollen. An Ort und Stelle sollten die ehemaligen Räume der Frankfurter Rundschau geprüft werden, ob sie aus bau- und brandschutztechnischen Aspekten geeignet sind, um Flüchtlinge unterzubringen. Der Einsatzauftrag kam dann formell am Donnerstag vom hessischen Innenministerium.

Was haben Sie in diesem Moment des Anrufs von Landrat Oliver Quilling gedacht?

ACKERMANN: Einfach nur: Jetzt müssen wir loslegen.

Wen haben Sie zuerst angerufen?

ACKERMANN: Den stellvertretenden Kreisbrandinspektor Thomas Peters, dann den Kleinen Stab im Gefahrenabwehr- und Gesundheitszentrum des Kreises, die Mitarbeiter des Hauses, und dann wurden die Führungskräfte der Hilfsorganisationen informiert.

Wie lief dann der Aufbau der Organisation für diesen Sondereinsatz?

ACKERMANN: Die Einsatzplanung, die ja schon in Teilen vorlag, ist von uns präzisiert und speziell auf das nun bekannte Objekt umgesetzt worden. Es gab eine wirklich gute Kooperation mit dem Vermieter, der uns in dieser Phase sehr unterstützt hat. Dann musste die Frage der Flucht- und Rettungswege gelöst und die dafür notwendigen baulichen Voraussetzungen, wie die Ebnung des Fußbodens oder Demontage von Einbauteilen, geregelt werden. Außerdem mussten noch Fragen der Hygiene, der Trinkwasserversorgung sowie Stromversorgung und Lüftung geklärt werden. Schließlich galt es noch, die Bereiche und Schleusen für die Untersuchungen, die Registrierung, Verpflegungsausgabe zu planen und auszustatten.

Wer waren Ihre wichtigsten Partner ?

ACKERMANN: Insbesondere mein Stellvertreter Thomas Peters und die Einsatzleitungen vom Deutschen Roten Kreuz, vom Malteser Hilfsdienst, von der Johanniter Unfallhilfe, den Feuerwehren und für die bauliche Unterstützung das Technische Hilfswerk.

Haben Sie im Moment der Anweisung darüber nachgedacht, ob diese Herausforderung in so kurzer Zeit zu schaffen sei?

ACKERMANN: Ja, aber daran hatte ich keine Zweifel, weil ich um die Kompetenz in den einzelnen Organisationen weiß.

Welchen Eindruck hatten Sie bei der Erstbesichtigung der Räume?

ACKERMANN: Ich war erstaunt über die Größe der leeren Anlage, aber es ging dann schnell an die Sachfragen, welche baulichen Veränderungen erforderlich sind, um den Raum am besten zu nutzen.

Und was denken Sie heute, wenn Sie durch die Halle gehen?

ACKERMANN: Der Aufbau ist gelungen und die Halle ist als Unterbringungsort sicherlich erheblich besser geeignet, als Zelte.

Gab es für Sie und ihre Einsatzkräfte schon mal ein offizielles Lob?

ACKERMANN: Landrat Oliver Quilling hat über eine Pressemitteilung die hervorragende Leistung der Einsatzkräfte gewürdigt. Sozialminister Stefan Grüttner und Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid haben bei Terminen an Ort und Stelle ebenfalls mehrfach die Leistungen der Einsatzkräfte gewürdigt, und gerade gestern hat Ministerpräsident Volker Bouffier das Engagement der Ehrenamtlichen im Zusammenhang mit der Betreuung von Flüchtlingen besonders hervorgehoben.

Gehen Sie davon aus, dass es im Kreis Offenbach weiteren Bedarf an Erstaufnahmeeinrichtungen geben wird?

ACKERMANN: Das ist von uns nicht einschätzbar, dies wird auf Landesebene entschieden, weil das Land für die Verteilung zuständig ist.

Wie wird man Chef eines Gefahrenabwehrzentrums?

ACKERMANN: Ich bin seit 24 Jahren Kreisbrandinspektor und in Leitungsfunktion – früher Abteilung Brand, Katastrophenschutz und Rettungsdienst. Seit mehr als zehn Jahren bin ich Leiter des Gefahrenabwehr- und Gesundheitszentrums des Kreises. Dort ist die gesamte nicht polizeiliche Gefahrenabwehr zusammengefasst.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare