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„MöWa für Zwei“ ruft zur Teilnahme am Bürgerentscheid in Mörfelden-Walldorf auf.

Abstimmung am Sonntag

Feuerwehrstandorte in Mörfelden-Walldorf: Die Meinung der Bürger ist gefragt

Die Anwohner der Doppelstadt entscheiden am Sonntag über einen oder zwei Feuerwehrstandorte. Hier Pros und Contras.

Nein: „Wir müssen die Kräfte bündeln"

Die Feuerwehrleute Kiyoshi Makabe und Alexander Madl engagieren sich privat für einen zentralen Standort. Sie nennen ihre fünf wichtigsten Argumente für ein „Nein" beim morgigen Bürgerentscheid.

Sicherheit: Alexander Madl verweist darauf, dass derzeit die vorgegebene Hilfsfrist zu oft nicht eingehalten würde. In Hessen muss bei einem Einsatz der Einsatzort in zehn Minuten nach der Alarmierung erreicht werden. Nach aktuellen Zahlen werde diese Vorgabe in Mörfelden-Walldorf in 90,4 Prozent der Fälle eingehalten. Dieser Wert sei in einem schleichenden Prozess in den vergangenen Jahren schlechter geworden, noch vor wenigen Jahren hätte er bei über 95 Prozent gelegen. Die Tagesalarmbereitschaft sei problematisch. Dem könnten die Bündelung der Kräfte an einem Gerätehaus sowie dessen verkehrsgünstige Lage entgegenwirken. Der neue Standort liege strategisch günstig, um die gesetzlich vorgegebene Hilfsfrist bei einem Einsatz im Stadtgebiet einhalten zu können. Zudem könne das Wohngebiet „An den Eichen“ viel besser erreicht werden, wo derzeit ein großes Problem bestünde. An einem zentralen Standort könnte zudem das erste Fahrzeug schneller mit den notwendigen sechs Personen besetzt werden und damit früher zum Einsatzort ausrücken.

Diese Feuerwehrleute sind für einen zentralen Standort in Mörfelden-Walldorf

Bündelung: Nach Meinung von Kiyoshi Makabe sprechen gesellschaftliche und demografische Entwicklungen klar für einen zentralen Standort. „Die Gesellschaft wird älter und ehrenamtliches Engagement geht leider zurück“, so Makabe. Daraus schließt er: „Wir müssen die Kräfte bündeln. Das ist die einzige vernünftige, weil langfristig tragfähige Lösung.“ Die Synergieeffekte an einem Standort würden zudem Vorteile beim Einsatz, in der Ausbildung und bei der Fahrzeug- und Gerätewartung ermöglichen. Auch könnten die Gerätewarte enger zusammenarbeiten.

Erweiterungsfläche: Kiyoshi Makabe verweist auf seine Erfahrungswerte aus 40 Jahren Feuerwehr, davon neun in Walldorf: „Wir brauchen heute viel mehr Platz als noch vor Jahren.“ Das gelte für nahezu alles – ob Fahrzeuge, Material oder Umkleiden. Diesen Platz für Erweiterungen sieht Makabe aber nur an einem neuen zentralen Gerätehaus, nicht an den bestehenden Standorten in Wohngebieten. Makabe hält es auch für sinnvoll, an den bisherigen Standorten neuen Wohnraum entstehen zu lassen.

Ehrenamt: Der von SPD, Freien Wählern und FDP getragene Beschluss für einen Standort stärkt nach Meinung Makabes das Ehrenamt. „Wir haben die einmalige Chance, unsere Anliegen als Feuerwehrleute im Prozess des Neubaus einzubringen.“ Eine moderne Ausstattung in einem neuen Gerätehaus werde die Feuerwehr attraktiver machen, auch für Nachwuchs.

Kosten: Mit Verweis auf gesellschaftliche und demografische Entwicklungen sagt Madl, wenn hauptamtliche Kräfte langfristig notwendig werden sollten, dass diese nur an einem Standort überhaupt für die Stadt bezahlbar wären. Er verweist darauf, dass die Unterhaltungskosten für ein Gerätehaus langfristig deutlich geringer seien. Zudem halte ein Neubau länger. Das Projekt sei eine tragfähige Lösung für 50 Jahre.

Ja: „Zwei Gerätehäuser bedeuten mehr Sicherheit"

Die Feuerwehrleute Raphael Anger und Sebastian Gleser engagieren sich privat für die Beibehaltung von zwei Gerätehäusern, eines in jedem Stadtteil. Sie nennen ihre fünf wichtigsten Argumente für ein „Ja"

Sicherheit:  Laut Raphael Anger und Sebastian Gleser würde ein zentraler Standort in der Wageninger Straße eine klare Verschlechterung für den Brandschutz bedeuten: „Zwei Standorte bedeuten mehr Sicherheit“, sagt Anger. Gerade im Berufsverkehr seien der Vitrolles-Ring und die B 44 oft verstopft. „Jetzt können wir über viele Seitenstraßen oder mit dem Fahrrad schnell an die beiden Gerätehäuser kommen“, so Anger. Kämen Unfälle hinzu, zum Beispiel auf der B 44, verschlechtere sich die Situation zusätzlich. „Das große Problem für die Feuerwehrleute ist die Anfahrt mit Privatautos zum zentralen Gerätehaus“, sagt Gleser. Hier gingen für den Einsatz wichtige Minuten verloren. Anger führt aus, dass die Feuerwehr bei nur noch einem Gerätehaus länger zu vielen bevölkerungsreichen Wohngebieten brauchen werde. Das würden auch Zahlen zeigen, die der Magistrat vorgelegt habe. Gleser betont, dass zur Zeit 90 Einsatzkräfte (45 pro Stadtteil) innerhalb eines Radius von drei Minuten von einem der beiden Gerätehäuser wohnen würden. Bei einem zentralen Gerätehaus würden in einem solchen Radius stadtweit lediglich 40 Kameraden wohnen.

Info: Wählen gehen

Was müssen Bürger wählen, die für zwei Standorte sind? Wer für die Beibehaltung von zwei Gerätehäusern ist, der muss mit „Ja“ stimmen. Die Frage beim Bürgerentscheid lautet nämlich: „Sind Sie dafür, dass zwei Feuerwehrgerätehäuser in Mörfelden und Walldorf erhalten bleiben sollen?“ Nach jetziger Beschlusslage der Stadtverordnetenversammlung vom 19. Juni soll ein zentrales Feuerwehrgerätehaus zwischen beiden Stadtteilen in der Wageninger Straße gebaut werden. Die Befürworter von zwei Standorten möchten diesen Beschluss gerne mit einem „Ja“ revidieren.

Ehrenamt: Gleser und Anger betonen, dass nicht nur die Wehrführer, sondern auch die große Mehrzahl der Feuerwehrleute, für die Beibehaltung von zwei Standorten seien. Eine Entscheidung für ein zentrales Gerätehaus sei daher auch eine gegen das ehrenamtliche Engagement der meisten Feuerwehrleute. Das sei für viele demotivierend, Austritte wären wahrscheinlich. Gleser verweist hierbei auf das Negativbeispiel Sprendlingen, wo dies nach einer ähnlichen Entscheidung so passierte. Die landesweite Erfahrung zeige, dass bei einer Zusammenlegung mit einem Rückgang von rund 30 Prozent der Kameraden zu rechnen sei.

Kosten: Der von Anger und Gleser befürchtete Rückgang beim ehrenamtlichen Engagement habe direkte Auswirkungen auf die Kosten, die ein zentrales Gerätehaus verursachen würde. So sei es wahrscheinlich, dass dann hauptamtliche Kräfte eingestellt werden müssten. Diese würden aber Personalkosten von bis zu zwei Millionen Euro jährlich verursachen. Das sei in den Planungen der Stadt aber bislang gar nicht berücksichtigt.

Jugendarbeit: Laut Anger und Gleser würde sich bei einem zentralen Standort, der weit außerhalb des Stadtgebiets liege, der Anfahrtsweg für die Kinder durch unbewohntes und unbeleuchtetes Gebiet erheblich verschlechtern. Das gefährde wiederum die Nachwuchsförderung in der Jugendarbeit.

Vereinsleben:  Laut Anger und Gleser ist die Feuerwehr sowohl in Mörfelden als auch in Walldorf ein Teil des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens. Sie trage mit zahlreichen Festen und Veranstaltungen zur Belebung der Stadtkerne bei. Es wäre daher auch ein gesellschaftlicher Verlust, wenn die Feuerwachen in den Stadtteilen geschlossen würden.

Kommentar: Abstimmen

Morgen ist es so weit: Die Bürger können in einem Bürgerentscheid über die Zukunft der Freiwilligen Feuerwehr Mörfelden-Walldorf abstimmen. Die Diskussion über ein oder zwei Feuerwehrgerätehäuser war das politische Top-Thema des Jahres. Die emotional geführte Debatte driftete hierbei leider, besonders in den sozialen Medien, nicht selten ins Persönliche ab. Das ist schade, da beide Seiten jeweils starke Argumente für ihre Sichtweise ins Feld führen können. Die Bürger stehen deshalb vor keiner Entscheidung nach dem Motto: „Schwarz“ oder „Weiß“, „Gut“ oder „Böse“. Die richtige Metapher ist die Waage: Welche Seite kann mehr beziehungsweise stärkere Argumente auf die eigene Waagschale legen? Hier gibt es keine objektive Wahrheit, sondern das ist wohl eine Frage der Perspektive. Alle Ehrenamtlichen haben großen Respekt verdient, doch gilt das für ehrenamtliche Feuerwehrleute ganz besonders. Warum? Kurz gesagt: Weil sie da reinrennen, wo andere rausrennen. Der Respekt gilt für alle Feuerwehrleute gleichermaßen, ob sie nun für einen oder zwei Standorte sind. Daher sind es die Bürger den Kameraden durchaus schuldig, sich mit dem Thema zu befassen, sich die eigene Entscheidung zu überlegen und ihre Stimme abzugeben.

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