Leidenschaftlicher Hobby-Historiker: Werner Schmidt freut sich über den Erfolg seiner gegründeten Facebook-Gruppe "Mörfelder und Walldorfer Geschichte/n". FOTO: Koch
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Leidenschaftlicher Hobby-Historiker: Werner Schmidt freut sich über den Erfolg seiner gegründeten Facebook-Gruppe "Mörfelder und Walldorfer Geschichte/n".

Porträt

Als sich die Römer am Hegbach ansiedelten

  • VonAlexander Koch
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Werner Schmidt teilt sein historisches Wissen im Internet

Mehr Menschen für die Geschichte von Mörfelden und Walldorf zu interessieren - das möchte Werner Schmidt erreichen. Er ist in der Bevölkerung bekannt, da er bereits seit vier Jahrzehnten ehrenamtlich in der Kommunalpolitik von Mörfelden-Walldorf aktiv ist.

Hierbei hat der Sozialdemokrat bereits eine Vielzahl wichtiger Funktionen bekleidet, unter anderem war er bis zum Frühjahr 2021 zehn Jahre lang Stadtverordnetenvorsteher. Aktuell ist Schmidt der Vorsitzende des Haupt- und Finanzausschusses. Bis vor einem halben Jahr war eher wenig bekannt, dass der Kommunalpolitiker auch ein leidenschaftlicher Hobby-Historiker ist, der sich insbesondere für die Geschichte von Mörfelden und Walldorf interessiert.

Mitglieder werden selbst aktiv

Anfang des Jahres entschied er sich, sein Wissen zu teilen und auf Facebook eine eigene Gruppe unter dem Titel "Mörfelder und Walldorfer Geschichte/n" zu gründen. "Vom Erfolg wurde ich selbst überrascht", betont Schmidt. So gehören der Gruppe inzwischen mehr als 340 Mitglieder an, vorwiegend Einwohner aus der Doppelstadt. "Die Gruppe ist für alle Interessierten offen", betont der Gründer. So können sich sowohl Zugezogene über ihre neue Stadt und deren Historie informieren, aber auch Alteingesessene haben die Chance, weniger bekannte Geschichten kennenzulernen.

Nach Gründung der Gruppe füllte Werner Schmidt die Seite schnell mit vielen historischen Inhalten. Bald jedoch machten mehr und mehr Teilnehmer mit, die selbst Texte und historische Fotos posteten. Breit ist das Spektrum der behandelten Jahrhunderte. Hierbei ist auffällig, dass sich viele Beiträge von Gruppenmitgliedern auf das 19. oder 20. Jahrhundert beziehen. Werner Schmidt hat hingegen seinen Schwerpunkt besonders auf die Frühgeschichte von Mörfelden und Walldorf gelegt. So hat er sich beispielsweise intensiv mit der Villa Rustica an der sogenannten "Kirschnersheck" oberhalb des Hegbachs befasst. Das Areal befindet sich heute auf Mörfelder Gemarkung. Die ehemalige Villa Rustica war 1972 zum ersten Mal in den Fokus interessierter Heimatkundler gerückt, als Fragmente einer römischen Gutshofanlage gefunden wurden. Bei Ausgrabungen konnten 1978 und 1980 weitere Funde geborgen werden.

Noch viel zu entdecken

Hierzu gehörte auch eine römische Münze, die im ersten Jahrhundert nach Christus geprägt wurde. Insgesamt lässt sich aus dem Fundmaterial eine Besiedlungsphase für die ersten Jahrhunderte nach Christus erschließen. Konkretere Hinweise auf die Bewohner des Gutshofes gibt es jedoch nicht. Schmidt weist mit Bezug zur Aktualität auf das strategische Geschick der Römer hin: "Die Römer sind immer mit Überlegung vorgegangen." So hätten sie bewusst in der Nähe des Hegbachs, aber mit Blick auf mögliche Hochwasser auf einer Anhöhe den Gutshof angesiedelt. Schmidt hat sich außerdem intensiv mit der fränkischen Siedlung Gundheim befasst, die heute auf Walldorfer Gemarkung liegt. Diese wurde 834 nach Christus erstmals urkundlich erwähnt. "Die Siedlung dürfte zu diesem Zeitpunkt bereits länger bestanden haben", so Schmidt. Entscheidend zur Siedlungsgründung wird die Lage an uralten Straßen und Wegeverbindungen beigetragen haben. Von Sumpfgebiet umgeben lag die Siedlung an einer strategisch wichtigen Straße zwischen Mainz und Aschaffenburg. Diese wurde zur damaligen Zeit regelmäßig auch von den fränkischen Königen und Kaisern genutzt. Darüber hinaus war natürlich die Nähe zum Gundbach wichtig. Schmidt vermutet zudem, dass durch die zahlreichen Wälder die Gewinnung von Holzkohle für die Eisenverarbeitung in Schmieden ein zentraler Aspekt gewesen sei. Von der ehemaligen Siedlung ist heute nur noch der Gundhof geblieben.

Werner Schmidt hat noch viele weitere historische Themen der Ortsgeschichte aufgearbeitet. Er betont, dass es noch sehr viel mehr zu beiden Stadtteilen der Doppelstadt und ihrer Geschichte aus der Früh- und Neuzeit zu entdecken gäbe. Er hofft daher, dass die Mitglieder den "Mörfelder und Walldorfer Geschichte/n" treu bleiben. Zudem würde sich der Gründer freuen, wenn sich noch mehr Interessierte für die Ortsgeschichte begeistern und der Gruppe beitreten sowie dort Beiträge einstellen würden. ALEXANDER KOCH

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