Ein kleines Mädchen rollt mit ihrem Laufrad zum Eingang einer Kita.
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In Mörfelden-Walldorf sind mehrere Einrichtungen wegen eines größeren Corona-Ausbruchs wieder geschlossen. (Symbolbild)

Britische Variante B.1.1.7

Corona-Ausbruch in Kitas: Mehrere Kinder „sind wirklich krank“

  • Isabel Wetzel
    vonIsabel Wetzel
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In einer Kita in Mörfelden-Walldorf gab es einen größeren Corona-Ausbruch. Der Sozialdezernent der Stadt rechnet mit weiteren Kita-Schließungen.

  • Die Virusvarianten und Mutationen des Coronavirus stehen 2021 immer mehr im Fokus der Corona-Pandemie.
  • Unter anderem die britische Variante B.1.1.7 wurde schon zahlreich in Hessen nachgewiesen – sie soll deutlich ansteckender sein als das ursprüngliche Virus.
  • Nun ist eine Mutation in einer Kita in Mörfelden-Walldorf (Kreis Groß-Gerau) ausgebrochen.

Update von Dienstag, 02.03.2021, 13.00 Uhr: Der Erste Stadtrat von Mörfelden-Walldorf, Burkhard Ziegler, wandte sich aufgrund der Berichterstattung über die Corona-Situation in den Kitas der Doppelstadt an unsere Redaktion. In der Kita III Elsa-Brandström-Straße in Walldorf wurden offenbar nicht, wie zunächst vom Gesundheitsamt berichtet, elf Kinder und zwei Erzieher positiv auf das Coronavirus getestet. Die Kinder und Erzieher wurden lediglich in einer Vorsichtsmaßnahme des Kreisgesundheitsamtes Groß-Gerau in Quarantäne geschickt. Aktuell sei nur ein Kind in dieser Kita positiv getestet, so Ziegler. Das Gesundheitsamt bestätigte das auf Nachfrage und entschuldigt sich für die Verwechslung. Die Quarantäne bestehe weiterhin und es seien bislang keine weiteren Corona-Fälle bekannt.

Corona-Ausbruch in Kita: Mörfelden-Walldorf rechnet mit weiteren Schließungen

Erstmeldung von Montag, 01.03.2021: Mörfelden-Walldorf – Die Infektionszahlen in der Stadt und im gesamten südhessischen Landkreis Groß-Gerau stiegen zuletzt wieder stark an. Die Inzidenz des Kreises kratzt bereits wieder an der Marke von 100. Der Erste Stadtrat und Sozialdezernent von Mörfelden-Walldorf, Burkhard Ziegler, schiebt das zum Teil auch auf die Wiedereröffnung der Kitas, die das Land Hessen für den 22. Februar beschlossen hatte: „Leider sind auch Kitas [von den steigenden Zahlen] betroffen und das, obwohl die Hygienekonzepte des Landes und Kreises umgesetzt werden.“ 

Bereits in der vergangenen Woche wurde die Kita X Grünewaldweg geschlossen. Hier traten innerhalb kurzer Zeit besonders viele Infektionen auf. Die Stadt vermutete daher, dass die britische Virusvariante der Auslöser für den Ausbruch war, bei einigen Fällen wurde das auch bereits im Labor bestätigt. Ursprünglich sollte die Kita nur bis zum 2. März geschlossen bleiben. Da aber weitere Infektionen auftraten und daraus ein Personalmangel entstand, der nicht kompensiert werden kann, bleiben die Türen der Kita in Mörfelden nun bis zum 9. März geschlossen. „Es sind auch mehrere Kinder betroffen, was besonders tragisch ist. Ich hoffe, dass alle Erkrankten bald wieder gesund sind“, sagte Burkhard Ziegler, „Sie haben Symptome und sind wirklich krank.“

Nach Angaben des Kreisgesundheitsamtes Groß-Gerau wurden in der Kita X insgesamt 49 Corona-Infektionen registriert. Eine Sprecherin erklärte auf Nachfrage, dass 19 Kinder, 13 Erzieher und 17 Angehörige positiv auf das Coronavirus getestet wurden*. In neun Fällen fiel außerdem der sogenannte „Varianten PCR-Test“ positiv aus. Demnach wurde bei einer Erzieherin, zwei Kindern und sechs Angehörigen die britische Variante B.1.1.7 im Labor nachgewiesen. Diese Untersuchung sei sehr zuverlässig, so die Sprecherin, das Ergebnis der Ganzgenomsequenzierung zum endgültigen Nachweis der Virus-Mutationen stehe aber noch aus. Insgesamt wurden im Kreis Groß-Gerau bislang 140 Fälle von Virus-Mutationen registriert.

Corona-Ausbruch durch britische Mutation: Mehrere Kitas in Mörfelden-Walldorf betroffen

Und es sind weitere Kitas in Mörfelden-Walldorf betroffen: In der Kita III Elsa-Brandström-Straße in Walldorf wurden laut Gesundheitsamt 13 Infektionen registriert, davon elf Kinder und zwei Erzieherinnen. Hier liegen allerdings noch keine Informationen vor, ob es sich ebenfalls um die britische Corona-Variante handelt. In der Kita I Treburer Straße stehe das Ergebnis eines PCR-Tests einer Erzieherin außerdem noch aus. Ihr Schnelltest fiel positiv aus, nachdem sie offenbar persönlichen Kontakt zu Betroffenen aus den anderen Kitas hatte.

Auch in der Kita V Heidelberger Straße und der Kita XII Gärtnerweg gab es bereits Corona-Fälle. Stadtrat Ziegler geht daher davon aus, dass das nicht die letzte Kita-Schließung in der Stadt und im Kreis Groß-Gerau bleiben wird: „Wenn sich die hoch ansteckende britische Mutation in den Kitas verbreitet und sich vermehrt Erzieher:innen anstecken, wird das Gesundheitsamt entsprechende Quarantänen verordnen und wir werden aufgrund des Personalmangels die Kitas schließen müssen“, ist er sich sicher. Und das könne von heute auf morgen geschehen. „Eine Planungssicherheit gibt es nicht. Wir sind gezwungen kurzfristig zu handeln.“

Kritik an Hessens Corona-Politik: „Eltern denken, Kitas hätten normal geöffnet“

Kritik übt der Erste Stadtrat an der hessischen Landesregierung. Die hatte entschieden die Kitas, zusammen mit den Schulen, ab dem 22. Februar wieder zu öffnen. „Ab dem 22. Februar sollen alle Kinder Zugang zur Kindertagesbetreuung erhalten“, heißt es in der Erklärung des Landes. Laut Ziegler signalisiere das den Eltern allerdings eine Normalität, die es so noch nicht gebe: „[Die Regierung] macht aus dem Appell, die Kinder zu Hause zu betreuen, einfach eine Bitte. Das ist nichts weiter als ein juristischer Schachzug, der uns vor eine große Herausforderung stellt.“

Die aktuellen Corona-Regeln seien mit dem ersten Lockdown in 2020 nicht vergleichbar. Damals gab es ein Betretungsverbot und eine Notbetreuung für systemrelevante Berufsgruppen. Da jetzt alle Kinder kommen dürfen, sind derzeit deutlich mehr Kinder in der Betreuung, als vor knapp einem Jahr. Im zweiten Lockdown gab es eine „Betreuung unter Corona-Bedingungen“. Viele Eltern folgten dem Appell der Regierung und betreuten ihre Kinder zu Hause. Um diese Eltern finanziell ein wenig zu entlasten und ihnen zu danken, erhielten diejenigen, die ihre Kinder nicht in die Kita gaben, ihre Gebühren und das Essensgeld von der Stadt Mörfelden-Walldorf zurück. Diese Ausfälle der Stadt wurden dann zum Teil vom Land ausgeglichen. Da der Beschluss allerdings an den Appell des Landes Hessen gekoppelt ist, gilt er durch die Änderung des Landes nur für die Monate Januar und Februar. Daher sind in der südhessischen Doppelstadt jetzt fast alle Kinder zurück in den Kitas.

Corona in Hessens Kitas: Erzieher sollen jetzt früher geimpft werden

Eltern und Erzieher fühlen sich bei der Organisation der Kinderbetreuung in vielen Punkten von der Regierung im Stich gelassen. Denn der Corona-Alltag in den hessischen Kitas ist nun mal: viele Kontaktpersonen, Abstand halten nicht möglich. Schon Anfang des Jahres haben sich die Erzieher einer Kita in Wiesbaden mit deutlichen Forderungen in einem offenen Brief an Hessens Landesregierung gewandt. Erst zur schrittweisen Öffnung von Schulen und Kitas am 22. Februar haben die Gesundheitsminister von Bund und Ländern dann beschlossen, dass Erzieher und Lehrer schneller die Corona-Schutzimpfung erhalten sollen - zum eigenen Schutz und zum Schutz der Kinder. Ein guter Schritt, doch wie das Beispiel aus Mörfelden-Walldorf zeigt, vielleicht etwas zu spät. (iwe)

*Die elf Kinder und zwei Erzieher in der Kita III in Walldorf sind in einer Vorsichtsmaßnahme in Quarantäne geschickt worden, jedoch bisher nicht positiv auf das Virus getestet. Das Gesundheitsamt entschuldigt sich für den Fehler.

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