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Ärger über Ausnahmen bei Nachtflügen

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Das Thema Verspätungen und Nachtflugverbot stand im Mittelpunkt der Diskussion in Mörfelden-Walldorf.
Das Thema Verspätungen und Nachtflugverbot stand im Mittelpunkt der Diskussion in Mörfelden-Walldorf. © Marc Schüler (Marc Schueler)

Thomas Norgall vom BUND erhielt Applaus, als er bei der Veranstaltung „Wir und der Flughafen“ forderte, Landungen nach 23 Uhr nur noch in wirklichen Ausnahmefällen zuzulassen. Fluggesellschaften, die sich nicht daran hielten, sollten einen Verweis erhalten.

„Wir und der Flughafen“ hieß es am Donnerstagabend im Sitzungssaal des Walldorfer Rathauses. Mit dem Thema „Verspätung und Nachtflugverbot“ hatten die Organisatoren der Doppelstadt und Bürgerinitiativen ein sehr aktuelles Thema aufgegriffen.

Mit Thomas Norgall vom BUND Landesverband und der Fluglärmschutzbeauftragten des hessischen Wirtschaftsministeriums, Regine Barth, waren zwei kompetente Experten gekommen, die in ihren Vorträgen die Schwierigkeiten mit diesem Thema beleuchteten.

Dies stieß nicht immer auf Verständnis, sogar der Vorwurf einer Politisierung der Veranstaltung in Hinblick auf die Landtagswahlen im Herbst wurde den Rednern vorgeworfen und von diesen, sowie durch den Beifall der anderen Anwesenden scharf zurückgewiesen.

In seiner Einführung in das Thema sprach Bürgermeister Heinz-Peter Becker (SPD) gleich Tacheles. „Das Thema hat für uns eine besondere Bedeutung, vor allem, da Ryanair nun am Frankfurter Flughafen landet. Durch die verspäteten Landungen von Ryanair wurde das Thema erst verschärft, denn diese Gesellschaft ist für rund ein Viertel der verspäteten Landungen verantwortlich“, erklärte Becker.

Acht Stunden Schlafenszeit

Thomas Norgall vom BUND Landesverband führte Zahlen und Statistiken an, die belegten, dass verspätete Landungen kein alleiniges Problem am Frankfurter Flughafen seien. Vielmehr würde es das an allen weiteren Drehkreuzen in Deutschland wie München, Düsseldorf, Hamburg oder Berlin geben. Er betonte aber, dass es eine achtstündige Schlafenszeit für Menschen gebe, die für den BUND die größte Bedeutung in der ganzen Lärmschutzdiskussion habe.

Alleine 1144 verspätete Starts und Landungen habe es im Jahr 2017 in Frankfurt gegeben, für das Jahr 2018 erwartet Norgall eine Steigerung aufgrund der verstärkten Präsenz von Billigfliegern. „Doch das größte Problem ist die im Planfeststellungsverfahren aufgenommene Zahl von 7,5 Verspätungen als Ausnahme im Schnitt pro Tag, nach deren Überschreitung erst nach alternativen Lösungen gesucht werden muss. Dies bedeutet eine Ausnahme von 2737,5 Flugbewegungen im Jahr. Für uns viel zu viele und keine Ausnahme mehr“, so Norgall.

Spontanen Applaus erhielt er nicht nur für seine Forderung, Landungen nach 23 Uhr nur noch in wirklichen Ausnahmefällen zuzulassen, sondern auch Fluggesellschaften wie Ryanair einen Verweis auszusprechen, sollten sie regelmäßig und fast systematisch zu Ausnahmen werden.

Regine Barth versuchte, den Umweltschützern etwas Wind aus den Segeln zu nehmen. Sie verwies darauf, dass die aktuelle Verspätungssituation zwar niemandem gefalle, rechtlich gesehen durch den Planfeststellungsbeschluss von 2007 der Behörde aber die Hände gebunden seien. „Und gegen den Plan, Ryanair bei regelmäßigen Verstößen gegen das Nachtflugverbot zu verweisen, spricht alleine das EU-Recht, das uns dies verbietet“, erklärte sie. Sie bestätigte jedoch, dass auch jetzt nach der Umstellung auf den Sommerflugplan zwei Flüge von Ryanair aus Barcelona und Stansted auffällig wären.

Aufgrund der von Ryanair kalkulierten Umdrehzeiten von nur 25 Minuten, seien Verspätungen auf großen Flughäfen vorprogrammiert. „Wenn Ryanair an kleinen Airports der Haupt-Carrier ist, dann funktioniert das, aber an großen Flughäfen mit längeren Wegen, klappt das eben nicht. Viele Flüge von Ryanair sind aber pünktlich, doch diese beiden sind momentan auffällig“, sagte Barth und kündigte die Einleitung eines Ordnungswidrigkeitsverfahrens gegen die Fluglinie an. Dabei läge aber die Beweislast bei der Behörde, was nicht einfach sei.

Emotionale Diskussion

Die anschließende Diskussion bei der Versammlung bekam eine sehr emotionale Note, denn schnell war jedem Teilnehmer klar geworden, dass gegen den Planfeststellungsbeschluss von 2007 nur schwer anzukommen sei.

Forderungen zu demonstrieren oder Klagen einzureichen wies Norgall zurück. „Der sinnvollste Weg ist es, wenn der Betreiber, also Fraport, die Aufhebung des Planfeststellungsbeschlusses beantragt. Das ist nicht so abwegig, wie es klingt. Denn im Vorstand und Aufsichtsrat sind die Gewerkschaften stark vertreten. Und diese Vertreter repräsentieren Sie hier, ihre Mitglieder und oft auch Anwohner. Hier müssen wir ansetzen und Druck machen“, so der Vorschlag des BUND Landesbeauftragten.

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